Newsticker

Bund und Länder beschränken Feiern in öffentlichen Räumen auf 50 Teilnehmer
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Gegenwind für einen verkaufsoffenen Sonntag in Augsburg

Augsburg

16.09.2020

Gegenwind für einen verkaufsoffenen Sonntag in Augsburg

Marktsonntage sorgen in der Regel für eine volle Innenstadt.
Bild: Peter Fastl (Archivfoto)

Plus Die IHK möchte wegen Corona mehr verkaufsoffene Sonntage in Augsburg, doch von der Gewerkschaft kommt Protest. In Lechhausen laufen bereits die Vorbereitungen.

Die Aktionsgemeinschaft Lechhausen plant bereits. Dieses Jahr soll es wegen Corona keinen Marktsonntag im klassischen Sinn geben, sondern eine ganze Marktwoche. Geplant ist sie ab dem 18. Oktober. Geht es nach der Industrie- und Handelskammer (IHK) Augsburg, könnte Händlern in der Corona-Krise mit solchen verkaufsoffenen Sonntagen geholfen werden. Doch es gibt Gegenwind von der Gewerkschaft DGB. Und so planen die Lechhauser erst einmal, ohne genau zu wissen, ob das Konzept realisiert werden kann.

Der Marktsonntag in Lechhausen ist stets in die Lechhauser Kirchweih integriert. Das kleine Volksfest war bislang der Anlass, warum Händler in Lechhausen am Sonntag zusätzlich öffnen durften. Doch in Zeiten von Corona will die Aktionsgemeinschaft das Fest entzerren und nicht mehr nur den Sonntag, sondern eine ganze Woche mit Aktionen anbieten. Der Marktsonntag soll aber nach wie vor integriert sein.

Die IHK machte sich zuletzt für verkaufsoffene Sonntage stark. In Zeiten von Corona müssten diese Veranstaltungen auch ohne einen dazu nötigen Anlass erlaubt sein. Bislang musste es einen Anlass geben, damit ein Marktsonntag genehmigt werden kann. Einfach zu sagen, man möchte sonntags öffnen, geht nicht.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Marktsonntage in Augsburg: So argumentiert die Gewerkschaft DGB

Diese geltende Regelung sei gut, sagt wiederum die schwäbische DGB-Regionsgeschäftsführerin Silke Klos-Pöllinger. „Alter Wein wird neu verpackt“, kommentiert sie die Forderung der IHK Schwaben. „Abgesehen davon, dass der Sonntag als arbeitsfreier Tag ein Familientag sei und kein Einkaufstag, bringt der Marktsonntag dem Handel nichts, er steigert nur die Kosten, die dann woanders wieder reingeholt werden müssen". Der Umsatz werde verlagert. Belastet würden vor allem die überwiegend weiblichen Beschäftigten und deren Familien. Auch das Argument der Corona-Krise ziehe nicht, sagt Silke Klos-Pöllinger: "Wenn viele Menschen gerade wegen Corona weniger Geld zum Einkaufen haben oder keine Lust dazu haben, weil sie eine Maske tragen müssen, dann wird sie auch eine Sonntagsöffnung ohne einen gesetzlich vorgeschriebenen begleitenden Anlass wie bei Marktsonntagen nicht in die Läden treiben.“

Beim schwäbischen Einzelhandelsverband geht man derzeit davon aus, dass das Ansinnen der IHK bei der bayerischen Staatsregierung nicht auf offene Ohren stoßen werde. Bezirksgeschäftsführer Andras Gärtner sagt: "Die Ausrichtung von verkaufsoffenen Sonntagen ist eine Super-Idee." Allerdings lasse sie sich wegen der geltenden Gesetzeslage wohl derzeit nicht umsetzen. Wenn Veranstaltungen erlaubt würden, dann nur mit einem Anlass.

Marktsonntage: Ein Gericht hat Bedenken angemeldet

Gärtner verweist auf ein Urteil in Nordrhein-Westfalen. Das Oberverwaltungsgericht in Münster kippte zuletzt Verordnungen der Städte Lemgo und Bad Salzuflen. Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium hatte ursprünglich erlaubt, bis zum Jahresende maximal vier verkaufsoffene Sonntage zu genehmigen. Umsatzeinbußen aus der Corona-Krise könnten aufgeholt werden.

 

Diese Begründung für die Sonntagsöffnung ließen die Richter nicht gelten. Sie könnte „praktisch überall für jeden Sonntag angeführt werden“, hieß es. Damit werde die verfassungsrechtlich erforderliche Ausnahmeregel für Arbeit am Sonntag nicht gewahrt.

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

16.09.2020

Verkaufsoffene Sonntage bringen in einer Zeit, in der man eh' nicht normal einkaufen kann, vermutlich nichtsd bis garnichts. Und irgendwann braucht das Personal auch mal eine Auszeit. Ich weiß nicht ob jeder Verkäufer 2 oder 3 Schichten hat.

Permalink
16.09.2020

Na, ja,die Zeiten ändern sich und auch das Kaufverhalten. Der verkaufsoffene Sonntag würde weitaus mehr Leute in die Innenstädte locken und dadurch würden auch die Restaurants und Cafés einen erhöhten Umsatz haben. In den asiatischen Ländern z.B. ist der Sonntag der umsatzstärkste Verkaufstag. Außerdem gibt es sehr viel Menschen, welche gerne etwas dazuverdienen möchten und so eine zusätzliche Einnahmequelle hätten. Es müssten ja nicht die Angestellten, welche unter der Woche arbeiten, an diesem Tag arbeiten. Das Argument der Gewerkschaften geht da nicht auf und in unserer Marktwirtschaft sollte jeder Inhaber selbst bestimmen können, ob er an solchen Tagen öffnen will oder nicht, es wird ja nicht dazu gezwungen. Jeder Kaufmann würde bei einem Verlust eh nicht öffnen.

Permalink
16.09.2020

Verkaufoffene Sonntage haben noch nie zum Umsatzzuwächsen geführt .......bei genauer Betrachtung waren das prinzipiell Umverteilungen aus den Wochen zuvor bzw. danach. Und durch die immensen Zuschläge und die extra Werbemaßnahmen hat sich ein nennenswerter Kostenblock entwickelt - wer s ganz genau ausrechnet, stellt fest - rechnet sich nicht. Und in Corona Zeiten eh nicht.

Permalink
16.09.2020

Aus meiner Sicht ist die Argumentation von Frau Silke Klos-Pöllinger 100 % zutreffend.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren