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Augsburg

13.06.2016

Geklaute Zalando-Schuhe auch in Augsburg verkauft

Logistikzentrum des Onlinehändlers Zalando in Berlin. Hier sollen Schuhe im Wert von 80.000 Euro gestohlen worden sein.
Bild: Martin Schutt/dpa

Heiße Ware aus dem Berliner Zentrallager des Onlinehändlers Zalando wurde auch in Augsburg verkauft. Nun stehen drei Männer vor Gericht. Ein Problem gibt es trotzdem noch.

Da rieben sich zwei Polizisten, die eines Nachts Ende September 2014 einige Zeit vor einer Kneipe in Berlin standen, verwundert die Augen. Die Gäste, die nach kurzem Aufenthalt wieder herauskamen, hatten plötzlich ein neues Outfit. Sie trugen, anders als beim Hineingehen, sichtlich nagelneue Sportschuhe in poppigen Farben, auch äußerst modische, augenscheinlich teure Jacken.

Die Beamten vermuteten sofort ein Hehlernest. Die Kripo hörte daraufhin die Telefone der Kneipe und des Wirts ab. Und bald stellte sich heraus, dass es im Hinterzimmer des Lokals geklaute hochwertige Ware zu Dumpingpreisen zu kaufen gab – Schuhe und Jacken, die lastwagenweise aus dem Berliner Zentrallager des bekannten Online-Händlers Zalando gestohlen worden waren. Mehrere Männer wurden verhaftet. Auch in Augsburger Kneipen fand die Hehlerware von der Spree reißenden Absatz, die via Paketdienste an den Lech geschleust worden war. Jetzt sollte fünf Männern, zwei aus Augsburg, drei aus der Hauptstadt, vor dem Amtsgericht der Prozess gemacht werden.

Prozessauftakt mit unerwarteter Wendung

Der Auftakt nahm allerdings eine völlig unerwartete Wendung: Die Vorsitzende Richterin des Schöffengerichts, Rita Greser, weigerte sich, mit den Verteidigern und dem Staatsanwalt über eine Verfahrensabsprache zu diskutieren. Sie übte, was unter Juristenkollegen völlig ungewöhnlich ist, heftige Kritik an der Staatsanwaltschaft und dem Landgericht.

Der Grund: Die Beweislage der Anklageschrift sei keine Basis für eine Absprache. Die Anklage beruhe auf Schätzungen, falschen Zahlen, stimme mit Aussagen bei der Kripo nicht überein, konkrete durch Videos belegte Taten seien überhaupt nicht angeklagt. Das Gericht könne also die Glaubwürdigkeit von Geständnissen bei einem „Deal“ nicht überprüfen. „Wir können aber aufgrund von Schätzungen niemanden verurteilen.“ Bei einer Verfahrensabsprache setze sich das Gericht dem Verdacht der Rechtsbeugung aus.

Die Richterin hatte bereits im Vorfeld die Anklage der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. Das Landgericht schlug sich bei einer Beschwerde jedoch auf die Seite der Anklagebehörde und ordnete den Prozess an. „Dieser Beschluss“, so sagte Greser, „hat mich sehr irritiert“.

Drahtzieher war ein Security-Mann

Hintergrund des Debakels ist offenbar, dass der Online-Händler den Wert der insgesamt seit Herbst 2013 geklauten Ware nicht beziffern kann. Die Anklage geht von insgesamt 80.000 Euro aus. Drahtzieher der Diebstähle soll ein Security-Mann, 32, (Verteidiger: Nicolas Becker) gewesen sein, der das Zentrallager in Berlin nachts bewachte. Er soll einem Kumpel, 36, (Anwältin: Alexandra Gutmeyr) über ein Fenster eingeschleust haben. Beide sollen dann vor allem Nike-Schuhe und Boss-Jacken geklaut haben. Ein Großteil der Beute soll für einen Hehlerpreis von 30 Prozent an einen 32-jährigen Berliner (Anwalt: Werner Ruisinger) gegangen sein.

Die „heiße Ware“ wurde nicht nur in Kneipen in der Hauptstadt an den Mann gebracht. Ein in Augsburg lebender Cousin des Hauptabnehmers (Anwalt: Michael Weiss) betrieb zusammen mit einem 28-Jährigen (Anwälte: Hans Heinlein und David Braithwaite) einen schwunghaften Handel in zwei Gaststätten in Oberhausen und Lechhausen.

300 Paar Nike-Schuhe in Augsburg

Rund 300 Paar Nike-Schuhe im Wert von 6000 Euro, angeliefert in 40 Paketen, sollen laut Anklage in den Hinterzimmern der Kneipen verscherbelt worden sein. Nach dem Paukenschlag zu Beginn des Prozesses herrschte lange Zeit Ratlosigkeit bei allen Beteiligten.

Für drei Angeklagte wurde dennoch eine Lösung gefunden. Das Verfahren gegen den 28-jährigen Augsburger wurde vorläufig eingestellt, weil er ohnedies wegen Verdachts des Kokainhandels in der Größenordnung von 1,3 Kilo in Haft sitzt.

Die beiden Berliner Diebe wurden lediglich in einem einzigen eindeutig belegbaren Fall (300 Paar Schuhe im Wert von 30000 Euro) zu Bewährungsstrafen von zwei Jahren beziehungsweise 21 Monaten verurteilt. Ihr Vermögen wurde mit dinglichen Arresten über 87000 Euro belegt. Die beiden Cousins aus Berlin und Augsburg bleiben weiter im Fokus der Justiz. Die Polizei soll jetzt anhand der Telefonüberwachungen neue Beweismittel heranschaffen.

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