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05.02.2010

Gegenwind für Kraftwerk

Die Augsburger sind auf breiter Front gegen ein neues Wasserkraftwerk am Lech im Naturschutzgebiet Stadtwald. Jetzt macht auch eine Parlamentariergruppe im Bundestag gegen das Projekt mobil. Der Energieerzeuger Eon Wasserkraft lässt sich vom politischen Gegenwind allerdings nicht beeindrucken. Das Unternehmen treibt seine Pläne für den Bau der neuen Anlage weiter voran. Für das laufende Genehmigungsverfahren wurden diese Woche weitere Unterlagen bei der Stadt eingereicht.

Politisch bekommt der Streit ums Kraftwerk immer größere Dimensionen. Gestern kamen Vertreter der parteiübergreifenden Parlamentariergruppe "Frei fließende Gewässer" des Deutschen Bundestags zum Ortstermin nach Augsburg. Eingeladen hatte SPD-Abgeordneter Heinz Paula. Er kämpft zusammen mit vielen anderen heimischen Politikern sowie Vereinen und Verbänden der "Lechallianz" gegen das Kraftwerk und für eine naturnahere Gestaltung des Lechs. Konkret geht es um die zwölf Kilometer lange Flussstrecke zwischen Hochablass und Staustufe 23.

Wie wichtig dieser Abschnitt ist, erklärt Dr. Eberhard Pfeuffer vom Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben. Danach zählt der Stadtwald Augsburg zu den größten und artenreichsten Naturschutzgebieten in Bayern. Hier ist zum Beispiel noch einer der allerletzten Bestände des Huchen zu finden. Neben dem Pandabären und dem Tiger zähle dieser Fisch mittlerweile zu den weltweit gefährdetsten Tierarten, so Pfeuffer. Nach seiner Einschätzung kann der Stadtwald auf Dauer aber nur überleben, wenn der Lech - ähnlich wie Wertach, Iller oder Isar - naturnaher gestaltet wird. Der Bau eines neuen Wasserkraftwerks werde dagegen den dringend nötigen Umbau des Flusses für die kommenden 90 Jahre verhindern.

"Auch Flüsse brauchen Lobby"

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Für die Parlamentariergruppe hat der Kampf gegen das neue Kraftwerk Bedeutung weit über Augsburg hinaus. Wenn es Eon gelinge, in dem Naturschutzgebiet mit europäischem Schutzstatus eine neue Anlage zu bauen, werde der Präzedenzfall katastrophale Folgen in ganz Deutschland haben, fürchtet Grünen-Abgeordneter Toni Hofreiter.

"Auch Flüsse brauchen eine Lobby, nicht nur die Energieerzeuger und die Schifffahrt", sagt Horst Meierhofer, Vorsitzender der Parlamentariergruppe. Unterzeichnet wurde deshalb eine Resolution. Darin appellieren die Politiker an Eon, den Antrag für das Kraftwerk zurückzuziehen und stattdessen vorhandene Kraftwerke moderner auszubauen. Die bayerische Staatsregierung wird aufgefordert, für eine Renaturierung des Flussabschnitts zu sorgen.

Auch der städtische Umweltreferent Rainer Schaal (CSU) wünscht sich mehr Aktivitäten für eine "Vitalisierung" des Lechs. Er rief die Abgeordneten auf, nicht nur an andere zu appellieren, sondern sich auch selbst dafür einzusetzen, dass im Bundestag Gelder locker gemacht werden. Denn mit einem solchen Vorhaben in einer Größenordnung von geschätzt 100 Millionen Euro wäre die Stadt Augsburg völlig überfordert. Laut Schaal ist es dringend nötig, politische Weichen zu stellen. Denn rechtlich, so glauben Experten, hat das Lechkraftwerk gute Chancen auf Genehmigung.

So sieht man es auch bei Eon Wasserkraft. "Alle Unterlagen bestätigen unsere Auffassung, dass das Projekt genehmigungsfähig ist", so Sprecher Christian Orschler. Man strebe eine Entscheidung 2010 an.

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