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Augsburg

27.10.2016

Geplante Wohnungen bedrohen Flugplatzheide: Kommt es zur Klage?

Der Bund Naturschutz in Bayern will alle Hebel in Bewegung setzen, um die Alte Flugplatzheide vor einer Wohnbebauung des Freistaats zu retten – trotz Baurecht.
Bild: Ulrich Wagner

Der Freistaat plant in Augsburg Wohnungen für Flüchtlinge auf wertvoller Heide. Der Bund Naturschutz könnte dagegen Klage einreichen.

Der Kampf um die Rettung der Alten Flugplatzheide in Haunstetten geht in die nächste Runde: Der Bund Naturschutz in Bayern prüft nun eine Klage gegen die geplante Wohnbebauung des Freistaats auf der historischen Heidelandschaft mit über 80 bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Auch politisch soll es einen weiteren Vorstoß geben – eine Petition an den Bayerischen Landtag.

Der schwäbische Gebietsreferent Thomas Frey vom Bund Naturschutz verweist darauf, dass der anerkannte Umweltverband in bestimmten Fällen ein Klagerecht hat. In Zusammenarbeit mit der Kreisgruppe werde nun geklärt, ob ein Gang vor Gericht gegen die Teilbebauung der Flugplatzheide möglich ist.

Bekanntlich plant der Freistaat auf der naturschutzfachlich wertvollen Heide knapp 80 Wohnungen für rund 300 anerkannte Flüchtlinge. Von der ursprünglich 200 Hektar großen Heidelandschaft sind aber nur noch vier Hektar übrig. Von diesen letzten zwei Prozent Heide soll ein weiteres Fünftel bebaut und das dann noch übrige Areal unter Schutz gestellt werden. Die Regierung von Schwaben hat die Baugenehmigung für das Vorhaben am Bischofsackerweg erteilt.

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Es besteht Baurecht für den Freistaat

Damit besteht Baurecht für den Freistaat. Trotzdem kündigt der Bund Naturschutz auch noch eine Petition an den Bayerischen Landtag an. Laut Frey geht es um einen Appell an die Landespolitiker. Sie sollen die geplante Teilbebauung der Flugplatzheide durch den Freistaat unterbinden.

Auch im Augsburger Stadtrat soll der Streitfall noch einmal Thema werden. Die ÖDP hat einen Dringlichkeitsantrag für die Sitzung am Donnerstag gestellt. Demnach soll der Stadtrat die Staatsregierung auffordern, auf die Wohnbebauung am Bischofsackerweg zu verzichten, und die benötigten Wohnungen für bleibeberechtigte Flüchtlinge auf dem Gelände der bisherigen Asylbewerberunterkunft an der Calmbergstraße errichten. Christian Pettinger (ÖDP) argumentiert, der Stadtrat habe zwar Ende Juli dem Bau der Anlage auf der Heide zugestimmt. Damals sei aber betont worden, dass dies der einzig mögliche Standort sei. Nun stehe die frei werdende staatliche Unterkunft an der Calmbergstraße zur Verfügung. Sie sei ein wesentlich besser geeigneter Standort als die abgelegene Heide.

Auch die Stadtratsfraktion von Pro Augsburg fordert, auf das umstrittene Bauprojekt zu verzichten und die notwendigen Wohnungen an der Calmbergstraße zu bauen. Ansonsten werde ein fatales Zeichen gesetzt, so Rudolf Holzapfel: „Wie soll bei diesem Beispiel normalen Bürgern Bauen im Außenbereich in naturschutzfachlich hoch sensiblen Bereichen künftig noch untersagt werden?“

Rest der Heide soll nach Teilbebauung geschützt werden

Die Regierung von Schwaben verfolgt unterdessen das Ziel, nach einer Teilbebauung der Heide den Rest als „geschützten Landschaftsbestandteil“ auszuweisen. Zuständig für das Verfahren ist die Stadt. Laut Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) ist die Ausweisung des Schutzgebietes erst dann möglich, wenn eine genehmigte Planung für das Baugebiet am Bischofsackerweg vorliegt. Im nächsten Schritt müsse dann geklärt werden, wie groß das Schutzgebiet sein soll.

Erben geht davon aus, dass weitere Ausgleichsflächen am Landesamt für Umwelt, am Studentenwohnheim nebenan und nördlich der künftigen Bebauung am Bischofsackerweg in die Schutzzone einbezogen werden müssen, möglicherweise auch eine Ausgleichsfläche am Innovationspark. Nur so könne eine Verbindungsbrücke für die Natur zwischen der Heide und der freien Landschaft auf der Augsburger Hochterrasse geschaffen werden. Dieses ökologische Bindeglied sei „zwingend erforderlich“, so Erben. Aus Sicht des Umweltreferenten muss auch noch genauer geklärt werden, wie man die wertvolle Naturfläche von der Wohnbebauung nebenan abgrenzen kann.

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