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Augsburg

16.01.2020

Führungsloses Pflegeheim "Haus Marie" schließt zum Ende der Woche

Es war bald einmal: Im Haus Marie werden derzeit noch 20 Heimbewohner gepflegt – Ende der Woche soll der Betrieb in der Einrichtung eingestellt werden.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Die personelle Situation ist nun so schlecht, dass die Heimaufsicht die Notbremse zieht. Bis Freitagabend müssen die verbliebenen 20 Bewohner ausziehen.

Die personelle Situation im Pflegeheim Haus Marie war in den vergangenen Monaten besorgniserregend. Ein Heimleiter und Geschäftsführer fehlten, die Pflegedienstleitung musste sich in den Krankenstand verabschieden, Mitarbeiter suchten sich aufgrund der Ungewissheit neue Jobs, letztlich kündigten sich auch noch die Gesellschafter der Betreiber-GmbH gegenseitig zum 31. Dezember. Das übrig gebliebene Personal kümmerte sich nach besten Kräften um die inzwischen 20 verbliebenen Bewohner – ohne zu wissen, wie es mit ihrer Zukunft im Haus Marie weitergehen soll. Seit Mittwoch weiß die Belegschaft, dass es dort für sie keine Zukunft gibt. Auch für die Angehörigen und Betreuer herrscht nun Klarheit.

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Nachdem sich in dieser Woche weitere Mitarbeiter krank gemeldet hatten, zog die Heimaufsicht die Notbremse. „Es wurde zu allen Betreuern Kontakt aufgenommen, sie wurden darüber informiert, dass die Betreuungs- und Pflegesituation mittelfristig nicht gewährleistet werden kann und sie sich eine neue Unterbringungsmöglichkeit suchen müssen“, sagt Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD). Bis Freitagmorgen haben Angehörige und Betreuer nun die Möglichkeit, selber einen neuen Heimplatz zu finden. „Es ist keine Zwangsmaßnahme, also keine Schließung unsererseits. Wir werden aktiv keine Verlegung vornehmen. Aber wenn es nötig wird, dann tun wir das auch“, erklärt Wurm.

"Ein ordentlicher Pflegebetrieb ist so nicht gewährleistet"

Schon bis Freitagabend soll das Haus Marie leer sein. Wurm: „So lange können die verbliebenen Mitarbeiter alles regeln. Dann sind ihre Akkus aber auch aufgebraucht.“ Er gehe in Kooperation mit dem Sozialreferat vor. Sozialreferent Stefan Kiefer (SPD) hat in den vergangenen Tagen viele Gespräche geführt. „Da die Betreibergesellschaft des Haus Marie keinen Geschäftsführer mehr hat, ist sie nicht handlungsfähig. Ein ordentlicher Pflegebetrieb ist so nicht gewährleistet. Wir haben Hilfe zur Lösung angeboten. Der Mehrheitsgesellschafter ist aber nicht kooperativ.“

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Das Haus Marie wurde über 20 Jahre lang von dem als „Pflege-Rebell“ bekannt gewordenen Augsburger Armin Rieger geleitet. 2018 schied er aufgrund eines Zerwürfnisses mit seinem Mitgesellschafter aus. Laut Handelsregister hält Rieger 49 Prozent, Gesellschafter Werner Harlander mit 51 Prozent die Mehrheit der Anteile. Rieger will sich am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung äußern. Er sagt: „Ich habe bis zuletzt gekämpft. Am Ende lag das nicht mehr in meinen Händen.“ Seit Geschäftspartner Harlander war für unsere Redaktion telefonisch nicht erreichbar.

Das Haus Marie in der Jakobervorstadt hatte einen guten Ruf – es wurde lange Zeit von dem als „Pflege-Rebell“ bekannt gewordenen Augsburger Armin Rieger geleitet. Jetzt steht es aber ohne Führung da.
Bild: Bernd Hohlen

Mirja Aschenbrenner, deren Vater seit elf Jahren im Haus Marie lebt, sagt, sie könne das Verhalten der Gesellschafter menschlich und moralisch überhaupt nicht nachvollziehen. „Das ist unverantwortlich.“ Aus der unsicheren Situation habe sie ihre Konsequenzen gezogen und seit vergangener Woche nach einer Alternative für ihren Vater gesucht. „Wir haben einen Heimplatz in Friedberg gefunden.“ Sie weiß, wie schwer es für die Heimbewohner sein wird, sich auf ein neues Lebensumfeld und andere Personen einzustellen. Im Haus Marie leben Menschen, die schwerst pflegebedürftig sind – etwa, weil sie an einer fortgeschrittenen Demenz leiden. „Der Eigenbetrieb Altenhilfe der Stadt Augsburg kann Plätze anbieten, speziell auch im Haus Lechrain, wo kürzlich unser Untermieter St. Afra ausgezogen ist. Aber auch wir bräuchten dafür selbst zusätzliches Personal und Zeitarbeit, um eine schnelle Hilfe zu bieten“, sagt Sozialreferent Stefan Kiefer. Die Heimbewohner brauchen eine beschützende Umgebung, etwa weil sie sonst weglaufen könnten. Das sei nicht in jeder Einrichtung gegeben. Er habe deshalb auch andere Träger angeschrieben.

Neun Bewohner suchen einen neuen Heimplatz

Für neun Bewohner werde derzeit noch ein Heimplatz gesucht, so der städtische Sozialplaner Klaus Kneißl, der am Mittwoch mit dem Leiter der Heimaufsicht und einer Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes im Haus Marie war. Die Stimmung ist dort angespannt. Die Mitarbeiter wissen nicht, wer ihnen ihren Lohn zahlt, ob sie noch versichert sind und ob sie ohne Kündigung Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.

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16.01.2020

Unbegreiflich, wie Deutschland an die Wand gemanaged wird. Gibt es keine arbeitswilligen Flüchtlinge oder langzeitarbeitslose, die man für die einfachsten Tätigkeiten schnell einlernen könnte, damit sich das verbliebene Stammpersonal ausschließlich auf die Pflege konzentrieren kann?

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16.01.2020

Müssen Sie eigentlich bei *jedem* Thema Ihren Flüchtlingshass thematisieren? Ohne Worte!

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