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16.09.2010

Götz von Berlichingen in Augsburg

Das Heilig-Kreuz-Tor war lange Zeit prächtig bemalt. Es diente zeitweise als Gefängnis. Fotos: Sammlung Häußler
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Das Heilig-Kreuz-Tor war lange Zeit prächtig bemalt. Es diente zeitweise als Gefängnis. Fotos: Sammlung Häußler

Innenstadt Die Ecke Heilig-Kreuz-Straße/Am Hafnerberg bildet ein Pavillon, der eine Steintafel trägt: "Hier stand der Kreuz-Thor-thurm. Erbauungszeit 11. Jahrhundert, abgebrochen 1807, in ihm saß Götz von Berlichingen vom 30. November 1528 bis 1. März 1530 gefangen." An den Turm erinnern neben der Tafel nur mehr Bilder und Beschreibungen. Des berühmten Häftlings wird mit einem Relief am Erker des Hauses Heilig-Kreuz-Straße 4 gedacht. Das Augsburger Stadtarchiv verwahrt als "Gedächtnis der Stadt" die dickleibige "Acta: den Ritter Goetz von Berlichingen betr." Inhalt: Briefe, Protokolle und Dokumente aus den Jahren 1519 bis 1530.

VON FRANZ HÄUSSLER

Götz von Berlichingen, Besitzer der Burg Hornberg über dem Neckar und von Schloss Jagsthausen, hat in Augsburg viel geschrieben. Das ist allerdings nur mit Mühe lesbar, denn er musste die Feder mit der linken Hand führen, die rechte ersetzte seit 1504 eine Prothese. Bei der Belagerung von Landshut hatte ihm die Kugel aus einer Feldschlange die rechte Hand abgerissen. Damit wäre eigentlich seine militärische Karriere beendet gewesen. Doch er ließ die verlorene Hand durch eine selbst konstruierte eiserne ersetzen. Das brachte ihm den Beinamen "Ritter mit der eisernen Faust" ein.

Götz von Berlichingen sei ein "kühner und tapferer Ritter" gewesen, heißt es in seiner Biografie. Er kämpfte gegen gute Entlohnung für die Markgrafen von Brandenburg genauso wie für Herzog Albrecht von Bayern, in dessen Diensten er 1504 eine Hand verlor. Dieses Handicap hinderte ihn nicht, sich weiterhin mit Rittern am Kocher, mit der Stadt Köln, dem Bischof von Bamberg und der Reichsstadt Nürnberg anzulegen. 1512 erstmals für vogelfrei erklärt, konnte sich Berlichingen durch Wiedergutmachung und beschworenen Verzicht auf Gewalt aus der Acht lösen. Diesen Schwur vergaß er schnell. 1516 war er wieder in Feindseligkeiten verwickelt und wurde bei Möckmühl gefangen genommen. Adelige Freunde retteten seinen Kopf und bewirkten die Freilassung nach dreieinhalbjähriger Gefangenschaft.

Er kam als freier Mann, wenn auch nicht freiwillig

Am 30. November 1528 traf Götz von Berlichingen im Geleit von 30 Reitern in Augsburg ein und wurde im Torturm bei Heilig Kreuz "in festen Gewahrsam gebracht". Er kam zwar als freier Mann, aber nicht ganz freiwillig, musste er doch endlich das 1527 gegebene Versprechen einlösen, sich einer Untersuchungskommission des Schwäbischen Bundes zu stellen. In Augsburg klagte man Berlichingen vor allem des Bruchs seiner 1522 in Heilbronn beeideten Urfehde und seiner etwa vierwöchigen Beteiligung am Bauernkrieg anno 1525 an. Er war vier Wochen lang Hauptmann der aufständischen Bauern gewesen.

Der Prozess zog sich für den unruhigen Kämpfer allzu lange hin. Er floh am Morgen des 1. April 1529 aus dem Heilig-Kreuz-Torthurm. "In einem Wams-Hemd ist er aus dem Thurm entrunnen und hat nit gewußt wonaus und ist in einer armen Wittwen, einer Weberin, Haus kommen, die hat ihn verborgen. Da hat man ihn gesucht und zuletzt gefunden, da hat man ihn in noch härter Gefängniß gefangen gelegt." So schildert ein Zeitgenosse diesen Fluchtversuch.

Urfehde umfasst neun Punkte

Der Haudegen hatte viele adelige Freunde - allesamt mehr raue Soldatenführer als Edelleute. Deren intensive Freilassungsbemühungen blieben bei den fünf Bundesrichtern nicht ohne Widerhall. Sie einigten sich auf eine neun Punkte umfassende "Urfehde": 15 Bürgen für 25 000 Gulden Bürgschaft bei Bruch der Urfehde waren beizubringen, Schäden wiedergutzumachen, auf Rache und Gewalttätigkeit zu verzichten, sich sofort auf seine Burg Hornberg zu begeben, nie mehr in seinem Leben seine Hofmarksgrenzen zu überschreiten, nie mehr ein Pferd zu besteigen …

"Und Ich Götz von Berlichingen bekenne, dass Ich alles das in diesem Brieff geschrieben, angenommen, darauff gelopt und geschworn hab", ist unter dem Dokument zu lesen. Der 50 Jahre alte Ritter durfte nach dem Eid am 5. März 1530 im Geleit seiner Verwandten die Reichsstadt Augsburg verlassen.

Er hielt sich diesmal an den Schwur. 1541 begnadigte ihn Kaiser Karl V., weil er ihn für Feldzüge gegen die Türken und 1544 gegen Frankreich brauchte. Auch diese Kämpfe überlebte er. Götz von Berlichingen starb nicht durch Kugel oder Schwert, sondern als 82-Jähriger am 23. Juli 1562 auf seiner Hornburg. Im Kloster Schönthal bei Jagsthausen ist er beigesetzt.

Eine Lebensbeschreibung erschien 1731 im Druck. Sie diente 1773 Johann Wolfgang von Goethe als Vorlage für das auch im Sommer 2010 im Schlosshof von Jagsthausen aufgeführte Schauspiel "Götz von Berlichingen".

Dort wurde auch heuer vom Publikum der berühmt-berüchtigte Ruf "Sag ihm, er soll mich …" stets in atemloser Stille erwartet und beklatscht.

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