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Augsburg

07.06.2018

Gartenglück auf wenigen Quadratmetern

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4 Bilder
Conny Wittig-Haydt braucht keinen eigenen Kleingarten. Ihr genügt ein Beet im Nachbarschaftsgarten bei St. Joseph. Schon seit 2011 gibt es das Projekt in der Neuhofer Straße. Nach einer baustellenbedingten Pause sind die Pächter seit dem vergangenen Jahr wieder aktiv.
Bild: Annette Zoepf

In Oberhausen gibt es einige Stadtgärtner-Projekte. Sie sind so unterschiedlich wie die Menschen, die dort ernten. Tine Klink steht den Pächtern zur Seite.

Im dicht besiedelten Oberhausen sind Kleingärten heiß begehrt, wie die immensen Wartelisten in den Anlagen zeigen. Doch nicht jeder, der mit seinen Fingern in der Erde wühlt, will das in einer 200 bis 300 Quadratmeter großen Parzelle tun. Auch Conny Wittig-Haydt hat „keine Lust darauf“, sich dem streng reglementierten Kleingartenwesen zu unterwerfen. Sie lebt ihre Leidenschaft fürs Säen und Ernten in einem Hochbeet im Schatten der Kirche St. Joseph aus. „Eiszapfen, Bohnenkraut, Petersilie, Maggikraut, Tomaten, Blumenkohl und richtig g’scheit scharfer Chili“, zählt sie ihr Gemüse- und Kräuterrepertoire auf.

Unerwünschtes Gewächs entdeckt

Sorgen, das Selbstgeerntete nicht loszuwerden, hat die achtfache Mutter und ebenfalls achtfache Oma nicht. „Das kommt alles bei uns auf den Tisch.“ Wittig-Haydt kann sich noch gut an die Anfänge der Nachbarschaftsgärten vor sieben Jahren erinnern. Angestoßen von den Quartiersmanagern des Förderprogramms „Soziale Stadt“ stellte die Pfarrei St. Joseph den Hobbygärtnern ein Grundstück auf ihrem Areal zur Verfügung. „Wir sind der Kirche wirklich dankbar“, sagt Wittig-Haydt, bevor sie plötzlich die Stirn in Falten legt. Zwischen ihren Kräutern hat sie ein unerwünschtes Gewächs, eine Winde, entdeckt.

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Wenn sie einen Rat – etwa im Kampf gegen Unkraut – braucht, kann sie sich an Tine Klink wenden. Die „Gartenverrückte“ (Selbstzitat) lebt ihre Leidenschaft nicht nur auf dem Balkon und in einem Kleingarten aus, sondern kümmert sich im Auftrag des Quartiersmanagements unter anderem um mehrere Grünprojekte in Oberhausen. „Ich gebe Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt die Mitarbeiterin des Arbeitskreises Urbane Gärten. An diesem Vormittag schaut sie in den Nachbarschaftsgärten bei St. Joseph vorbei. Hier sind die Pächter über eine WhatsApp-Gruppe gut organisiert und vergleichsweise verwöhnt, weil das Grundstück ans Strom- und Wassernetz angeschlossen ist.

Lage beim Hochspannwerk

Von so viel Luxus können die Gärtner des interkulturellen Gartens an der Ballonfabrik nur träumen. Ihnen ist regelmäßiger Regen willkommen, denn das Gießen ist äußerst mühsam. Mit Muskelkraft schöpfen sie das Wasser aus dem nahen Senkelbach. Seit 2017 wird die Brachfläche gärtnerisch genutzt. Sie liegt etwas versteckt mitten im Gewerbegebiet und ist über die Au-straße zu erreichen. Die Lage beim Hochspannwerk führt dazu, dass das Areal gärtnerisch nicht völlig ausgeschöpft werden kann.

Bunt zusammengewürfelt sind die Bewirtschafter der Hochbeete allemal: Da buddeln etwa Langzeitarbeitslose an der Seite einer Archäologenfamilie und eines Landschaftsgärtners. „Alle für den Eigengebrauch“, sagt Klink. Das Areal ist zwar mit Weiden provisorisch eingezäunt, aber dennoch öffentlich zugänglich. Doch dass sich vielleicht ein Passant eine Gurke mopst, sei kein Problem. Das Leben schwer macht den Hobbygärtnern hier laut Tine Klink vor allem der Japanische Staudenknöterich.

Mit anderen Problemen kämpfen derzeit die Aktiven der Vereinigung „Oberhausen aktiv“. Sie gärtnern auf einem idyllisch gelegenen Grundstück an der Dieselbrücke, das direkt an einen Spielplatz grenzt und damit strenge Regeln wie Alkohol- und Rauchverbot mit sich bringt. „Wir sind halt Rentner, die auch mal ein Bier trinken wollen“, sagt Sprecher Hans Ostermaier.

Von den Hortkindern gepflegt

Besonders groß ist der Ärger, seit eine Mitgärtnerin mit einem Bußgeld belegt wurde. Die Frau war mit ihrem Wagen aufs Gelände gefahren, um die Waren für die geplante Ostereiersuche für Kinder auszuladen. Dass die Stadt das Knöllchen nicht zurückgenommen hat, ärgert Ostermaier noch heute. „Wir werden sicher keine Ostereieraktion mehr für die Kinder im Viertel veranstalten.“ Vielleicht verstecken künftig die Kinder der Löweneckschule selbst bunte Eier in ihren Hochbeeten. Die stehen seit Kurzem auf einem kleinen Quartiersplatz direkt vor der Schule und werden von den Hortkindern gepflegt. Die Kräuter dürfen dann von den Mitgliedern der Umwelt-Arbeitsgemeinschaft und einer Kochgruppe geerntet werden. Tine Klink ist zuversichtlich, dass den Beeten ausreichend Pflege angedeiht. Denn anders als in der Schule gebe es im Hort nur eine kurze Sommerpause.

Sitzbänke laden auf dem neu gestalteten Platz auch Nichtgärtner zum Verweilen an. Sie sind an diesem Vormittag verwaist, dafür kommt Jessica Lichtenstern vom Grünamt vorbei. Sie leert den Mülleimer und schaut, ob sich der frisch gepflanzte Blauglockenbaum an seinem neuen Domizil wohlfühlt.

Termine In den Nachbarschaftsgärten Neuhofer- und Austraße sind neue Interessenten willkommen. Gelegenheit, sich zu informieren, gibt es immer mittwochs um 17 Uhr. Alle 14 Tage ist Tine Klink vom Arbeitskreis Urbane Gärten in der Austraße, die nächsten Male wieder am 20. Juni und 4. Juli. Dazwischen sind die Ortstermine in der Neuhoferstraße bei St. Joseph anberaumt, die nächsten Male am 13. und 27. Juni.

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