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Serie, Teil 1

03.01.2019

Gladbachs historischer 12:0-Sieg hat einen historischen Verlierer

Peter Endrulat streckt sich vergebens: Zum elften Mal schlägt der Ball im Dortmunder Netz ein. Im Hintergrund. Torschütze Ewald Lienen.
Bild: imago

"Ein Spiel und seine Geschichte": 1978 gelingt Mönchengladbach der bisher höchste Sieg in der Bundesliga. Für einen Spieler war die Partie dafür besonders bitter

Zehn Tore war Borussia Mönchengladbach am letzten Spieltag der Saison 1977/78 von der Meisterschale entfernt. Wenn alles mit rechten Dingen zuginge, war das auch von diesem wunderbar besetzten Borussen-Ensemble nicht mehr aufzuholen, fiel der Titel an den 1. FC Köln. Später, als Del’Haye, Heynckes, Simonsen & Co. Borussia Dortmund mit dem bis heute geltenden Bundesliga-Rekordergebnis von 12:0 vom Bökelberg geschossen hatten, mochten die Kölner nicht mehr an rechte Dinge glauben.

Ein Eindruck, den auch neutrale Beobachter schon beim Warmlaufen der Gäste gewinnen konnten. Etliche Spieler des Tabellenelften, für den es um nichts mehr ging, sonnten sich an Spielfeldrand auf einer Hochsprungmatte. Nur der Torhüter bereitete sich ernsthaft vor. Peter Endrulat, 23, stand vor seinem sechsten Ligaspiel. Dass es sein Letztes sein würde, ahnte er nicht.

Gladbach beginnt furios. Nach 23 Sekunden trifft Jupp Heynckes zum 1:0. Zur Halbzeit steht es 6:0. Dortmundes Trainer Otto Rehhagel fragt seinen Torhüter, ob er ausgewechselt werden möchte. Endrulat wollte nicht. „Ich wollte den Stammplatz, den ich mir erkämpft hatte, nicht so ohne Weiteres preisgeben“, verriet er später. Dafür musste er einstecken. Nachdem die Kölner beim Absteiger FC St. Pauli lediglich 1:0 in Führung lagen, erhöhten die Gladbacher noch einmal gewaltig den Druck aufs Dortmunder Gehäuse, in dem Endrulat zur Schießbudenfigur geriet.

Endrulat: „Während des Spiels denkst du nur: Ach du lieber Himmel."

„Während des Spiels denkst du nur: ,Ach du lieber Himmel.‘ Andererseits hoffst du, dass von der Mannschaft noch einmal ein Aufbäumen kommt. Aber irgendwann denkst du an gar nichts mehr“, hat der Torhüter später erzählt, als ihm das ständige erinnert werden an das Spiel noch nicht auf die Nerven ging. Am Ende war das 12:0 für Gladbach trotzdem zu wenig gewesen, weil Köln beim FC St. Pauli noch 5:0 gewonnen hatte. Die Schale ging an die Geißböcke. In Dortmund rief das Präsidium des Vereins eine Spielersitzung ein. Jeder, der am Debakel beteiligt war, musst 2000 Mark Wiedergutmachung bezahlen. Otto Rehhagel war entlassen und Endrulats Vertrag nicht verlängert. Seit kurzem trainiert der inzwischen 64-Jährige den hessischen Gruppenligisten TSG Wieseck (7. Liga). Von Erinnerungen an das 0:12 möchte der Einzige, der sich gegen den Untergang gestemmt hat, heute nichts mehr wissen. 41 Jahre später sagt seine Frau am Telefon: „Er mag es einfach nicht mehr hören.“

In dieser Serie erinnern wir an außergewöhnliche Fußballspiele deutscher Mannschaften

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