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Augsburg

26.11.2017

Führt eine DNA-Spur nach 24 Jahren zum Prostituierten-Mörder?

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Die Leiche der Frau wurde in Gessertshausen abgelegt.
Bild: Marcus Merk

Vor 24 Jahren wurde die Prostituierte Angelika B. ermordet. Nun ist ein 49-Jähriger unter Verdacht geraten - aufgrund der DNA-Spur.

Es hat sich fast nichts verändert. Der Ort, an dem vor 24 Jahren die Leiche der Prostituierten Angelika B. abgelegt wurde, sieht heute genauso aus wie damals. Nur ein Baum am Bahndamm ist ein Stück gewachsen. Und an der Unterführung für die kleine Straße nach Gessertshausen hat jemand Graffiti gemalt. 24 Jahre blieb die Frage ungeklärt, wer Angelika B. in der Nacht zum 25. September 1993 ermordet und danach hier in einen Graben gelegt hat. Doch nun gehen die Ermittler der Kripo davon aus, dass sie wissen, wer in jener Nacht hier war.

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Nachdem die Verhaftung eines Tatverdächtigen durch einen Bericht unserer Zeitung bekannt wurde, gibt es nun neue Details. Es sind nach Informationen unserer Redaktion mehrere DNA-Spuren, die den Durchbruch bei den Ermittlungen gebracht haben. Auf diese Weise kamen die Beamten darauf, dass Stefan E., 49, unmittelbar vor dem Mord Kontakt zu der damals 36-Jährigen gehabt haben muss. Die Prostituierte, die im Milieu als „Anschi“ bekannt war, stand regelmäßig in Pfersee in der Nähe der Ackermann-Brücke und wartete auf Freier. Auch in der Mordnacht arbeitete sie dort auf dem Straßenstrich. Die Ermittler gehen davon aus, dass Stefan E. dort regelmäßige Prostituierte aufsuchte – und dass er „Anschi“ getötet hat. Die Ermittler sicherten damals fremdes DNA-Material an der Leiche der Frau. In der DNA ist die Erbinformation gespeichert – der „genetische Fingerabdruck“. DNA findet sich unter anderem in Blut, Hautschuppen und Sperma.

Lange halfen die DNA-Spuren nicht weiter

Lange kamen die Ermittler mit den DNA-Spuren aus dem Mordfall nicht weiter. Sie glichen die Spuren mit den DNA-Datenbanken ab, es gab aber keinen Treffer. Die DNA von Stefan E. war zwar seit Jahren bei der Polizei gespeichert, weil er immer wieder durch Drogendelikte aufgefallen ist. Erst jetzt ergab aber ein Abgleich die Übereinstimmung.

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Das liegt offensichtlich daran, dass die Methoden der DNA-Analyse immer besser worden sind. Oft ist es deshalb heute die DNA, die bei alten Mordfällen selbst nach Jahrzehnten plötzlich noch einen Täter enttarnt. Sie gilt daher auch als „Wunderwaffe“. Allerdings: In vielen Fällen ist es fraglich, ob der genetische Fingerabdruck allein für eine Verurteilung reicht. Meist sind weitere Spuren oder Zeugen erforderlich.

Angelika B. wurde vor 24 Jahren ermordet.
Bild: Bernd Hohlen

Das ist auch jetzt so, im Mordfall Angelika B. Die Kripo hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die intensiv ermittelt. Die Beamten durchleuchten Stefan E.s Umfeld. Sie befragten seit seiner Festnahme am Montag vergangener Woche unter anderem Verwandte, Freunde und Nachbarn in einem Mietshaus in der Jakobervorstadt, in dem er seit längerer Zeit wohnte. Die Ermittler haben sich auch in der Wohnung umgesehen, die Tür ist mit einem Siegel verschlossen. Ein Geständnis haben die Beamten dagegen bisher nicht. Stefan E. bestreite vehement, etwas mit dem Mord zu tun zu haben, sagt Verteidiger Klaus Rödl.

Die DNA von Stefan E. ist nach Informationen aus Polizeikreisen nicht der einzige genetische Fingerabdruck, der an der Leiche gefunden worden ist. Es gibt demnach auch Gen-Material von weiteren, nicht identifizierten Männern. Der Verdacht gegen den 49-Jährigen stützt sich offensichtlich vor allem darauf, dass sich seine DNA an mehreren Stellen der Leiche befand. Nach Ansicht der Ermittler spricht das dafür, dass er nicht nur als Kunde bei „Anschi“ war.

Verdächtiger bestreitet den Mord an der Prostituierten

Sie gehen davon aus, dass er sie umgebracht und danach zur späteren Fundstelle transportiert hat. Nachdem Stefan E. den Mord bestreitet, liegt auch das mögliche Motiv für die Tat im Dunkeln. Es wäre möglich, dass es der Mann, der damals in einem Kieswerk arbeitet, auf die Einnahme der Prostitutierten abgesehen haben könnte. Denkbar wären aber auch Eifersucht oder ein Streit aus einem anderen Grund.

Bei der Leiche fand man auch den Fuß eines Möbelstücks, 20 Zentimeter lang und aus Holz. Damit soll der Täter auf „Anschi“ eingeschlagen haben. Dieses Beweisstück brachte die Ermittler aber nicht weiter. Die Ermittler hatten schon direkt nach dem Mord im Jahr 1993 mehrere Freier der Prostituierten ausfindig gemacht und befragt. Von Stefan E. wussten die Ermittler damals aber nichts. Er selbst gibt offenbar an, er habe von dem Mord seinerzeit gar nichts mitbekommen.

Lebte hier jahrelang der Mörder der im Jahr 1993 getöteten Prostituierten Angelika B.? Polizisten nahmen den Verdächtigen Stefan E. in seiner Wohnung fest.
Bild: Bernd Hohlen

Der Verdächtige lebte zur Tatzeit noch bei den Eltern. Später, heißt es in seinem Umfeld, rutschte er in die Drogensucht ab und warf seinen Job im Kieswerk hin.

Nachbarn berichten, er habe in der Wohnung im dritten Stock, die von außen herunter gekommen wirkt, alleine gelebt. Er habe aber ein erwachsenes Kind. Wegen der Drogen und der damit verbundenen Straftaten musste er mehrfach schon kürzere Haftstrafen absitzen. Durch Gewalttaten soll er bisher aber nicht aufgefallen sein.

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