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Augsburg

15.05.2019

Genossenschaften in Augsburg: Hier sind die Mieten noch günstig

Das Hochhaus im Martin-Gomm-Weg in der Firnhaberau gehört der Siedlungsgenossenschaft Firnhaberau und wurde 2017 saniert. Insgesamt haben die Genossenschaften in der Stadt mehr als 3000 Wohnungen im Bestand.
Bild: Anette Zoepf

Plus Wohnungen von Genossenschaften sind oft bezahlbar, entstehen in Augsburg aber kaum noch. Dabei gäbe es mehr Interessenten denn je. Ein Problem sind die Bodenpreise.

Auf dem Augsburger Wohnungsmarkt sind sie eine eher unbekannte Größe, die meist unterschätzt wird: Um die zehn große Wohnungsgenossenschaften gibt es in Augsburg, und sie haben zusammen mehr als 8000 Wohnungen in ihrem Bestand – meist mit günstigeren Mieten als auf dem gewerblichen Markt. Neue Genossenschaften tun sich indessen schwer mit dem Bau eines Hauses – meist fehlt das Grundstück oder es ist zu teuer, erzählen Augsburger, die versuchen, das Problem mit der Wohnungsknappheit selbst in die Hand zu nehmen.

Die Idee der Genossenschaften in Augsburg ist nicht neu. Die Siedlungsgenossenschaft Augsburg-Firnhaberau wird kommendes Jahr etwa 100 Jahre alt, sagt geschäftsführender Vorstand Rainer Beyer. Entstanden ist die Genossenschaft beim Bau der dortigen Siedlerhäuschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte sich die Genossenschaft auf den Bau von Geschosswohnungen. 2013 sei der letzte Neubau entstanden, so Beyer. „Genossenschaften entstanden immer in Notzeiten – nach den beiden Weltkriegen, und auch jetzt, wo der Markt nicht funktioniert, helfen sich die Leute selbst“, sagt er. Momentan gebe es bei dem Thema „neuen Schwung“.

Große Renditen wollen die Genossenschaften nicht erwirtschaften

Auch in Augsburg gibt es immer mehr Bürger, die sich gerne zusammentun würden, um gemeinsam etwas zu bauen oder zu kaufen. Die Idee der Genossenschaft in wenigen Worten: man erwirbt einen Anteil an der Genossenschaft, indem man Geld als Einlage bezahlt. Dafür kann man dann gegen eine monatliche Nutzungsgebühr eine Wohnung bewohnen. Wer viel Genossenschaftseinlagen erworben hat, zahlt weniger monatliche Nutzungsgebühr und umgekehrt. Es ist eine Mischform aus Mieten und Kaufen. Große Renditen wollen die Genossenschaften nicht erwirtschaften – das ermöglicht zum Teil Mieten um die fünf Euro je Quadratmeter.

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Und für viele, die gerne eine Genossenschaft gründen wollen würden, spielt auch eine Rolle, dass sie sich in der Hausgemeinschaft einen anderen Zusammenhalt erhoffen als in einer anonymen Wohnanlage. „Für mich ist wichtig, nicht alleine zu leben“, sagte eine Bürgerin auf einer Diskussion der Grünen Stadtratsfraktion zum Thema vergangene Woche. Die Grünen kündigten an, bei dem Thema verstärkt aktiv werden zu wollen.

Denn was Neugründungen betrifft, läuft es in Augsburg momentan eher zäh. In ihrer „Offensive Wohnraum“ hat die Stadt sich dabei das Ziel gegeben, Wohngenossenschaften zu fördern. „Mit städtischer Unterstützung sollen Möglichkeiten von Bürgergenossenschafts- oder Gesellschaftsmodellen aufgezeigt werden, die gemeinschaftlichen Eigentumserwerb ermöglichen“, heißt es im Konzeptpapier. Doch es sei in der Praxis kaum möglich, an bezahlbare Grundstücke heranzukommen, erzählen Initiatoren.

In München, wo der Preisdruck noch viel massiver ist, hat die Stadtverwaltung schon einen anderen Weg eingeschlagen. In großen Siedlungsgebieten werden zwischen 20 und 40 Prozent der Gesamtflächen an Baugemeinschaften und Wohnungsbaugenossenschaften vergeben. In Augsburg gibt es noch keine derartigen Festsetzungen, allerdings sind zum Beispiel für Haunstetten Südwest so genannte Konzeptvergaben in der Überlegung. Dabei werden Grundstücke bevorzugt an besondere Wohnformen verkauft. Momentan, berichtet Heribert Weigant vom städtischen Wohnungs- und Stiftungsamt, mache man sich verstärkt Gedanken zum Thema Konzeptvergabe. Zudem wolle die Stadt Genossenschaften künftig enger auf ihrem Weg begleiten.

Eine Genossenschaft in Augsburg kam in finanzielle Probleme

Einfach ist der nicht immer. In Augsburg kam das Genossenschaftsprojekt „Neue Wege“ im Prinz-Karl-Viertel in Liquiditätsprobleme, weil viele Mitglieder aus dem Finanzierungsmodell aussteigen wollten. Man brauche in jedem Fall jemanden in der Genossenschaft, der sich mit Bau und Finanzierung auskennt, erzählt Daniel Scholz, der in München in der Wohnungsgenossenschaft Progeno aktiv ist und mit seiner Familie in einer Wohnung lebt. Die Nachbarschaft sei super, das Wohnen für Münchner Verhältnisse absolut bezahlbar. „Aber man braucht jemand, der sich mit Bauen und Buchhaltung auskennt. Und vor allem muss man mutig sein, denn es gibt Durststrecken. Bis man baut, ist es ein langer Prozess“, erzählt er. Auch Genossenschafts-Vorstand Beyer aus der Firnhaberau sagt, dass eine Genossenschaft „eine Lebensform“ sei. Gebe es zwischen Bewohnern Streitigkeiten, müssten diese selbst geklärt werden.

Neben klassischen Genossenschaften gibt es in Augsburg alternative neue Projekte. Am Katzenstadel bezogen vergangenes Jahr zwölf jüngere Augsburger ein Haus. Die Idee bei „Unser Haus“ lehnt sich an die Genossenschaft an. Die monatliche Miete dient dazu, die Kredite, die für den Kauf des Hauses fällig wurden, abzuzahlen. Das Haus gehört dem Verein, der wiederum im Verbund „Mietshäuser-Syndikat“ angesiedelt ist, zu dem deutschlandweit 141 Hausprojekte gehören. Ziel ist es, das Haus dauerhaft als günstige Wohnmöglichkeit zu erhalten.

Inzwischen gibt es ein zweites Projekt namens „Pa*radieschen“, das noch auf der Suche nach einem Haus oder Grundstück ist. Ziel, so die Initiatoren, sei es, „Wohnraum zu schaffen, der uns und allen Generationen an Nachmietern langfristig bezahlbare Mieten und ein hierarchiefreies Leben ermöglicht“. Neben dem Thema Wohnen gehe es auch um Ziele wie Nachhaltigkeit und Integration.

Auf Selbstverwaltung setzt auch das Contact-Dorf. 2014 ist der Verein für das moderne Ökodorf entstanden, in dem Menschen in Gemeinschaft miteinander leben sollen. Zwar gehören dem Verein drei landwirtschaftlichen Wiesen in Bobingen, Inningen und Wehringen in der Größe von 1,2 Hektar, Bauland ist das aber keines.

Vorsitzende Roswitha Kugelmann sagt, dass es bei dem Dorf durch Raumkonzepte möglich sein solle, auf unterschiedliche Bedürfnisse des Wohnens zu reagieren – vom Single bis zur Familie. Das Ökodorf würde die Tradition des gemeinschaftlichen Wohnens in der Fuggerei fortführen. „Die Stadt sollte das nicht aus dem Auge lassen. Das ist ein Profit“, sagt Kugelmann. Trotz widriger finanzieller Lage hält der Verein an der Idee fest. Mit einem Seminar der Hochschule überarbeite man gerade das Konzept, das man dann der Stadt in der Hoffnung auf Unterstützung vorstellen wolle. Dieses Jahr ist zudem eine Genossenschaftsgründung geplant.

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