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14.03.2009

Fuggerei wird bald aus Lechhausen beheizt

Neue Zeiten brechen an in der ältesten Sozialsiedlung der Welt. Ab Oktober soll die Fuggerei an das Fernwärmenetz der Stadtwerke angeschlossen sein, mit der Vertragsunterzeichnung war gestern offizieller Beginn der Bauarbeiten. Gleichzeitig wollen die Fugger'schen Stiftungen mit Unterstützung der Stadtwerke Stück für Stück damit beginnen, die Dächer der knapp 70 Häuser mit insgesamt 140 Wohnungen zu dämmen.

Denn die nach dem Krieg wieder aufgebauten Häuschen aus dem 16. Jahrhundert sind teilweise "energetisch ein Albtraum", so der Fugger'sche Stiftungsadministrator Wolf-Dietrich Graf von Hundt. Alte Öfen, undichte Türen und Fenster, ungedämmte Wände und Dächer führen dazu, dass den 150 Bewohnern die Heizkosten zunehmend über den Kopf wachsen. In Einzelfällen kämen bis zu 600 Euro im Monat für eine 60 Quadratmeter große Wohnung zusammen.

Die Stiftungen wollten das Problem zunächst mit einem Hackschnitzelkraftwerk auf dem eigenen Gelände angehen, stießen dabei jedoch auf massive Widerstände in der Nachbarschaft. Ein Kritikpunkt war die Feinstaubbelastung. Schließlich erfolgte im vergangenen Herbst nach langen Verhandlungen die Einigung mit den Stadtwerken über einen Anschluss ans Fernwärmenetz (wir berichteten).

Das städtische Unternehmen sieht in der Fuggerei, die Augsburg weltweit bekannt gemacht hat, einen werbeträchtigen Kunden. Das ließen der fürs Energiegeschäft zuständige Stadtwerkechef Claus Gebhardt und Umweltreferent Rainer Schaal (CSU), gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Energie GmbH, gestern durchblicken.

Fuggerei wird bald aus Lechhausen beheizt

Die Stadtwerke wollen ihr Fernwärmenetz, an das ungefähr zehn Prozent der Haushalte sowie zahlreiche Großbetriebe angeschlossen sind, weiter ausbauen. Derzeit wird eine Leitung durch Lechhausen gegraben. Gespeist wird sie von der Müllverbrennung, vor allem aber von der Gasturbine und dem neuen Hackschnitzelkraftwerk der Stadtwerke im Lechhauser Industriegebiet. Von dort aus wird bis zu 130 Grad heißes Wasser unter Druck in die Stadt gepumpt.

Im Oktober geht's los

Fernwärmeanschlüsse sind unter anderem möglich in der Innenstadt, im Univiertel oder in Teilen von Kriegshaber. Neben der neuen Leitung durch Lechhausen arbeite man am Anschluss der früheren Reesekaserne, so Gebhardt. "Das sind Millionenvorhaben." Auch in Oberhausen wird ausgebaut - dort soll in naher Zukunft das Krankenhaus Josefinum ans Netz gehen.

In der Fuggerei, die sich 20 Jahre lang an die Stadtwerke gebunden hat, soll die Fernwärme ab Oktober fließen - und nicht nur dort. Stiftungsadministrator von Hundt übte sich gestern gleich in der Rolle als Werbeträger und verband das mit einem Seitenhieb auf Gegner des Kraftwerksprojekts. Die Fuggerei sei jetzt in Sachen Energie vorbildlich, befand der Graf. "So vorbildlich dürfen die Nachbarn jetzt auch sein." (cf)

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