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17.11.2017

Goethe zu Besuch

Nur zweimal war der Dichter in der Stadt

Eigentlich, so dachte der langjährige Leiter der Augsburger Staats- und Stadtbibliothek, Helmut Gier, war zu Goethe in Augsburg alles gesagt. Schließlich stattete dieser der Stadt nicht mehr als drei Stippvisiten ab, glaubten Heimatforscher bisher. Doch Gier fand jetzt heraus: Der Dichter war sogar nur zweimal hier. Wie Gier auf seinem Vortrag vor der Goethegesellschaft berichtete, stieg Goethe 1788 auf der Rückreise von Rom nicht hier ab. Ein Notizheft seines Dieners über die Ausgaben zeigt, dass er nur in Konstanz und dann erst wieder in Nürnberg Geld ausgab. Um Augsburg machte er in jenem Jahr einen Bogen.

Hier residierte er erst 1790. Drei Nächte im März und zwei im Juni. Logiert wurde im Weißen Lamm und im Drei Mohren. Notizen von Goethe selbst und seinem Diener bestätigen die Besichtigung des Doms und der Ulrichskirche sowie der Fassadenmalereien von Johann Evangelist Holzer in der Maximilianstraße und am Bauerntanz in der Altstadt. „Augsburg war gegen Ende des 18. Jahrhundert immer noch Deutschlands wichtigster Bankenplatz und ein Zentrum der Fassadenmalerei. Goethe wusste das zu schätzen“, erläutert Gier. Als gebürtiger Frankfurter – wo die öffentlichen Ämter anders als im paritätischen Augsburg den Protestanten vorbehalten waren – fühlte er sich zum Katholischen in der „prächtigen“ Reichsstadt am Lech hingezogen. Er notierte, schön sei es auch, als „Heide unter Katholiken“ zu wohnen.

Eine flüchtige Notiz zeigt, dass er auch mit den Augsburger Reformationsfeinden des Jesuitenordens keine Probleme hatte: „Wenn ich eine Spur zu Jesuiten habe, wird mir gleich wohl.“ Dies im Gegensatz zum „Augsburg-Bashing“ der zeitgenössischen Spätaufklärer, deren Reiseberichte Augsburg als jesuitenverseucht, verstaubt und reformunfähig beschrieben.

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