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Für Kinder wenig geboten: Augsburgs Plätze sind ein Trauerspiel

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Kommentar Von Jörg Heinzle
17.06.2019

Plus Es könnte so schön sein: Spielende Kinder, glückliche Eltern – und Kunden für den Handel. Doch die Realität in Augsburg ist eine andere. Was sich ändern muss.

Pfaffenhofen an der Ilm ist eine überschaubare Kreisstadt mit rund 24.000 Einwohnern. Kein Vergleich zum mehr als zehnmal so großen Augsburg. Und doch ist die Kleinstadt der Großstadt in einem Punkt weit voraus: Kinder, die mit ihren Familien in die Innenstadt von Pfaffenhofen kommen, müssen sich – anders als in Augsburg – nicht langweilen. Seit dem Jahr 2017 steht in der guten Stube der Stadt, auf dem Hauptplatz, ein großer Spielplatz. Die Spielgeräte sind einer Wiese nachempfunden. Die Kinder bewegen sich wie Insekten zwischen Grashalmen. Es gibt Holzbalken zum Balancieren und Klettern, Netze und viel Sand zum Spielen. In Sichtweite zum Spielplatz haben Cafés ihre Außenbestuhlung.

Ein Kinderparadies im Zentrum der Stadt. In Pfaffenhofen an der Ilm gibt es auf dem Hauptplatz einen großen Spielplatz. Er sollte nur vorübergehend dort stehen, nun bleibt er aber dauerhaft, weil er bei Familien so beliebt ist.
Bild: Elisabeth Steinbüchler, Stadt Pfaffenhofen

In Augsburg ist es schwer, öffentliche Plätze für Familien zu finden

Der Spielplatz im Herzen von Pfaffenhofen sollte eigentlich nur den Sommer über dortbleiben, während einer Gartenschau in der Stadt. Doch dann wurde er so beliebt, dass sogar Unterschriften für den Erhalt gesammelt wurden. Jetzt steht der Spielplatz noch immer – und soll auch langfristig bleiben. Für Familien ist die Innenstadt dadurch einiges attraktiver geworden.

Und in Augsburg? Wer mit Kindern in der Innenstadt unterwegs ist, etwa beim Einkaufsbummel, und zwischendurch einen Spielplatz sucht, der tut sich schwer. Beim Zeughaus-Biergarten gibt es ein kleines, etwas in die Jahre gekommenes Spielehaus. In der Altstadt verstecken sich ein paar Spielplätze, von denen einige aber in eher zweifelhaftem Zustand sind. Ansonsten: neues Pflaster, ein paar Sitzbänke und gähnende Leere in Sachen Kinderfreundlichkeit. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren für viel Geld die Straßen und Plätze in der Innenstadt neu gestaltet. Doch daran, dass auch Familien mit Kindern sich hier wohlfühlen könnten, hat offenbar niemand gedacht – zumindest spürt man davon nicht viel.

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Dabei liegt es auf der Hand: Wer die Innenstadt beleben und den Einzelhandel stärken will, der muss auch die Familien in den Blick nehmen. Wenn es den Kindern Spaß macht, in die Stadt zu gehen, dann ist es auch für die Eltern angenehmer – und es kommen potenzielle Kunden für den Handel. Und sei es nur das Kinderbuch, das man noch schnell in der Buchhandlung kauft, wenn man ohnehin schon in der Stadt ist. Augsburg ist hier Entwicklungsland. In den wichtigen Straßen findet sich nicht ein Spielgerät für Kinder. Auch auf dem Königsplatz und dem Rathausplatz sieht es düster aus. Für Erwachsene ist ein Gastroangebot nach dem anderen dazugekommen in den vergangenen Jahren. Für Kinder oder auch Jugendliche? Nichts. Die Tischtennisplatten, die zeitweise auf dem Rathausplatz standen, sind auch wieder verschwunden.

Kinder spielen im Sommer in Duisburg zwischen Wasserfontänen. In der Wasserstadt Augsburg gibt es so etwas bislang nicht.
Bild: Elisabeth Steinbüchler, Stadt Pfaffenhofen

Es ist ein echtes Trauerspiel, denn es könnte so einfach sein. Es gibt genug Platz, um kleine Spielplätze einzurichten und einzelne Spielgeräte aufzustellen – etwa eine Schaukel, einen Balancierbalken oder eine Drehscheibe. Es gibt in Deutschland jede Menge Fußgängerzonen, die für Kinder so zumindest etwas attraktiver gemacht worden sind. Im Übrigen schon seit vielen Jahren. In den Augsburger Stadtteilen hat sich schon einiges getan. Gerade in den Neubaugebieten sind viele schön Spielplätze entstanden, die zu Besuchermagneten geworden sind.

Am Kö sollte doch Platz für einen Spielplatz sein

Die Innenstadt hat Nachholbedarf. Dabei wird über die Plätze in der Stadt ja immer wieder diskutiert. Regelmäßig wird beklagt, dass sie auch zu Treffpunkten von Süchtigen oder Jugendlichen werden, die für Lärm, Müll und eine angespannte Atmosphäre sorgen. Gerade der Kö macht damit immer wieder Negativschlagzeilen. Die Stadt hält mit Aktionen dagegen wie Klavieren, die auf den Plätzen aufgestellt werden. Das ist gut. Es wirkt aber nicht dauerhaft. Besser wäre es, die Plätze gezielt für Familien aufzuwerten und so eine bessere Mischung des Publikums zu erreichen. Warum soll auf dem Kö eigentlich kein Platz sein für einen spannenden Abenteuerspielplatz? Warum kann man keine Spieleinsel auf dem Elias-Holl-Platz hinter dem Rathaus einrichten – anstelle einer paar willkürlich abgestellten Sitzmöbel und Palmen, die eher in die Südsee passen?

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17 Bilder
Bilder: So schön sind Augsburgs Brunnen
Bild: Lasma Reimane und Elisa Glöckner

Und warum gibt es in der Wasserstadt Augsburg keine Wasserspiele, die diesen Namen verdienen? Die glatte Wasserfläche am Kö und die trostlosen kleinen Fontänen auf dem Martin-Luther-Platz sind mehr als nichts, aber auch nur überschaubar attraktiv für Kinder. Pfaffenhofen an der Ilm übrigens hat gleich neben dem Spielplatz auf dem Hauptplatz auch noch Wasserspiele, bei denen Wasserfontänen aus dem Boden spritzen. Im Sommer tummeln sich hier immer viele Kinder. Es gibt auch Städte, die ganze Konzepte erarbeiten, wie die Innenstadt kinderfreundlicher gestaltet werden kann.

Und in Augsburg? Die Stadt teilt auf Anfrage mit, es gebe bereits einige Ideen für Spielmöglichkeiten für Kinder in der Innenstadt. Wörtlich heißt es weiter: „Aufgrund bestehender Regelungen zur Verkehrssicherungspflicht und entsprechender Haftungsfragen muss die Umsetzung allerdings noch geprüft und über Alternativen nachgedacht werden.“ Auch Vandalismus und Verunreinigungen seien ein großes Problem. Nach einer Aufbruchstimmung klingt das nicht gerade – und auch nicht nach einem großen Wurf. Schade. Es ist zu befürchten, dass das Spielen in der Augsburger Innenstadt auf absehbare Zeit ein echtes Trauerspiel bleibt.

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Die Diskussion ist geschlossen.

16.06.2019

Steht jetzt das Einkaufen oder das Spielen im Vordergrund? Und auf dem Kö brächte ein Spielplatz wenig - wer kauft da schon in unmittelbarer Umgebung ein?

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16.06.2019

Bildunterschrift:
"....Wasserfontänen. In der Wasserstadt Augsburg gibt es so etwas bislang nicht."

Noch nie offenen Auges (mit Brille) am Theodor-Heuss-Platz gewesen ??

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26.06.2019

Am Heuss-Platz gibt es aber keine Cafés, in denen es sich die Eltern gut gehen lassen können und keine Geschäfte. Das ist ein reiner Erholspot für die Anwohner des Bismarckviertels. ;-)

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