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Augsburg

08.06.2014

Gefängnis zieht nach Gablingen: Was geschieht mit den freien Flächen?

Das Gefängnis in der Karmelitengasse im Domviertel aus der Vogelperspektive. Irgendwann wird das Areal frei werden, denn in Gablingen entsteht eine neue Justizvollzugsanstalt. Was wird dann aus dem Gelände in der Augsburger Altstadt?
Bild: Ulrich Wagner

Das Gefängnis soll im nächsten Jahr von Augsburg in den Landkreis umziehen. Dann werden lukrative Flächen frei. Im Hochfeld warten Anwohner und Investoren schon lange darauf.

Die Stadtviertel sind sehr attraktiv. Und dennoch wollen die Bewohner so schnell wie möglich wieder weg – gemeint sind die Häftlinge, die im Gefängnis in der Karmelitengasse und in der Zweigstelle im Hochfeld eingesperrt sind. Künftig sitzen die Gefangenen in Gablingen im Kreis Augsburg. Dort wird derzeit ein Neubau errichtet. In Augsburg werden damit früher oder später zwei für Investoren interessante Flächen frei. Allerdings ist derzeit völlig offen, wann es soweit ist – für die Stadt ist das eine Hängepartie.

Im Hochfeld entsteht ein Vorzeige-Wohn-Areal

Vor allem im Hochfeld hängt man nicht sehr am Gefängnis. Dort entsteht sei Jahren mit dem Prinz-Karl-Viertel ein Vorzeige-Wohn-Areal. Zahlreiche neue Mehrfamilienhäuser wurden gebaut, ein Park angelegt. Inzwischen ist es der Stadt auch gelungen, das ehemalige Kreiswehrersatzamt an der Von-der-Tann-Straße vom Freistaat zu kaufen. Bald soll für das Backsteingebäude, das Teil der Prinz-Karl-Kaserne war, ein Investor gesucht werden. Doch solange die Justizvollzugsanstalt nicht auszieht, bleibt das Projekt unvollendet. Aus der Luft betrachtet wirkt das Gefängnisgelände mit seinem roten Sportplatz wie eine klaffende Wunde.

Bereits im Jahr 2002 sei der Stadt vom Freistaat signalisiert worden, dass der Umzug bald anstehe, sagt der städtische Baureferent Gerd Merkle (CSU). Doch der Bau des Gefängnisses verzögerte sich um Jahre. Inzwischen schreitet der Neubau zwar rasch voran. Im kommenden Jahr sollen nach einem Probebetrieb die Gefangenen in Gablingen einziehen. Für das Prinz-Karl-Viertel gibt es aber nach wie vor keine konkrete Perspektive.

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Übergangslösung für Freigänger und Jugendliche

Das Problem: In der Anstalt im Hochfeld sind vor allem Freigänger und Jugendliche untergebracht. Für sie ist aber im Gablinger Neubau zunächst kein Platz. Die Gebäude für sie sind zwar geplant, aus Kostengründen wurde der Bau jedoch verschoben. Nach derzeitigem Stand könnte es im nächsten oder übernächsten Jahr losgehen. Für Freigänger und Jugendliche ist eine Übergangslösung vorgesehen. Sie sollen in die Räume in der Karmelitengasse umziehen, damit zumindest das Hochfeld ganz geschlossen werden kann. Doch hinter all dem steht noch ein großes Fragezeichen. Um Freigänger und junge Straftäter im Domviertel unterzubringen, müssten die teils maroden Räume erst mit Millionenaufwand hergerichtet werden, sagt die Augsburger Gefängnisleiterin Zoraida Maldonado de Landauer. Das würde viel Steuergeld kosten – für eine Zwischenlösung, die nur für wenige Jahre gedacht ist. Die Gefängnischefin stellt klar: „Ich kann weder für das Hochfeld noch für die Karmelitengasse einen konkreten Zeitplan nennen.“ Für die Menschen, die im Prinz-Karl-Viertel in der Nachbarschaft des Gefängnisses leben, ist das keine gute Nachricht. Sie haben hier in Wohnungen investiert – im Glauben, dass der Knast bald Geschichte ist. Immer wieder gibt es Beschwerden von Anwohnern, weil Gefangene sich auch nachts durch die Fenster lautstark mit Freunden oder Verwandten unterhalten. Baureferent Merkle bestätigt das: „Vonseiten der Bewohner ist ein enormer Druck da.“

Gerd Merkle kann nur versichern, dass die Stadt auf den Tag vorbereitet ist, an dem das Areal frei wird. „Es gibt schon seit 2006 einen Bebauungsplan“, sagt er. „Sobald wir das Gelände vom Freistaat übernehmen können, wird es losgehen.“ Geplant ist ein Mischgebiet, in dem vor allem Wohnungen entstehen sollen. Auch sogenanntes nicht störendes Gewerbe, etwa ein Versicherungsbüro, soll erlaubt sein.

Kornspeicher in der Karmelitengasse steht unter Denkmalschutz

Für das Gefängnisgelände in der Karmelitengasse gibt es bisher keine solchen Pläne. Es ist mit unter 2000 Quadratmetern nicht sonderlich groß. Das Hauptgebäude, der ehemalige Kornspeicher des Karmelitenklosters, steht zudem unter Denkmalschutz. Gerd Merkle hat trotzdem keinen Zweifel daran, dass sich die Flächen vermarkten ließen – etwa für Wohnungen. „Das ist eine sehr gefragte Lage“, sagt er. Bisher sei der Freistaat aber nicht auf die Stadt zugekommen. Aus Sicht der Stadt gibt es momentan keinen Grund, über die Karmelitengasse nachzudenken.

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