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Augsburg

30.07.2010

Früherer TV-Koch landet jetzt hinter Gittern

Küchenszene.

Er kochte mit Starköchen und zauberte für Promis und Politiker Menüs. Damit ist vorerst Schluss. Ein Augsburger Küchenmeister landet hinter Gittern. Von Klaus Utzni

Er kochte Seit' an Seit' mit Starköchen, zauberte für Promis und Politiker Gourmet-Menüs auf den Tisch, trat zuletzt bei einem bundesweiten Fernsehsender in den "Kochwettstreit", wusste sich stets ins rechte Licht zu rücken: Doch mit den Gesetzen nahm er es offensichtlich nie besonders genau.

Ein 35 Jahre alter Augsburger Küchenmeister muss jetzt für acht Monate hinter Gitter, weil er in Zusammenhang mit der Pleite in einem renommierten Lokal die Sozialbeiträge für seine Angestellten nicht bezahlt hatte. Jetzt darf der Koch, wenn er denn will, in der Gefängnisküche seine Künste zeigen. Die Justiz hatte lange Zeit viel Geduld mit dem Mann, der sich selbst als "Starkoch" bezeichnete. Sein Strafregister weist immerhin schon acht Einträge, großteils mit Bewährungsstrafen, auf. Schon vor Jahren hätte der Küchenmeister einige Monate "gesiebte Luft" atmen sollen, als ein Gericht eine Bewährungsstrafe widerrufen hatte.

Doch der 35-Jährige fand überraschend Milde bei der Bayerischen Staatsregierung. Auf dem sogenannten "Gnadenwege" wandelte das Justizministerium die bereits rechtskräftige Haftstrafe wieder in eine Bewährungsstrafe um. Sehr zur Verwunderung von Juristen, denn die nach der bayerischen Verfassung möglichen Gnadenakte werden sehr selten gewährt und wenn, dann nur unter besonderen Umständen, wenn beispielsweise ein Häftling wegen einer schweren Krankheit dem Tode geweiht ist. Der Koch, dem nun sozusagen viele Vorstrafen den Brei verdorben hatten, ließ im Prozess vor Richterin Birgit Geißenberger über seinen Anwalt Werner Ruisinger eine Erklärung abgeben, in der er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft einräumt.

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Angeblich blieben

die Gäste aus

Da er bereits einen "Offenbarungseid" abgelegt hatte, hatte er seine Frau als Konzessionsinhaberin für das Lokal vorgeschoben, die nun mitangeklagt war. Weil die Geschäfte schlecht gingen, Gäste angeblich ausblieben, habe er die Sozialbeiträge nicht mehr bezahlen können. Auch in seinem neunten Verfahren hatte der bereits unter offener Bewährung stehende Küchenchef noch einmal auf Gnade gehofft. Doch Staatsanwaltschaft und Gericht fanden genügend Haare in der Suppe und verweigerten sich einem entsprechenden Deal. So war klar, dass der Prozess mit einem Hafturteil enden wird. Die Richterin machte dem 35-Jährigen deutlich, dass nach mehreren Bewährungsstrafen nun ein Ende der Milde gekommen sei: "Jetzt können Sie im Gefängnis über ihr Leben nachdenken."

Dies will der Koch denn wohl auch tun, denn er nahm den Schuldspruch sofort an. Seine Ehefrau (Verteidiger: Stefan Mittelbach) wurde zu einer Geldstrafe von 1350 Euro verurteilt. Von Klaus Utzni

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