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Corona in Augsburg

26.10.2020

Furcht vor Lockdown - schlechte Chancen für den Christkindlesmarkt

Die Menschen in Augsburg fürchten sich vor einem drohenden Lockdown in der Stadt.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Plus Angesichts der hohen Corona-Zahlen geht bei Geschäftsleuten und Gastronomen die Angst vor weiteren Beschränkungen um. Für den Christkindlesmarkt sieht es schlecht aus.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Augsburg ist am Wochenende erstmals seit mehreren Tagen stagniert, dennoch ist die Sieben-Tage-Inzidenz so hoch wie nie zuvor: Sie liegt, Stand Sonntagabend, bei 198,3 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner. Mit Bildungsreferentin Martina Wild (Grüne) musste am Wochenende zudem ein Mitglied der Stadtregierung in Quarantäne, weil eine Person aus ihrem direkten Umfeld positiv auf das Virus getestet worden war. Ob es in Augsburg zu weiteren Verschärfungen der Corona-Regeln - zum Beispiel zu einer Maskenpflicht im gesamten Stadtgebiet - oder zu einem zweiten Lockdown kommen könnte, will die Stadt laut Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) am Mittwoch entscheiden.

Mit 134 Neuinfektionen am Samstag und 75 am Sonntag hat Augsburg die Sieben-Tage-Inzidenz von 200 am Wochenende zwar wider Erwarten nicht erreicht. Dennoch sei dies kein Grund zum Aufatmen, sagte Oberbürgermeisterin Weber am Sonntag in einem Gespräch mit unserer Redaktion. "Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass uns dieses Thema noch monatelang begleiten wird." 20 Neuinfektionen hatte es allein am Sonntag in einer Asylunterkunft gegeben, bei rund 120 Personen sei bislang aber überhaupt nicht klar, wo sie sich angesteckt haben könnten.

Ein zweiter Lockdown ist nicht, was die Stadt will

Laut OB Eva Weber ist ein zweiter Lockdown "das Allerletzte, was die Stadt Augsburg und ich ganz persönlich will". Man wolle bis Mittwoch beobachten, wie sich die Zahl der Neuinfektionen entwickle und dann über weitere Maßnahmen entscheiden. Vor allem für die Schulen hat die Stadtregierung inzwischen aber einen Plan ausgearbeitet: Bis zu den Herbstferien soll es Präsenzunterricht geben. Die Stadt prüft zudem, ob eine Staffelung des Unterrichtsbeginns und -endes zu einer Entzerrung im öffentlichen Nahverkehr führen könnte. Ab Dienstag sollen zudem 14 Ordner dafür sorgen, die Fahrgäste im Berufs- und Schülerverkehr entsprechend zu lenken.

Wenig Hoffnung macht OB Eva Weber den Augsburgern, was den Christkindlesmarkt betrifft. "Wir sind mit den Beschickern im Gespräch, aber in Anbetracht des aktuellen Infektionsgeschehens ist das ein schwieriges Thema", gibt sie zu. Auch was die Fachmesse Grindtec betrifft, wird es am Montag Abstimmungsgespräche geben.

Am Wochenende war es in der Innenstadt ruhig

Die steigenden Zahlen und die damit einhergehenden strengeren Regeln machten sich am Wochenende in der Innenstadt bemerkbar. So ruhig wie an diesem Samstag war es selten an Sonn- und Feiertagen in der Augsburger Innenstadt. Offenbar zeigten Appelle der Bundesregierung, angesichts der steigenden Zahlen besser Zuhause zu bleiben, Wirkung. Doch vor allem bei Gastronomen und Geschäftsleuten geht die Angst vor einem zweiten Lockdown um: "Seit in der Stadt Maskenpflicht herrscht, ist nur noch wenig los", sagt Anita Babic vom Restaurant "Il Gabbiano" in der Maximilianstraße. Die vorgezogene Sperrstunde schade ihrem Geschäft ebenfalls, derzeit hätten sich ihre Umsätze halbiert. "Die 450-Euro-Kräfte mussten wir schon entlassen, jetzt schicken wir wohl auch die anderen Mitarbeiter in Kurzarbeit", so Babic.

Wie alle Gastronomen habe sie kräftig investiert, um ihr Restaurant den Hygieneregeln entsprechend auszustatten. Gerade erst hat sie Plexiglasscheiben zwischen den Tischen anbringen lassen, um den Gästen noch mehr Sicherheit zu bieten. „Wenn das alles umsonst war und jetzt trotzdem ein Lockdown kommt, ist das bitter“, findet die Wirtin. Gerade die Maßnahmen in der Gastronomie machten keinen Sinn, so Babic. „Kommt das Virus um 21 Uhr, oder warum müssen wir dann zumachen?“

Mehr Informationen von der Stadt Augsburg werden gewünscht

Auch in der Viktualienhalle auf dem Stadtmarkt herrscht Unsicherheit. Vor einer Woche erst hat Dominik von der Gönna seinen Imbissstand "Futterkrippe" eröffnet - jetzt weiß er nicht, wie es weitergehen wird. "Ich habe zwar noch keine großen Verkaufszahlen, die ich verlieren könnte - aber ein Lockdown wäre natürlich eine Katastrophe", sagt der Unternehmer. Als er den freien Stand auf dem Stadtmarkt übernahm, habe er natürlich gewusst, dass Corona ein Risiko birgt. „Aber ich wollte mir die Gelegenheit nicht durch die Lappen gehen lassen.“ Jetzt bangt der junge Gastronom, ob die Entscheidung die richtige war. „Solange es wenigstens noch ein To-Go-Geschäft geben wird, lässt sich auch ein Lockdown überstehen“, gibt er sich optimistisch. Jetzt wäre nur ein wenig mehr Information von der Stadt wünschenswert, findet von der Gönna. „Vielleicht könnte man ja mal alle Standbesitzer zusammentrommeln und uns mitteilen, wie es weitergeht?“

Das Ehepaar Seitz, das nebenan eine Pause von seinem Markteinkauf eingelegt hat und sich eine Weinschorle schmecken lässt, steht hinter den Corona-Maßnahmen des Freistaats. „Die Vorschriften sind in Ordnung, aber sie reichen auch aus“, sagt Hans Seitz. Weitere Verschärfungen oder gar einen Lockdown hält der Rentner nicht für notwendig. „Wir halten Abstand und tragen, wo es nötig ist, unsere Masken – damit fühlen wir uns sicher“, so Seitz. „Wir hätten viel weniger Probleme, wenn sich alle an die Regeln hielten“, ist sich seine Frau sicher. Immer wieder sehe man Menschen in der Stadt oder sogar in der Straßenbahn ohne Maske. „Wenn man die anspricht, reagieren sie auch noch recht unverschämt“, ärgert sich Seitz.

Bange Blicke auf das Weihnachtsgeschäft

Auch Geschäftsinhaber schauen mit mulmigen Gefühlen auf einen möglichen Lockdown. "Ostern ist ausgefallen - wenn jetzt auch noch das Weihnachtsgeschäft nicht stattfindet, wäre das schlimm", sagt Rosa Wellhöfer von Papeterie & Kunst Bellini. "Wenn ein Lockdown kommt, sitzen wir auf mehr als 10.000 Euro Ware."

Stefanie Anan ist Filialleiterin in der Schlosserschen Buchhandlung.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Im Buchhandel ist das Weihnachtsgeschäft das wichtigste im ganzen Jahr, sagt Stefanie Anan, Filialleiterin der Schlosserschen Buchhandlung in der Annastraße. Wenn es zu einem erneuten Lockdown in Augsburg komme, dann hoffentlich nur als Ausgangsbeschränkung mit der Möglichkeit, weiterhin einzukaufen. "Irgendwie wird es weitergehen, wir haben tolle Kunden, die uns unterstützen", sagt die Buchhändlerin.

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