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Anti-Pegida-Demo

26.01.2015

Gegen Pegida: 400 Menschen für ein buntes Augsburg

Zwischen 350 und 400 Menschen demonstrierten gestern auf dem Königplatz gegen Ausgrenzung und für Toleranz. Es waren doppelt so viele wie vor einem Monat.
Bild: Anne Wall

In der Stadt gibt es bisher keine Pegida-Bewegung. Warum protestieren dann trotzdem rund 400 Menschen auf dem Königsplatz?

Zwischen all den Transparenten und Fahnen hält eine zierliche Frau ein selbst gebasteltes Schildchen hoch mit der Aufschrift „Augsburg ist bunt“. Elisabeth Nistor ist Sozialkundelehrerin, ihren Unterricht an einer Realschule hat sie wegen der Pegida-Demonstrationen genauso umgestellt wie wegen der Attentate in Paris. Sie diskutiert mit ihren Schülern über Demokratie, Möglichkeiten der Meinungsäußerung und darüber, dass jeder eine Bereicherung für die Gesellschaft ist. „Diese freiheitliche Grundhaltung möchte ich nicht nur an der Schule zeigen, sondern auch hier“, sagt sie. Die 28-Jährige ist wie 350 bis 400 andere Menschen gestern Abend auf den Königsplatz gekommen, zur zweiten Kundgebung unter dem Motto „AugeNAuf – Augsburg gegen Nationalismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit“.

Ein buntes Teilnehmerfeld, aber kaum Migranten und etablierte Parteien

Viele junge Leute sind bei der von Privatleuten initiierten Veranstaltung, aber auch solche im Rentenalter. Punks genauso wie gut gekleidete Damen. Es gibt Transparente der IG-Metall-Jugend und der FCA-Fans gegen Rechts, der Deutschen Kommunistischen Partei und der Christen gegen Ausgrenzung, der Linken, der Piraten und der Friedensinitiative. Attac demonstriert gegen Rechts und sammelt gleich noch Unterschriften für das Bürgerbegehren gegen die Stadtwerke-Fusion. Die etablierten Parteien, namentlich die Volksparteien CSU und SPD, fehlen aber, merkt ein Redner an. Auch Grünen-Fahnen sind im Gegensatz zur ersten Demo im Dezember nicht zu sehen.

Ali Öztürk, ehemaliger Vorsitzender des Dachverbands Türkischer Vereine, wundert sich auch, dass so gut wie keine Migranten gekommen sind: „Schließlich geht es gegen uns. Und das, obwohl wir seit Jahrzehnten friedlich hier leben.“ Am Abend davor, als sich in Friedberg 500 Menschen versammelten, war das anders: Bei der von den Grünen organisierten Demo sprach der CSU-Landrat, Türken schenkten Tee aus. Das Ehepaar Fabritz ist aus Friedberg: „Wir sind gegen Fremdenhass, für Weltoffenheit“, sagen sie. Es gelte, Gesicht zu zeigen, bevor rechtes Gedankengut die Vorherrschaft bekommt – auch wenn in Augsburg keine Pegida- bzw. Augida-Demos stattfinden. Die Eltern von Helmut Fabritz wurden aus Tschechien vertrieben, in Bayern aufgenommen – „so etwas kann man nicht vergessen“. Die meisten hier wollen für Migranten einstehen, so auch die FCA-Fans. „In Augsburg gehören Fußball und Vielfalt zusammen“, sagen sie.

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Meinungsaustausch am "Offenen Mikrofon"

Vorne am „Offenen Mikrofon“ geht es derweil um das Kapital, das mit Pegida die Gesellschaft spalten wolle, um Rüstungsexporte, um Medien, die Pegida angeblich überbewerten – und dazwischen auch um Flüchtlinge. „Es setzt sich doch keiner ins Schlauchboot und fährt übers Meer, weil er hier seine Rosinensemmel zehn Cent billiger kriegt“, sagt ein Redner. Applaus. Im Publikum steht ein junger Mann und hört zu. Er gehört zur kurdischen Jugendbewegung. „Ich bin hier, weil Pegida gegen Migranten ist, also anscheinend auch gegen mich“, sagt er.

Der 17-Jährige ist hier geboren, seine Eltern aber mussten aus der Türkei fliehen. Klar, er sei beschimpft worden, als Döner-Fresser zum Beispiel, erzählt er. Aber prinzipiell sei Rassismus hier kein bedrohliches Thema. Noch nicht. Der Name des Jungen ist Azad. Das heißt Freiheit.

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