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Augsburg

18.02.2014

Geld machen wie an der Wall Street

Gute Nerven waren beim Börsenwettbewerb an der Hochschule Augsburg nötig: Wirtschaftsstudenten aus vier Ländern traten gegen professionelle Händler an, um den Sieger mit dem höchsten Gewinn zu ermitteln. Das italienische Team mit Alberto de Antoni und David Diana (von links) aus Mailand verfolgt auf unserem Bild konzentriert, ob die Kurse fallen oder steigen.
Bild: Peter Fastl

 Wirtsschaftstudenten aus Augsburg liefern sich bei einem Wettbewerb gegen professionelle Börsenhändler ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Alles nur Zockerei, oder steckt Strategie dahinter?

Von Eva Maria Knab

Auch ein Profi kann sich irren. Der Frankfurter Börsenhändler Rüdiger Born setzt an diesem Morgen auf einen fallenden Kurs beim Deutschen Aktienindex. Pech für ihn. Der Dax steigt und Born macht innerhalb von 30 Minuten 60 Euro Verlust. Deutlich besser läuft zur selben Zeit ein Deal der Konkurrenz: Ein Team von Augsburger Wirtschaftsstudenten kann ebenfalls mit Dax-Geschäften 62,50 Euro Gewinn einfahren. Einfach nur Glück? Oder auch Können?

An der Hochschule Augsburg herrscht an diesem Tag Börsenfieber. Im Foyer der Wirtschaftsfakultät stehen überall Laptops herum. Sie sind an eine reale Börsen-Plattform angeschlossen. Reale Aktien werden für reales Geld gekauft und verkauft. Ein großer Bildschirm zeigt an, ob Kurse steigen oder fallen. Die Stimmung ist ähnlich angespannt wie an der Wall Street in New York. Auch hier geht es um Gewinn und Verlust.

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Augsburg ist Schauplatz des Trading-Wettbewerbs „Top of the Top“. Er findet zum ersten Mal in Deutschland statt. Wirtschaftsstudenten aus vier Ländern treten gegen professionelle Börsenhändler an. Veranstalter ist der italienische Online-Broker Directa. Die Mission an diesem Tag lautet: das Anfangskapital von jeweils 5000 Euro pro Mannschaft bestmöglich vermehren und damit mehr Geld machen als alle anderen. Ums Zocken geht es aber nicht. Mario Fabbri, Geschäftsführer von Directa, sagt: „Die Studenten sollen lernen, dass Geldverdienen an der Börse nicht so einfach ist.“

Wie recht er hat, zeigt sich schnell. Acht Teams treten gegeneinander an. Top-Trader Davide Biocchi setzt auf Aktien italienischer Unternehmen und macht in einer halben Stunde 32,55 Euro Gewinn. Bis auf die Studenten aus Tschechien und ein Team der Augsburger Hochschule liegen alle anderen zu diesem frühen Zeitpunkt schon in der Verlustzone.

Biocchi erklärt seine Strategie so: „Ich bin nur ein geringes Risiko gefahren.“ Sein Kollege Born geht nach einem ähnlichen Prinzip vor. „Beim Traden sollte man nie alles auf eine Karte setzen. Wichtig ist, dass man wenig riskiert.“ So halten sich Verluste in Grenzen, gute Geschäfte sind trotzdem möglich. Laut Born schafft es auch ein professioneller Händler kaum, den maximal möglichen Gewinn aus einem Deal herauszuholen. Das richtige Timing beim Einstieg und Ausstieg aus einem Geschäft sei schwierig.

Beim Trading-Wettbewerb an der Hochschule liefern sich ein Augsburger Team und Biochi ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Lange liegen die Studenten vorn. Am Ende ist der Profihändler aus Italien nicht zu schlagen.

Augsburger Hochschulstudenten haben schon vorher außergewöhnliches Talent bei Börsengeschäften bewiesen. Alexander Hempfing gewann vor zwei Jahren mit seinem Team die internationale „Trading Universiade“. Innerhalb eines halben Jahres machten die Augsburger allein mit klassischen Aktienhandel über 124 Prozent Gewinn. Am Ende hatten 11 000 Euro auf ihrem Konto. Das hinterließ auch beim Online-Broker Directa einen nachhaltigen Eindruck. „Einen solchen Erfolg von Studenten über diesen Zeitraum habe ich noch nie erlebt,“ sagt Mario Fabbri.

Risiken gibt es bei Börsengeschäften immer. Kann man aber lernen, wie man möglichst viel Geld macht? Professor Michael Feucht, Dekan der Wirtschaftsfakultät, wird oft von Studenten gefragt, ob er nicht einen Tipp für die Aktienhandel hat. „Ich sage dann immer, es gibt kein Geheimrezept für Gewinne.“ Handwerkliches Können sei aber notwendig, um langfristig Erfolg zu haben. „Marktkenntnis ist wichtig, Geduld und möglichst wenig Emotion.“

Viele Menschen haben falsche Vorstellungen davon, wie schnell man mit Aktienhandel Geld machen kann. „Reich werden in acht Tagen, solche Sprüche sind eine Illusion“, sagt Profi Rüdiger Born. Auch er hat das als junger Trader lernen müssen. Sein höchster Gewinn an einem Nachmittag seien 30 000 D-Mark gewesen, erzählt er. Nur eine Woche später habe er einen ähnlichen Betrag an der Börse aber schon wieder verloren. „Das hat mir gezeigt, dass mein Ansatz damals noch nicht professionell genug war.“

„Das würde mich zu viele Nerven kosten“

Beim Trading-Wettbewerb an der Hochschule lernen nicht nur die Börsenhändler unter den Studenten dazu. Auch Zuschauer sind im Foyer dabei. Sie bekommen das Geschehen, das im Online-Handel blitzschnell abläuft, von den Profis kommentiert und erläutert. Sascha Steinkohl, der International Management studiert, hat sich bisher noch nie Aktien gekauft. „Das war für mich ein Buch mit sieben Siegeln.“ Nun kann er sich vorstellen, diese Form der Geldanlage auszuprobieren. Trader werden will er aber nicht. „Das würde mich zu viele Nerven kosten.“

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