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Kongresshalle

22.11.2013

Für die Massenkultur bauen

Fast schon wie ein abstraktes aus geometrischen Formen bestehendes Gemälde mutet die Augsburger Kongresshalle von außen an.
Bild: Fred Schöllhorn

Architekten aus aller Welt sprechen in Augsburg über das Phänomen der Stadthallen. Die Wirtschaftswunderbauten sind mittlerweile in die Jahre gekommen

Viel überraschte Bewunderung gab es, als die Kongresshalle saniert war. „Ist doch gar nicht so hässlich“, sagten die Augsburger, als sie den glatten Beton, die wuchtigen Formen und die lichten Räume neu erlebten. Man entdeckte, dass der Siebzigerjahre-Bau, der in die Stil-Schublade „Beton-Brutalismus“ gehört, eine eigene Schönheit besitzt.

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Jetzt erfährt die Kongresshalle, die seit ihrer Sanierung modisch „Kongress am Park“ heißt, nach der Akzeptanz durch die Bevölkerung auch Ehre durch die Fachwelt: Vom 27. bis 29. November findet dort ein internationaler Architekturkongress über Stadt- und Kongresshallen der sechziger und siebziger Jahre statt, Titel: „Bauen für die Massenkultur“. Der Bauforscher und Kunsthistoriker Olaf Gisbertz, der in Augsburg lebt und an der Technischen Universität Braunschweig lehrt, hat Kollegen aus ganz Deutschland, aus Österreich, Italien, Finnland und Australien eingeladen, ein seit mehr als 100 Jahren bekanntes Kulturphänomen zu diskutieren und herausragende Baubeispiele vorzustellen.

Größe und energetische Probleme bereiten Sorgen

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Die ersten „Liederhallen“ wurden im späten 19. Jahrhundert gebaut, als sich Kultur vom Besitzstand kleiner Eliten zum Massenphänomen wandelte. Ihre große Zeit bekamen die Stadthallen dann nach 1945 – sie, die in der DDR Kulturhäuser oder im Westen auch Kongresshallen hießen, wurden geradezu zum Inbegriff einer Kultur, die allen Bürgern offen stehen sollte.

In jüngster Vergangenheit geriet die gute alte Stadthalle dann etwas in Misskredit: Wie bei den Hallenbädern machten Größe und energetische Probleme Sorgen, auch hatte sich das Freizeitverhalten in der individualisierten, medienbestimmten Konsumgesellschaft inzwischen geändert.

Solche Zusammenhänge zwischen Zeitgeschichte und Architektur sprechen auf dem Kongress Experten aus den Bereichen Architektur, Kunst, Denkmalpflege und Geschichte an. Der frühere Augsburger Professor Klaus Tragbar, der jetzt in Innsbruck lehrt, etwa stellt die Wiener Stadthalle von Roland Rainer als einen Prototyp moderner Mehrzweckhallen vor. Der Münchner Denkmalpfleger Bernd Vollmar spricht über die Erhaltung von Siebzigerjahre-Architektur. Simone Hain aus Graz erinnert an die Kulturhäuser der DDR.

Einen Abendvortrag hält der renommierte Darmstädter Architekturtheoretiker Werner Durth. Am Mittwoch, 27. November, spricht er um 19.30 Uhr über „Bauen für die junge Demokratie“.

Die Tagung findet im Kongress am Park statt, der Eintritt ist frei. Das Gesamtprogramm, zu dem auch ein Klavierabend mit Stephan Kaller am 28. November um 20 Uhr und eine Abschlussdiskussion am Freitag, 29. November um 15.30 Uhr, gehören, ist im Netz veröffentlicht.

Das Programm im Internet auf

www.kongress-augsburg.de/ architekturkongress.html

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