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Kabarett II

21.03.2017

Ganz schön kompliziert

Claus von Wagner, einer der Großen des politischen Kabaretts.
Bild: M.s Becker

Gehirnmassage mit Claus von Wagner

Was für eine Nacht. Klaus Neumann, 39, gefangen im Tresor der Deutschen Bank. Mit ihm läuft Kabarettist Claus von Wagner zu Hochleistung auf, erklärt die Welt der Bosse und Finanzen, und wie es ist, politisch links und gleichzeitig Sohn eines solchen Bosses zu sein – ganz schön kompliziert eben.

In einem Schließfach des Banktresors wollte er gerade den Nachlass seines Vaters sichten, als das System plötzlich die Hochsicherheitstür verschloss. Nur die quietschende Lüftung leistet ihm ab jetzt Gesellschaft. Und ein altes Telefon, über das er zuweilen den Techniker anruft. Morgen, sagt der, morgen Früh öffne das System die Tür wieder. In 13 Stunden. Ob man nicht eine Pizza unter der Tür… oder wenigstens ein Crêpe?

Zeit genug also für den XXL-Kabarettisten aus der ZDF-Sendung „Die Anstalt“, seinem Publikum im ausverkauften Barbarasaal klarzumachen: „Wir müssen reden über die gesetzliche Rente und die soziale Ungleichheit, den Niedriglohnsektor, die SPD.“ Und darüber, was wird, wenn Macht und Geld bei wenigen Leuten geparkt ist. Auf den aktuellen Hoffnungsträger der SPD gibt er nicht viel: „Wer mit Martin Schulz auf soziale Gerechtigkeit hofft, trinkt auch Schnaps, wenn er Durst hat.“

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Die Zeit im Tresor will er nutzen, um die Rede vorzubereiten, die er am nächsten Tag über seinen verstorbenen Vater, den Wirtschaftsprüfer, halten muss. Das bringt ihn wieder zur Bankenkrise. Zu den Reichen und Schönen mit den verspiegelten Sonnenbrillen. Schon die Sprache der Branche bedeute Herrschaftswissen. Und das funktioniert bekanntlich am besten, wenn Bürger nicht verstehen, was ihnen erzählt wird. Sein Tresor-Gefängnis ist leer, das Geld der Bank nicht zu sehen. Von Wagner sagt: Es ist nur unser Glaube, der den Wert des Geldes sichert und ihm Macht verleiht.

Claus von Wagner ist einer der Großen des politischen Kabaretts. Sein Solo-Programm „Theorie der feinen Menschen“ läuft zwar schon seit 2012. Doch Finanzkrise und Turbokapitalismus sind ja schließlich noch nicht überwunden. Und die Rahmenhandlung im Tresor lässt genug Raum für Absurditäten, die das jeweils aktuelle Jahr bietet.

Und so massiert Claus von Wagner weiterhin die Gehirne seines Publikums, bis alle Widersprüche aufgedröselt und die Eskapaden der Banker und Bosse entlarvt sind. Alles hochkomplex, aber sehr unterhaltsam natürlich. Mit angemessener Wut und sympathischem Respekt vor den Leben der kleineren Männer und Frauen.

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