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Augsburg

22.05.2019

Göggingens große Stunde

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2 Bilder
Keinen Alkohol gab es beim Stadterhebungs-Kindernachmittag in der Festhalle. Dafür Bluna, Würstchen und draußen freie Fahrt im Autoskooter.
Bild: Repro: Heinz Münzenrieder

Vor genau 50 Jahren, am 24. Mai 1969, wurde Göggingen zur Stadt. Es gab ein Goldenes Buch und einen Nymphenburger Löwen. Doch die Freude währte nur drei Jahre

Schöne Geschenke und große Reden gab es vor 50 Jahren beim Festakt anlässlich der Stadterhebung und der 1000-Jahr-Feier Göggingens. Am Pfingstsamstag, 24. Mai 1969, im Kantinensaal der damaligen Zwirnerei und Nähfadenfabrik (ZNFG). Minister Bruno Merk betete die Vorteile der kommunalen Selbstverwaltung rauf und runter, und der Oberbürgermeister der Patenstadt Augsburg, Wolfgang Pepper, sprach gar von einer immerwährenden Freundschaft zwischen dem allerehrwürdigsten Augsburg und dem 1000-jährigen Göggingen. Und der frischgebackene Stadtbürgermeister Karl Mögele durfte vom Herrn Staatsminister neben der schönen Stadterhebungsurkunde einen kostbaren Nymphenburger Löwen als Gastgeschenk entgegennehmen. Etwas bescheidener zeigte sich der Patenonkel, aber immerhin: Es gab ein Goldenes Buch. Dieses war auch nötig. Die Gögginger hatten bislang nämlich nur ein recht zerfleddertes Ehrenkompendium. Doch das Schicksal wollte alles anders: Der Löwe half den Göggingern überhaupt nicht.

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Das Goldene Buch kam nie so richtig zum Einsatz

Auch das Goldene Buch kam nie so richtig zum Einsatz. Derselbe Minister, der mit viel Trara – sogar ein Göggingen-Marsch wurde beim Festakt uraufgeführt – die Marktgemeinde zur Stadt erhob, läutete drei Jahre später das kommunale Totenglöckchen und verfügte deren Einverleibung ins „geliebte“ Augsburg. Dies verstand im Ort an der Singold niemand. Mehr noch: Das Selbstverständnis der Gögginger wurde dadurch arg ramponiert. War man doch die wohl bedeutendste Industriegemeinde des Landes unter den bevölkerungsmäßig vergleichbaren Kommunen. Münchens OB Hans-Jochen Vogel, damals Chef der bayerischen Städte, der beim Festakt die Glückwünsche der kommunalen Familie vortrug, brachte dies so richtig auf den Punkt. Er erfreute alle mit der Aussage, Göggingen sei eine Perle an einem goldenen Zwirn! Dafür hätte er eigentlich seitens der ZNFG ein Marketing-Honorar bekommen müssen. Doch zurück zu den Geschenken: Die recht praktisch gestrickten Gögginger machten sich gleich selbst die schönste Gabe. Zum Auftakt der Festwoche schuf man etwas Bleibendes. Es erfolgte die Grundsteinlegung für die Friedrich-Ebert-Schule. Dies zur selben Zeit, als die Apollo-10-Mission auf dem Weg zum Mond war. Ein zufälliges Zeichen der Untrennbarkeit von Bildung und gesellschaftlichem Fortschritt?

Das Festzelt war während der Pfingstwoche rappelvoll

Natürlich war während der gesamten Pfingstwoche das Festzelt beim Stadion täglich rappelvoll. Schließlich kredenzte dort das Bürgerliche Brauhaus ein eigens dafür kreiertes süffiges Bier. Besonders der fleißige Herr Festwirt war zufrieden. Er konnte – dank der Konsumfreudigkeit der Gögginger und ihrer Gäste – die ursprünglich nur angemietete Festhalle anschließend käuflich erwerben. Und dann gab es am Pfingstmontag den längsten Festzug aller Gögginger Zeiten: Gleich 50 Wagen und Gruppen waren angesagt. Mehr wurden von der gestrengen Auswahlkommission nicht zugelassen. Tausende säumten die geschmückten Straßen und Fenster. Allen voran marschierten die Herren Neustadträte und Ex-Marktgemeinderäte mit den jetzt städtischen Bürgermeistern. Alle frisch herausgeputzt und in dunklen Anzügen. So eine Stadterhebung macht halt schon was her. Sie wussten dabei natürlich nicht, dass diese keine Garantie dafür ist, nicht eingemeindet zu werden.

Der Autor hatte als Gögginger Gemeindeinspektor die damalige Festwoche mit zu organisieren und wurde später Augsburger Stadtdirektor.

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