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Augsburg

24.05.2016

Für sie ist „Google Maps“ keine Konkurrenz

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Sie sind in den kommenden Wochen in Augsburg unterwegs – zu Fuß und in der Luft: Sven Bollmann (links) und Thomas Greve aktualisieren den Stadtplan des Verlags. Es kommt immer wieder zu Zwischenfällen, weil die beiden Anwohnern oft verdächtig vorkommen.
Bild: Peter Fastl

Der Bollmann-Verlag dokumentiert Augsburg in Karten. Die alten Hasen der Branche lassen nicht nur Studenten staunen und haben oft Ärger mit der Polizei.

„Kann ich Ihnen helfen?“ Diese Frage hören Sven Bollmann und Thomas Greve häufig. Wenn sie mit Fotokamera und Zeichenpapier durch Augsburg laufen, werden sie oft als verdächtige Gestalten eingestuft und misstrauisch beobachtet. „Die Leute sprechen uns an und wollen wissen, was wir machen“, erzählt Greve. In solchen Fällen zieht der Zeichner einen Stadtplan aus der Tasche und zeigt, womit er beschäftigt ist. Dann schlägt die Stimmung schnell um. In der Regel sind die Augsburger dann sehr hilfsbereit.

Bollmann und sein Team zeichnen Städte. Aktuell arbeiten sie an einer neuen Karte der Augsburger Innenstadt. Es ist eine aktualisierte Fassung. Denn der erste Augsburg-Plan des Braunschweiger Verlags entstand 1963. Alle fünf bis zehn Jahre wird er fortgeschrieben, um Veränderungen zu dokumentieren. „In Augsburg ist immer sehr viel zu korrigieren, weil hier sehr viel gebaut wird“, sagt Bollmann.

Luftbilder mit alter Cessna

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Bis in den Sommer hinein sind die Zeichner selbst bei Wind und Wetter in den Straßen unterwegs, um jede Fassade, jedes Fenster, jede Dachgaube und jeden Baum nachzuprüfen. Auch ein Firmenflugzeug, eine alte Cessna 170 B, kommt in Augsburg zum Einsatz. Sie wird gebraucht, um Luftbilder machen. Denn die Datenbasis für das gezeichnete Kartenwerk ist sehr umfangreich.

Bollmann-Karten gelten als etwas Besonderes. Es gibt sie von New York, Amsterdam, Jerusalem und vielen anderen Städten auf der ganzen Welt. Sie werden heute von der dritten Generation des Familienunternehmens hergestellt. Und auch in Zeiten des Internets werden sie noch mit der Hand gezeichnet.

Die Sorge vor Google war unbegründet

Als das amerikanische Unternehmen Google anfing, online einen eigenen Kartendienst aufzubauen, war Sven Bollmann zunächst sehr erschrocken. „Ich hatte große Angst vor einer übermächtigen Konkurrenz. Doch das Gegenteil ist passiert.“ Bis heute sind die Karten als Gegenpol zu digitalen Angeboten sehr gefragt. Zwar arbeiten Google Maps und Streetview nach dem gleichen technischen Prinzip mit Aufnahmen aus der Luft und aus dem Straßenraum. „Aber wir waren die Vorläufer“, sagt Bollmann. Sein Verlag legt auch größten Wert auf Datenschutz. Fotos werden nur intern als Vorlagen für die Zeichner verwendet, dann aber im Archiv weggeschlossen.

In der Branche gelten die „Bollmänner“ als alte Hasen. Aber selbst Fachleute sind von ihrer Arbeit fasziniert. Der Augsburger Professor Michael Stoll hat eine eigene Sammlung der Kartenwerke. Er lehrt Kommunikationsdesign an der Hochschule und bringt Studenten bei, wie man moderne Informationsgrafiken für Medien gestaltet. Stoll hält viel von den Bollmann-Karten. Sie seien eine „grafische Übersetzung der Realität“. Stoll lud die Zeichner ein, damit sie seinen Studenten über ihre Arbeit erzählen. Er ist überzeugt, dass selbst junge Menschen, die mit dem Internet aufgewachsen sind, von ihren Techniken lernen können. Zeichnungen auf Papier seien für Werbe- und für Informationszwecke gut zu verwenden. Die Kartenwerke des Verlags seien auch sehr schön gestaltet. Doch was macht sie so speziell? Bollmann erklärt es so: „Wir zeichnen Städte von oben, wie man sie von unten sieht.“ Der Trick besteht darin, dass Straßen optisch verbreitert und Häuser überhöht dargestellt werden. Dadurch sieht der Betrachter auf dem Plan mehr – nicht nur die Dächer, sondern auch die Hausfassaden.

Jede Menge Anekdoten gibt es darüber, was den „Bollmännern“ im Alltag alles passiert. Als Greve vor einigen Jahren die Einfahrt für Geldtransporter der Landeszentralbank zeichnete, kam bald die Polizei. In Hannover nahm ein Zeichner unter anderem das künftige Wohnhaus von Gerhard Schröder ins Visier. Er bekam es mit dem Landeskriminalamt zu tun.

Doch auch der Altkanzler ist zu einem Fan der Kartenwerke geworden. Als Greve Ärger mit dem Landeskriminalamt hatte, schickte der Verlag Schröder einen Stadtplan von Hannover. Bald darauf kam Post von ihm zurück: „Selbstverständlich haben wir auf Anhieb unser Wohnhaus ... identifizieren können. Hut ab! Sie haben eine wunderbare Idee in ein großartiges Bildwerk umgesetzt.“ "Meinung

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