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Friedberg

28.03.2016

Globetrotter aus Friedberg hat jedes Land der Welt bereist

Dieses Foto zeigt den Friedberger Manfred Harteis im Dzanga-Sangha-Nationalpark in der Zentralafrikanischen Republik. Der 71-Jährige hat 196 Staaten der Welt bereist.
Bild: Harteis

Seit Manfred Harteis von einer Afrikareise zurückkehrte, gibt es kein Land mehr, in dem der Friedberger noch nicht war. Was den Globetrotter antreibt.

Auf dieser langen Liste von Manfred Harteis gibt es keine leere Zeile mehr. Hinter jedem Land, das auf den eng von Hand beschriebenen Seiten aufgeführt ist, steht eine Jahreszahl. Hinter manchen sind sogar ganze Ziffernreihen aufgeführt. Dort ist Harteis mehrmals gewesen. Vor ein paar Jahren hat der Friedberger begonnen, alle Länder aufzulisten, die er besucht hat. Der erste Eintrag lautet: „1945, Region Schwaben, Deutschland“. 71 Jahre später ist die Liste 196 Einträge lang. Mehr Staaten gibt es nicht, Manfred Harteis ist in jedem Land der Erde gewesen.

Im Februar ist Harteis von seiner bislang letzten Reise zurückgekommen. Sie führte ihn zu den Ärmsten der Armen – nach Niger, Südsudan und in die Zentralafrikanische Republik. Es waren die letzten Länder, die auf seiner Liste gefehlt hatten. Die Fotos hat er schon entwickeln lassen, sie schmücken mehrere Seiten des vierten dicken Reise-Ordners. Davor: reihenweise Bilder, Zeitungsartikel und ein Schreiben von der Polizei.

Vor der Reise nach Afghanistan bekam Manfred Harteis Besuch von der Kripo

Die hatte ihn im April 2015 besucht, am Tag vor seinem 70. Geburtstag. Eine Reise nach Eritrea, Somalia und Afghanistan hatte er sich zu diesem Anlass gewünscht. Länder, in denen der Islamismus auf dem Vormarsch ist. Das hatte die Kriminalbeamten aufmerksam gemacht. Sie wollten sehen, wer dorthin zu reisen plant und belehrten Harteis über Gefahren, die ihm dort drohen könnten. Als der Friedberger zurückgekehrt war, lud er die beiden Männer wieder ein, zum Bilder anschauen. „Daraus ist ein freundschaftlicher Kontakt geworden“, erinnert er sich schmunzelnd.

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Anekdoten wie diese kennt Harteis zuhauf, auf seinen Reisen hat er viel erlebt. Harteis ist ein guter Erzähler mit einem guten Gedächtnis. Zu jedem Land hat er auf Anhieb Erlebnisse parat. Während er erzählt, blättert er in den dicken Ordnern und sucht nach Bildern zu seiner Geschichte. In Deutschland arbeitet der 71-Jährige als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. 30 Mitarbeiter hat die Kanzlei, die er mit zwei seiner drei Söhne und zwei weiteren Partnern führt. Nach und nach, sagt Harteis, ziehe er sich aus dem Berufsleben zurück.

Die Neugierde führte Harteis auch auf den Ararat und auf den Kilimandscharo

Es ist die Neugierde, die ihn immer wieder in die Ferne gezogen hat und die ihn an jedem Ort Spannendes entdecken lässt. „Wenn man so eine Einstellung nicht hat, braucht man nicht hinfahren, egal wohin“, sagt Harteis.

Reiselustig war der heute 71-Jährige schon immer. Zwischenzeitlich zog es ihn vor allem in die Höhe. Drei Viertel der Viertausender in den Alpen hat er bestiegen und auch Fünftausender wie den Ararat in der Türkei, den Kilimandscharo in Tansania und Gipfel in Südamerika erklommen. Oft haben ihn seine Söhne begleitet. Bei den meisten Reisen aber war Harteis’ Frau Brigitte mit ihm unterwegs.

Gemeinsam überzeugte das Ehepaar eine nigerianische Botschaftsmitarbeiterin bei einem Vorstellungstermin in Berlin, ein Visum für das afrikanische Land zu bekommen. Gemeinsam fuhren die beiden mit dem bewaffneten Leibwächter Omar in einem Geländewagen durch Somalia. Gemeinsam legten sie unter Aufsicht der Reiseführer Blumen vor die goldenen Statuen der Diktatoren-Dynastie Kim im nordkoreanischen Pjöngjang. Gemeinsam lagen Manfred und Brigitte Harteis nachts in einem Zelt in einem Nationalpark in Malawi und versuchten, die wilden Elefanten vor dem Zelt nicht zu erschrecken.

Wenn man ohne Gepäck durch Afrika reist

Überhaupt: „Die Reise nach Malawi war ein Horrortrip.“ Schon vor dem Abflug von Paris nach Johannesburg hatte man ihn bei der Passkontrolle abgewiesen: Zur Einreise brauche er zwei gegenüberliegende freie Seiten in seinem Pass. Die aber hatte Harteis nicht. Doch weil er als Vielreisender gleich drei Reisepässe besitzt, wusste der Friedberger eine Lösung. Er rief seinen Sohn an und diktierte ihm durchs Telefon den Code für den Tresor. Der Sohn holte einen anderen Pass heraus, flog nach Paris und brachte das Dokument seinem Vater. Einen Tag später als geplant brach das Ehepaar Harteis auf. Da aber waren ihre Taschen bereits an irgendeinem anderen Ort – und Harteis und seine Frau reisten ohne Gepäck durch Afrika.

Dass es ihm überhaupt gelingen kann, wirklich alle Länder der Welt zu besuchen, hat der Friedberger bis vor zwei Jahren nicht für möglich gehalten. Er hatte lediglich den Ehrgeiz, möglichst viele Staaten zu sehen. Bis vor zwei Jahren nämlich hatte es kein Touristenvisum für Afghanistan gegeben. Außerdem hatte Harteis einige Länder in der Südsee für schlicht unerreichbar gehalten – bis er von zwei Kreuzfahrten erfuhr, die ihn in Länder wie Tuvalu, Kiribati und die Marshallinseln brachte. Länder, von denen der Globetrotter geglaubt hatte, er würde sie niemals besuchen können.

Es ist die Natur, die Harteis am stärksten anzieht. Er schwärmt von dem kalbenden Gletscher Perito Moreno in Patagonien genauso wie vom Himalaja. Argentinien, Chile und Bhutan würde er jederzeit wieder besuchen.

Seiner Frau Brigitte fehlen noch drei Länder

193 Staaten sind Mitglied der Vereinten Nationen, dazu kommen Taiwan, Vatikanstadt und das von keinem Land anerkannte Kosovo. Harteis hat in diesen Ländern gute und schlechte Erinnerungen gesammelt. In Afghanistans Hauptstadt kamen bei einem Anschlag drei Tage nach seiner Abreise 14 Menschen ums Leben. In dem Hotel, in dem Harteis wohnte, hatte es im Jahr zuvor einen Anschlag mit zwölf Toten gegeben.

Und bei der Stadtrundfahrt waren überall Militär, Stacheldraht und Scharfschützen auf den Mauern zu sehen. „Da hat man richtig Angst“, bekennt der 71-Jährige. An einen Pygmäen, dem seine Frau und er ein paar Schlappen geschenkt haben, erinnert sich Harteis als den glücklichsten Menschen, den er je getroffen hat. „Er ist uns bis zu unserer Abreise nicht mehr von der Seite gewichen.“

Auch wenn die Liste „abgearbeitet“ ist – allzu schnell wird Manfred Harteis das Reisen nicht aufgeben. Denn seine Frau hat ihn zwar sehr oft begleitet, aber nicht auf alle Reisen. Im April reisen die beiden in den Iran. Danach fehlen Brigitte Harteis nur noch drei Länder: Moldawien, Libanon und Syrien.

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