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Für Lärm und Ärger am Elias-Holl-Platz gibt es keine einfache Lösung

Kommentar Von Marcus Bürzle
17.11.2018

Wenn sich Anwohner terrorisiert fühlen und ängstlich vor die Türe gehen, ist das untragbar. Die einfache Lösung liegt auf der Hand, sie hat aber große Tücken.

Wer aus dem Elias-Holl-Platz auf die Schnelle wieder einen ruhigen Platz machen möchte, muss nicht lange überlegen: Wenn Polizei und Ordnungsdienst dort regelmäßig, massiv und nachdrücklich vor Ort sind, werden die Anwohner sehr bald wieder ruhig schlafen können. Das ist ihnen von Herzen zu wünschen. Was sie beschreiben, ist tatsächlich eine Zumutung.

Die Stadt ist ein öffentlicher Raum und sie ist für jeden da. Genau deshalb müssen die Menschen in den Häusern um den Platz am Abend ihre Ruhe haben. Sie dürfen nicht angepöbelt werden und schon gar nicht bedroht ( Elias-Holl-Platz: Anwohner fühlen sich von Jugendlichen terrorisiert). Es kann nicht sein, dass sie aus Angst erst überlegen müssen, wann wer mit wem vor die Tür tritt. Die schnelle Medizin hat ihre Wirksamkeit schon oft bewiesen – aber auch ihre Schwäche trat schon zu oft zu Tage.

Warum haben die Bürger einen anderen Eindruck als die Stadt?

Wenn die Ordnungskräfte einen öffentlichen Platz stärker kontrollieren und dort Präsenz zeigen, löst ihr Erfolg einen Verdrängungseffekt aus: Sorgen sie am Königsplatz für Ruhe, ziehen die Gruppen weiter an den Holl-Platz. Sorgen sie dort für Ruhe, suchen sich die jungen Leute den nächsten Ort. Das Problem wird sich nur verlagern. Es werden andere Anwohner leiden und neue Probleme entstehen. Die Stadt hat schon reagiert und eine Kampagne mit Informationen, Streetworkern und Kontrollen gestartet. Die städtische Bilanz fiel vor einem Monat eher positiv aus – auch für den Holl-Platz. Sie muss sich allerdings fragen lassen, warum die täglichen Erlebnisse der Anwohner so ganz anders sind. Und sie darf nicht locker lassen. Aber wie?

Eine Lösung kann nur zweigleisig erreicht werden: Wer nicht weiß, wie er sich zu benehmen hat, muss es lernen. Am Elias-Holl-Platz geht es in vielen Fällen offenbar nicht um Straftaten. Aber auch störendes Verhalten, Geschrei und Ordnungswidrigkeiten können das Leben anderer Menschen beeinträchtigen. Auf dem abgeschlossenen Areal wirkt der Lärm besonders fatal; unter diesem Gesichtspunkt war wahrscheinlich sogar der offenen und weitläufige Königsplatz ein besserer Treffpunkt.

Und das Sicherheitsgefühl der Anwohner leidet. Daher müssen in diesem Fall Polizei und Ordnungsdienst Grenzen setzen. Öffentliche Plätze sind ein lebendiger Teil einer Großstadt. Wer sie aber nutzt, muss auch an die Regeln halten. Es ist kein neues Phänomen, dass das nicht alle Menschen beherzigen.

Stadt muss jungen Menschen Alternativen bieten

Im Fall des Elias-Holl-Platzes sind es offenbar vor allem junge Migranten, die sich dort treffen. Das muss man so benennen, eignet sich aber nicht für ein Pauschalurteil. Auch in der Vergangenheit haben sich Jugendliche und junge Erwachsene abends zusammen gefunden, egal ob Migrant, Flüchtling oder nicht. Vor dem Hauptbahnhof trafen sich schon vor Jahren die Punks und selbst auf dem schwäbischen Land gab es vor 30 Jahren schon Ärger, weil sich einheimische Jugendliche nächtelang trafen, tranken und lärmten. Die Nachbarn waren genervt und sauer. Das dient nicht zur Entschuldigung, sondern illustriert, warum eine wirkliche Lösung schwierig zu erreichen sein wird.

Die jungen Leute am Elias-Holl-Platz haben vermutlich zunächst auch erst einmal das Ziel, sich zu treffen und nicht das Ziel, Ärger zu machen. Dass man ihnen schnell klar machen muss, in welchem Rahmen das abzulaufen hat, ist keine Frage. Die nächste ist aber: Wie lässt sich verhindern, dass sich am Platz X oder Y gleich der nächste Brennpunkt bildet? Mit den Mitteln von Polizei und Ordnungsdienst alleine wird das nicht gelingen. Insofern war der Ansatz der Stadt richtig, flankierend auf die Streetworker des Stadtjugendrings zu setzen. Es geht nämlich auch darum, ins Gespräch zu kommen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, braucht es aber auch das nötige Personal und Geld. Am Ende wird es auch darum gehen, den jungen Leuten Alternativen zu bieten. Der Wunsch, sich zu treffen, bleibt.

Für solche Vorschläge wird man schnell gescholten. Aber es geht nicht darum, Fehlverhalten zu belohnen. Das Ziel muss sein, dass die Menschen in Ruhe und Sicherheit leben können. Dafür reicht es nicht, auf die schnelle Medizin zu setzen. Dahinter muss ein Plan stehen. Die Anwohner am Holl-Platz brauchen schnell Ruhe. Für die Menschen, die an anderen Plätzen leben, gilt aber das Gleiche.

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Die Diskussion ist geschlossen.

18.11.2018

"es gibt keine einfache Lösung" = Der Staat setzt seine eigenen Gesetze gegen bestimmte Menschen nicht durch.

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19.11.2018

Wenn ich so einen Mist schon Morgens lese kommt mir das Frühstück wieder hoch. Die unterschwellige Behauptung der Staat hätte den Willen Menschen (Sie meinen natürlich Migranten und "linkgrünversiffte") vor dem Recht zu schützen und versuchen damit Stimmung zu machen.

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18.11.2018

Ich muss Ihnen in einigen Punkten widersprechen. Sie tun all den Jugendlichen unrecht, die eben einfach Jugendliche sind und hin und wieder Unsinn machen, mal Alkohol trinken und sich daneben benehmen. Ganz so, wie es die meisten von uns eben auch mal gemacht haben aber hier geht es um ganz andere Jugendliche und junge Männer. Außerdem verunglimpfen Sie die Anwohner, die mit Sicherheit nicht wegen gewöhnlicher Jugendgruppen protestieren würden. Allen Anwohnern ist klar, dass wir in der Innenstadt leben und es lauter als sonst wo werden kann. Niemand will hier junge Menschen verbannen und einen Zaun drumherum ziehen.

Im Sommer als sich hier praktisch täglich stundenlang unfassbare Szenen abgespielt haben, hätten alle die jetzt über den Platz reden viele Gelegenheiten gehabt, um sich mal selbst ein Bild zu machen, denn die Probleme gibt es seit 2016. Und zwar nicht um 13:00 Uhr, sondern mal um 18:00, 21:00, 23:00 oder 01:00 Uhr. Jetzt, im nahendem Winter kann man sich das sparen.

Ich habe oft das Gefühl, dass die Verantwortlichen bis heute nicht verstanden haben, worum es eigentlich geht. 2017 wollte uns das Ordnungsamt erklären, dass man nichts gegen Leute ausrichten könne, nur weil sich diese anders kleiden (eine Anspielung auf die Punks) oder mal ein Feierabendbier trinken – als ob hier jemand damit ein Problem hätte. Das macht einen sprachlos und man fragt sich ob das wirklich so gemeint ist oder ob es einfach nur als Ausrede dient.

Die Streetworker haben zwar einen guten Zugang zu den Gruppen, die sich für gewöhnlich am oberen Rathausplatz aufhalten, aber mit diesen haben die Anwohner eher selten Probleme und selbst wenn, kann man mit denen wenigstens - gefahrlos - reden. An die Gruppen um die es eigentlich geht, trauen sich die Streetworker schon seit 2017 nicht mehr heran. Ich habe das Telefonat dazu noch sehr gut in Erinnerung.

Starker Alkohol in Mengen ist ein großes Problem geworden – vermutlich, wie in der gesamten Innenstadt. Hier spielt der REWE eine entscheidende Rolle, weil man nur noch die Treppe hochgehen muss, um nachzutanken. Wir reden dabei nicht etwa von Bier, sondern von Rucksäcken voller Schnapsflaschen, die dann oft in unauffällige Behälter umgefüllt und dann hier stundenlang bei absurd lauter Musik und Gegröle ungestört konsumiert werden.

Positiv erwähnen möchte ich allerdings, dass die Polizei ein entstehendes Drogenmilieu am Platz rasch im Griff bekommen hat. Es ist sehr bedauerlich, dass die Polizei sich meistens um nicht strafbare Handlungen kümmern muss aber es sollte allen klar sein, dass am Elias-Holl-Platz die Polizei nicht leichtfertig gerufen wird – ganz im Gegenteil, viele Anwohner trauen sich gar nicht.

Natürlich ist eine Lösung kompliziert und braucht Zeit aber es wäre schon mal ein Anfang, wenn sich alle darüber im Klaren werden, womit wir es hier eigentlich zu tun haben. Außerdem wäre es sehr hilfreich, wenn bereits beschlossene Maßnahmen, wie zum Beispiel das Vorgehen gegen extrem laute Musik aus tragbaren Lautsprecher auch umgesetzt werden. Das Ergebnis dieser einfachen aber sehr wirksamen Umsetzung wäre kommenden Frühling schon deutlich erkennbar...

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17.11.2018

Wie wäre es, wenn man mal damit beginnt, den Alkohol in der Öffentlichkeit zu verbieten?
Ich möchte nicht wissen,wie viele Schlägereien, Autounfälle und schließlich auch Geschrei damit vermieden werden könnte.
Ich habe insgesamt den Eindruck, dass Augsburg nur auf Sauferei ausgelegt ist. Eine Kirchweih jagt die nächste, alle 5 Minuten ein Brauereifest, Straßenfest und nicht zu vergessen, noch 2 mal Plärrer im Jahr.
Wird Zeit, dass mal wieder Ruhe einkehrt.

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17.11.2018

eine tolle Lösung schlagen sie da vor ??? Aber was macht man mit den Kommunalpolitikern ?? denn wenn man genau hinschaut sind doch fast alle dem Alkohol nicht Abgeneigt !!! ich trinke auch gerne ein gutes Glas Wein und Krakele deswegen nicht Rum !!!

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17.11.2018

@FRIEDRICH BEHRENDT ich gehe auch davon aus, dass Sie Ihren Wein nicht aus dem Tetra-Pack und direkt vor dem Supermarkt oder sonstigen öffentlichen Plätzen in sich reinkippen.

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17.11.2018

@ Jürgen G. da haben sie recht ! Ich kaufe mir meinen wein in der Kantina meines Vertrauens in Carovigno oder in San Vito Dei Normanni , so wie ich gerade lust habe , aber ich versichere ihnen das unsere guten Apulischen weine viel besser sind als die aus dem Tetra Pack !! aber dafür auch noch Billiger als der Fusel den es sehr oft leider im guten Deutschland gibt !!!

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