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Fuggerei: Warum diese Preise noch vertretbar sind

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Kommentar Von Nicole Prestle
10.05.2019

Die Fuggerei ist nicht in erster Linie Sehenswürdigkeit, sondern Heimat für 150 Menschen. Der Erhalt wird immer schwieriger.

Für die meisten Menschen – Einheimische wie Auswärtige – ist die Fuggerei eine Sehenswürdigkeit. Für rund 150 Männer und Frauen jedoch ist sie Heimat. Diese Bürger leben dort, weil sie sich woanders in der Stadt keine Wohnung mehr leisten könnten. Nur in der Fuggerei, wo die Mietpreise in 500 Jahren nie (!) erhöht wurden, kommen sie finanziell über die Runden.

Dass Wohnen in der heutigen Zeit überhaupt noch so billig sein kann, liegt am Entschluss eines Mannes, der bereits vor Jahrhunderten ein Problem erkannte: Menschen brauchen ein soziales Netz, das sie auffängt, wenn sie ins Straucheln geraten. Und eine Sache, die einem Halt gibt in einer solchen Situation, ist ein Zuhause. Aufgrund dieser Erkenntnis stiftete Jakob Fugger 1521 seine Sozialsiedlung und legte für alle nachfolgenden Generationen unumstößlich fest, dass sich die Miete nie erhöhen dürfe.

Preiserhöhung in der Augsburger Fuggerei: Touristen wird's kaum auffallen

Die Fuggersche Familie fühlt sich dieser Tradition bis heute verpflichtet. Doch im Gegensatz zu den unverändert niedrigen Mieten haben sich andere Voraussetzungen geändert. Auch in der Fuggerei wollen die Menschen heute in vernünftigen Verhältnissen leben. Sie legen Wert auf eine moderne Heizung, auf dichte Dächer und Fenster und auf moderne sanitäre Anlagen. Das kostet Geld, das die Fugger’schen Stiftungen erst einnehmen müssen, bevor sie es in den Erhalt der ockerfarbenen Siedlung reinvestieren können. Weil die Baupreise steigen, wurde vor 13 Jahren überhaupt zum ersten Mal Eintritt erhoben, deshalb wurde er seitdem auch mehrfach erhöht.

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Dass die Preise nun gleich um über 61 Prozent gestiegen sind, mag vor allem den Augsburgern bitter erscheinen. Touristen dagegen wird der Preis kaum auffallen: Sie sind von anderen Einrichtungen deutlich höhere Preise gewohnt. Allein für den Eintritt in ein Museum zahlen man, je nach Stadt, weit über zehn Euro. Die Preiserhöhung in der Fuggerei ist an sich also kein Skandal. Die Fugger’schen Stiftungen hätten sie jedoch offensiver kommunizieren und ihre Gründe offen legen sollen. Denn sie ist eben nicht nur eine „Wohnungsverwaltung“ für 150 Menschen, sie ist auch die Top-Sehenswürdigkeit Augsburgs und steht deshalb im Fokus des öffentlichen Interesses.

Lesen Sie hier den Artikel: Warum die Fuggerei die Eintrittspreise erhöht

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