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16.08.2019

Giftige Algenart im Mandichosee entdeckt

Landratsamt und Gemeinde haben den Uferbereich des Mandichosees gestern nach dem Fund einer giftigen Blaualgenart gesperrt. Foto: Christina Riedmann-Pooch

Tiere Eine neue Beprobung gab Hinweise auf die mögliche Todesursache von drei Hunden. Der Uferbereich ist gesperrt und soll nun gereinigt werden

Merching Ist eine seltene Algenart im Mandichosee schuld am Tod von drei Hunden? Wie das Landratsamt am Freitag mitteilte, wurde jetzt erstmals nicht nur das Wasser untersucht, sondern auch Treibholz und Pflanzenreste vom Uferbereich. An diesen haftete eine höhere Konzentration der Blaualgenart Tychonema, die ein für Hunde, Enten und Rinder tödliches Nervengift produziert.

Zwar haben die Behörden vor Ort bislang keine Erfahrung mit der Tychonema-Alge, allerdings wurden in Abstimmung zwischen der Gemeinde Merching und dem Landratsamt als Vorsichtsmaßnahme der Ufer-bereich abgesperrt und Hinweistafeln aufgestellt. Der See riecht deutlich – etwas fischig und unangenehm, am Ufer ist es vereinzelt schaumig, wie es bei eutrophierten Seen teilweise zu sehen ist. Bis Anfang nächster Woche werden weitere Erkenntnisse über die Algenart gesammelt. Die Gemeinde Merching befreit in der Zwischenzeit das Ufer von Treibgut und Wasserpflanzen.

Bei Tychonema handelt es sich um eine giftige Blaualgen-Gattung, die nach einem Bericht der Tageszeitung Die Welt im Frühjahr 2017 in Berlin für Aufsehen sorgte. Damals starben innerhalb kurzer Zeit mehrere Hunde aus der Gegend rund um den Tegeler See. Man vermutete wie im Fall des Merchinger Mandichosees einen Hundemörder hinter den rätselhaften Fällen, jemand, der heimlich Giftköder auslegte. Doch die Spuren führten direkt ins Wasser: Alle Hunde hatten im Tegeler See gebadet und dabei unweigerlich Wasser geschluckt. Eine Analyse ergab, dass es mit Tychonema belastet war.

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Für Menschen hat die Alge weniger schwere Folgen, nur Hautreizungen, beim Verschlucken auch Übelkeit und Erbrechen. Kinder sowie empfindliche und geschwächte Erwachsene sollten sich von den Algenteppichen fernhalten, raten Mediziner.

Wie berichtet, waren am vorvergangenen Wochenende zwei Hunde am Mandichosee gestorben. Nach einem Bad zeigten sie starke Krankheitssymptome und wurden sofort versorgt. Doch alle Hilfe kam zu spät, die Tiere konnten nicht mehr gerettet werden. Die Obduktion beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ergab bislang keine Hinweise auf die Todesursache.

Am Mittwoch kam es dann zu einer weiteren Vergiftung. Ein erst 13 Wochen alter Welpe verfiel im Uferbereich in Zuckungen und starb wenige Minuten später. Dieses Tier wird nun ebenfalls untersucht, allerdings in einem anderen Labor. Auch hier liegen noch keine Ergebnisse vor. Ein weiterer Hund zeigte Vergiftungserscheinungen, überlebte aber nach ärztlicher Behandlung. Merchings Bürgermeister Martin Walch hat einstweilen Hundehaltern vom Besuch des Mandichosees abgeraten.

Bei Blaualgen handelt es sich im eigentlichen Sinne nicht um Algen, sondern um Bakterien. Von diesen Cyanobakterien gibt es etwa 2000 Sorten, von denen aber nur wenige gesundheitlich bedenklich sind. Als eine Ursache für ihre explosionsartige Vermehrung besonders bei hohen Temperaturen gilt die ständige Anreicherung des Wassers mit Pflanzennährstoffen wie Phosphor und Stickstoff. Diese Nährstoffe stammen aus der Überdüngung von Äckern, Wiesen und Wäldern sowie durch mangelhaft gereinigte Abwässer. (gth)

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