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16.02.2015

Gags mit Glasauge

Christine Prayon in der Kresslesmühle

Sie starb an einem Salbei-Kirsch-Bonbon. Von einer Zuschauerin aus der ersten Reihe. Zum Todeszeitpunkt, im zweiten Teil ihres Programms „Die Diplom-Animatöse“, trug sie Feinripp-Schießerunterwäsche für Männer und weiße Strapse. Den Rest, das enge Tigerkleid, die blonde Perücke, das Glasauge und das Gebiss, hatte Kabarettistin Christine Prayon zuvor abgelegt, ins Mikrofon „So war mein Leben“ hauchend. Sie demontierte sich selbst, pantomimisch umwerfend, und lieferte eine faszinierende Persiflage auf die Nummern alternder, in Depression versunkener Travestiekünstler. Der Glasaugen-Striptease mit blind verdrehtem Augapfel und die plötzliche Zahnlosigkeit: kleine, geniale Details, die zeigen, in welcher Liga Christine Prayon alias Birte Schneider aus der ZDF-Satiresendung „heute show“ spielt.

Um ihren tragischen Tod kümmert sich eine Nachrichtensendung: „Da die Verstorbene eine Persönlichkeitsspaltung hatte, ist noch nicht klar, wie viele Personen genau gestorben sind.“ Joachim Gauck diskutiert das Ereignis mit Markus Lanz, und Carla Bruni singt ihr zu Ehren ein Chanson auf die „Freizeit am Indukusch“. TV und Medien bekommen ordentlich Fett ab. Prayons Gags sind weder Klamauk noch Comedy. Sie kommen trocken daher.

Die erste Hälfte ihres Programms hatte Prayon in T-Shirt und Jeans auf einem Stuhl sitzend bestritten. Als politischer Kommentator kalauerte sie über den Frauenfußball – „öde Mühsal statt Mesut Özil“ – und las aus ihrem unvollendeten Zyklus „Scarlett Schlötzmann“: Die siebenjährige Scarlett bittet Gott, ihren Bruder zu töten, elf Pfennig seien beilegt, falls er den Bus nehmen müsse. Mit 15 Jahren betört das Mädchen ihren Mathelehrer und findet, dass Feng Shui besser ist als „deutsche Religionen wie Katholizismus und Christentum“. Mit 25 ist sie Pornodarstellerin. Ihrer Bewerbung um eine Stelle als Buchhalterin legt sie als Arbeitsprobe ihr Video „Schneeflittchen“ bei. Schräge, böse Geschichten. Prayon fordert ihr Publikum. Präzise Pointen und exaktes Spiel zeigen, was die gelernte Schauspielerin draufhat.

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