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26.06.2007

Gewerbe-Standort als Oase der Schönheit

Seit sechs Jahren ruht der Betrieb im Augsburger Gaswerk, suchen die Stadtwerke nach Möglichkeiten einer neuen Nutzung. Bis jetzt fand sich noch nichts - trotz mehrerer Anläufe. Aber nun hat sich Prof. Karl Ganser, Städteplaner und ehemals Leiter der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) der Sache angenommen.

Von Angela Bachmair und Lilo Silcher

Bis Ende 2008 will er nach Nutzern für das 1915 errichtete Ensemble mit seinen Gebäuden im Stil von Neorenaissance bis Jugendstil suchen. Mit den Stadtwerken schloss er einen zweijährigen Beratervertrag ab - ehrenamtlich, nur für eine geringe Aufwandsentschädigung. Bei den Stadtwerken ist man "ausgesprochen glücklich", so Direktor Claus Gebhard und Pressesprecher Uli Müllegger, "das wir eine solche Kapazität gewinnen konnten."

Sogar im Hinterhof des Ruhrgebiets erfolgreich

Ganser hat schließlich höchst erfolgreich mit der IBA den Hinterhof des Ruhrgebiets umgekrempelt, ihm mit Wissenschaft, guter Architektur und Kultur ein weithin strahlendes Image verpasst. Für das Augsburger Gaswerk hat er jede Menge Ideen - und einen ganz anderen Verwertungsansatz als bisher die Stadtwerke. "Eine grüne Oase der Schönheit in einer gewerblichen Wüste" soll das Ensemble bleiben, wo Investoren, die den Wert gebauter Kultur schätzen, sich nach eigenem Gusto einrichten können.

"Wir brauchen nicht noch ein Kulturdenkmal, das zum Museum wird", sagte der Städteplaner bei einem Rundgang mit dem Augsburger Presseclub. Ein Gewerbestandort soll das Gaswerk werden, aber nicht so, dass ein oder zwei Investoren das ganze Ensemble kaufen und umbauen, sondern kleinteilig und vielfältig. Entscheidend ist für Ganser: "Die hochwertige Architektur bleibt unberührt." Er wolle gezielt nach Investoren suchen, die einen Sinn für Baukultur haben. Wer seinen Betrieb ins Gaswerk verlegen wolle, könne dies zu sehr geringen Mieten tun, müsse dafür aber auch alles, was er braucht, selber einbauen. Wie Leichtbau-Container könnten Büros oder Werkstätten in die großen Hallen eingestellt werden. Ins ehemalige Ofenhaus könnte eine Kreativgalerie, ins Kühlhaus ein außergewöhnliches Restaurant, ins Apparatehaus ein Kunsthandwerker-Zentrum einziehen.

Die Stadtwerke sind laut Uli Müllegger dankbar, dass ihnen der visionäre Städteplaner zu einem Umdenken verholfen habe. "Wir suchen nicht mehr nach der großen Lösung, sondern wollen das Ganze jetzt von unten und Schritt für Schritt entwickeln." Der erste Schritt ist für Karl Ganser, "das Gaswerk in die Köpfe der Menschen zu bringen". Um "dieses bedeutende zeitgeschichtliche Denkmal" zu erhalten, müsse zunächst auf dem Gelände etwas geschehen, was Aufmerksamkeit erregt.

Theater soll sein Kulissenlager räumen

Die Häuser - derzeit Kulissenlager des Stadttheaters - sollen leergeräumt, mit Infotafeln versehen und durch Führungen erschlossen werden. Ende September feiern die Stadtwerke "Erntedank" im Gaswerk - mit offenen Türen. Auch Prof. Ganser wird da sein und seinen Vortrag halten. Das Gaswerk wird beleuchtet sein und voller Kunstinstallationen, "damit das Alte einen neuen Blickfang" bietet. "Ich hoffe, dass sich meine Strategie Ende 2008 als erfolgreich erweist," sagt der Professor und fügt listig hinzu: "Das Gaswerk soll so populär werden, dass man es nicht mehr abreißen kann - eine Last, die man liebt."

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