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Ballett

11.05.2015

Frisch, frech, spektakulär

Kraftvoll und erotisch: die Szene „Wollust“ von Theophilus Vesely mit Riccardo De Nigris und Joel Di Stefano (oben).
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Kraftvoll und erotisch: die Szene „Wollust“ von Theophilus Vesely mit Riccardo De Nigris und Joel Di Stefano (oben).

Sieben Tänzer erproben sich in „Destillationen IV“ mit eigenen Choreografien

Alle zwei Jahre gibt Ballettdirektor Robert Conn seinen Tänzern der Ballett Company des Theaters Augsburg die Möglichkeit, selbst einmal als Choreografen zu wirken. „Destillationen IV“ bot heuer in der ausverkauften Brechtbühne ein paar Neuerungen. Wie der 2. Ballettmeister Armin Frauenschuh als Moderator zu Beginn verriet, hat Aufsteiger Riccardo De Nigris mit organisiert und geplant und würde mit zwei Stücken mit dabei sein. Außerdem stand der Abend der Jungchoreografen erstmals unter einem Motto: „Unsere tägliche Maske“.

Per großflächiger Videoeinspielung erzählten die Künstler jeweils vor ihrer Darbietung, wer sie sind, wie sie die neuartige Erfahrung, selbst für ein Stück verantwortlich zu sein, empfinden und auch etwas zum Inhalt und ihrer Konzeption. Für Conn ist es nach eigenen Worten die Gelegenheit zu sehen, wie seine Tänzer denken, wie sie lernen und wie stark sie sind.

Der ambitionierte Ballettdirektor ging mit wunderbarem Beispiel voran. Mit „Colors“ setzte er das Individuum Mensch mit Farben in Szene und setzte den Druck der Gesellschaft ganz in grau dagegen. Geschmeidig berührende Bewegungen zu Elektromusik von „Aphex Twin“ und ein fantastisches Spiel graziler Bewegungen zu Licht und Schatten. Für Eveline Drummen war es ein tolles Gefühl, dass die Tänzer einmal auf sie hörten und sie tauchte mit ihrer „Aufkeimenden Erkenntnis sich teilender Wege“ in eine ganz neue Welt ein. Traumhaft und voller Emotion war ihre Uraufführung von „For(n)ever“. Janet Sartore sprühte mit ihrer Choreografie „Shin-Ji-Tsu“ nur so voller Leichtigkeit und Freude zu argentinischer Musik von „Gotan Project“. Sie kam zu dem Schluss, dass unter den Masken alle gleich sind – nämlich menschlich.

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Mit Sicherheit die mutigste und spektakulärste Inszenierung dürfte von dem 22-jährigen Wiener Theophilus Vesely gewesen sein. Mit „Wollust“ trat er dafür ein, dass Menschen so lieben dürfen, wie sie wollen, ohne verurteilt zu werden. Bizarr, teils anrüchig mit einem Touch von Tabulosigkeit stellte er seine Tänzer Riccardo De Nigris, Joel Di Stefano, Jeanne Baudrier und Ana Dordevic futuristisch, kraftvoll und erotisch in Szene. Schweißperlen spritzen durch die Luft und der Herzschlag zur Musik von „Massive Attack – Butterfly Caught“ ging dabei unter die Haut.

Herrlich peppig, nostalgisch, frech, frisch und humorvoll gestaltete die 20-jährige Spanierin Laura Armendariz mit „Let it go“ zur Musik von „The Proclaimers“ ihre Aufführung und arbeitete dabei originell mit beleuchteten Frames. Di Stefano behandelte das Thema bittersüß mit dem Ödipus Komplex zu „Blue Velvet“.

Der Höhepunkt des Abends war die rund zwanzigminütige Inszenierung „Eye-Dentity“ von De Nigris, der mit einer ganzen Schar von Tänzern hantierte und seine Figuren nahezu nackt in hautfarbener hauchdünner Kostümierung auftreten ließ. Das Publikum bezog er mit 24 grellen riesigen Scheinwerfern ein.

Nackt deshalb, weil wir nackt geboren werden. Doch bleiben wir uns treu wie bei der Geburt? So lautete seine Frage, die er tänzerisch und mit allen Mitteln der Kunst ausdrucksstark beantwortete. „Eye-Dentity“ bot mittendrin auch ein ausgesprochen gelungenes Männerballett der Moderne zu kühler Musik von „Baustein“. Ein großartiger Ballettabend, der lang anhaltend bejubelt wurde vom Publikum.

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