16.09.2014

Funken schlagend

Michael Luig

Trauer um AugsburgsehemaligenGMDLuig

Unter den Augsburger Generalmusikdirektoren des vergangenen Vierteljahrhunderts rangierte er in seinem leidenschaftlichen, sprühenden Einsatz für die Musik gleich an zweiter Stelle hinter Dirk Kaftan. Das garantierte der Stadt und dem Konzert- und Opernpublikum in den Jahren 1989 bis 1994 immer wieder ebensolche Sternstunden, wie man sie aus der jüngsten Zeit gewohnt ist.

Dazu kam, dass Michael Luig ein ausgesprochen intellektuelles Verhältnis zur Musik besaß und damit auch einen erhöhten Anspruch auf das, was wirklich große Kunst ist. Um das rein Effektvolle jedenfalls schlug er in seiner Programmgestaltung der Philharmonischen Konzerte einen Bogen. Und mit Richard Strauss stand er ursprünglich eher auf Kriegsfuß („großbürgerliche Scheiße“) – obwohl er dann auch eine wunderbare „Frau ohne Schatten“-Produktion in Augsburg herausbrachte.

Nun aber lebt Michael Luig, der in gewisser Weise rücksichtslos gegenüber sich selbst und seinen Musikern war, nicht mehr. Der 1950 in Dortmund geborene Dirigent starb nach langer Krankheit Anfang September – ein Jahr vor seinem offiziellen Ruhestand als langjähriger Professor für Orchesterdirigieren an der Kölner Musikhochschule.

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Dort hatte er den Endpunkt seiner wahren Berufung gefunden: Zeitlebens lag ihm die musikalische Ausbildung der Jugend am Herzen; er war ein pädagogisierender Moralist. Lange dirigierte er das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz, lange auch das Landesjugendsinfonieorchester Hessen. Seine Theaterlaufbahn führte von der deutschen Oper am Rhein über die Städtischen Bühnen Frankfurt und das Staatstheater Saarbrücken nach Augsburg.

Am Lech polarisierte Michael Luig enorm. Er sagte, was er dachte. Nicht selten auch sarkastisch, gar zynisch. Das führte zu Spannungen im Orchester über seine mitreißenden Opern- und Konzertaufführungen hinaus. Zwischen dem einstigen Intendanten Peter Baumgardt und Michael Luig herrschte gar Hochspannung. Mehr Konzilianz hätte beiden geholfen. Letztendlich konnte Luig in Augsburg nicht die von ihm angestrebte Vergrößerung des Orchesters erreichen. Aber ein Dirigent von ganz außerordentlich gestaltender Kraft war er zweifellos.

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