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Augsburg

27.10.2019

Gibt es bald 2000 neue Studienplätze für Augsburg?

Die Hochschule Augsburg hat bislang rund 6700 Studenten. Wirtschaft und Hochschule wollen nun 2000 zusätzliche Plätze schaffen.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Die Hochschule legt ein Konzept mit sechs innovativen Studiengängen vor. Es soll den Fachkräftemangel in Zukunftsbranchen beheben. Die Wirtschaft pocht auf einen raschen Ausbau.

Ministerpäsident Markus Söder hat kürzlich 10.000 neue Studienplätze in Bayern angekündigt. Die Wirtschaft in der Region fordert nun, dass der Freistaat davon 2.000 an der Hochschule Augsburg schaffen soll. Hintergrund ist der Fachkräftemangel, den heimische Unternehmen in Zukunftsbranchen immer stärker spüren.

Die Industrie und Handelskammer für Schwaben (IHK) hat in einem Schreiben an Söder offiziell Bedarf für den Ausbau des Studienangebotes im Bereich Digitalisierung angemeldet. Die Hochschule Augsburg legt dazu ein Konzept vor. Es sieht den Aufbau von insgesamt sechs innovativen Studiengängen und zusätzlich 2.000 neuen Studienplätzen innerhalb der kommenden fünf Jahre vor. Hochschulpräsident Gordon Thomas Rohrmair sagt, damit könnten jährlich bis zu 500 Ingenieure mehr für den heimischen Arbeitsmarkt ausgebildet werden – und zwar in zukunftsfesten Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Software-Entwicklung, Mensch-Maschine-Interaktion oder Big Data.

An der Hochschule Augsburg würden auch etwa 130 neue Stellen entstehen

Konkret geht es beispielsweise um Wirtschaftspsychologen, die helfen, neue digitale Produkte wie Smartphones nutzerfreundlicher zu machen. Es geht um Spezialisten, die Künstliche Intelligenz und den Umgang mit riesigen Datenmengen für Unternehmen noch besser nutzbar machen. Und es geht um neue Experten für Software-Entwicklung, die in Wirtschaftsunternehmen verschiedener Branchen gebraucht werden. „Hier ist der Bedarf so groß, dass wir ihn mit jungen Leuten aus unserer Region nicht mehr bedienen können“, sagt Präsident Rohrmair. Deshalb soll sich dieses geplante Studienangebot vor allem auch an Interessenten richten, die aus dem europäischen Ausland kommen.

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Um die Hochschule Augsburg entsprechend auszubauen, wird mit Gesamtkosten von 13,5 Millionen Euro jährlich gerechnet. Im Zukunftskonzept unter dem Titel „gP25“ sind auch Personalkosten für rund 130 Stellen enthalten. Dazu käme noch eine Anschubfinanzierung von vier Millionen Euro für Labors und weitere Ausstattung.

Bei der Wirtschaftskammer hält man den Ausbau des Studienangebotes für dringend geboten. Matthias Köppel, IHK-Experte für Standortpolitik, sagt, „wenn wir ein top Technologiestandort sein wollen, müssen wir uns so aufstellen.“ Die Region Augsburg müsse so viele Studienplätze wie möglich aus der neuen Zwei-Milliarden-Forschungsoffensive des Freistaats abbekommen. Ministerpräsident Söder hatte sie vor rund zwei Wochen angekündigt. Köppel verweist mit Blick auf den Bedarf auch auf Studien. Laut „Konjunkturumfrage“ der IHK Schwaben ist seit zwei Jahren der Fachkräftemangel das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung der regionalen Wirtschaft. Stellen, die nicht besetzt werden können, Arbeit, die liegen bleibt, Projekte und Maßnahmen, die nicht umgesetzt werden – dies alles schwäche die Wettbewerbsfähigkeit. Geradezu „händeringend“ würden Fachkräfte gesucht, die den digitalen Transformationsprozess in Unternehmen aktiv mit entwickeln.

Studieren in Augsburg: Die Kapazitäten der Hochschule Augsburg sind schon am Ende

Das Problem: Die Hochschule Augsburg ist mit ihren aktuellen Kapazitäten am Limit und kann aus eigener Kraft nicht mehr weiterwachsen. Rohrmair zufolge machen von derzeit rund 6700 Studierenden jährlich 1250 ihren Abschluss. 86 Prozent der Bachelor-Absolventen und 81 Prozent der Master-Absolventen fänden in der Region einen Arbeitsplatz. Dennoch reiche die Anzahl der Absolventen nicht aus, um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten.

Gleichzeitig müsse die Hochschule Augsburg jährlich rund 500 Studieninteressierte mit guten Noten abweisen, weil die Kapazitäten mehr als ausgeschöpft seien. Die Studienplätze seien im Schnitt um den Faktor vier überbucht. Rohrmair sagt, „keine andere Hochschule in Bayern muss Studieninteressierte in diesem Umfang an andere Hochschulen abwandern lassen“.

Aus Sicht der Kammer und der Hochschule zieht diese Situation weitere gesellschaftliche und soziale Probleme nach sich. Gerade an Hochschulen studieren viele junge Leute, die als soziale Aufsteiger aus weniger begüterten Familien kommen. Die Region Augsburg hat außerdem vergleichsweise wenige hoch qualifizierte Beschäftigte mit einem entsprechenden Einkommen. Deren Anteil von rund zwölf Prozent ist niedriger als im Bundesdurchschnitt mit rund 16 Prozent und nicht einmal halb so hoch wie in München.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Studienplätze: Der Freistaat ist am Zug

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