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Augsburg

10.10.2016

Grabhügel aus der Bronzezeit in Haunstetten entdeckt

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Johannes Litzel hat an der Ausgrabungsstätte einiges zutage gebracht. Das Areal ist 11.000 Quadratmeter groß.
Bild: Silvio Wyszengrad

In der Nähe des Technologiezentrums in Haunstetten wurden mehrere Grabhügel entdeckt. Die Beigaben lassen für die Experten Rückschlüsse zu.

Ötzi ist schon über 1500 Jahre tot, die Pyramiden von Gizeh stehen seit tausend Jahren, Tutanchamun regiert als Pharao in Ägypten und südlich von Augsburg, das noch gar nicht gegründet ist, siedeln Menschen auf einer fruchtbaren Ebene zwischen Wertach und Lech. Ihre Hütten sind einfache, auf Pflöcken gegründete Holzhäuser – gebaut für 30, 40 Jahre. Danach, wenn der Boden der Umgebung durch landwirtschaftliche Nutzung ausgelaugt ist, ziehen die Familien weiter; einige hundert Meter nur, um neues Land zu roden und neue Häuser zu bauen.

11.000 Quadratmeter großes Areal

Überreste solcher Siedlungen aus der Bronzezeit – also aus der Zeit um 2200 bis 800 vor Christus – fanden Archäologen in den vergangenen Jahren an vielen Stellen südlich von Augsburg. Was sie aktuell bei Grabungen in der Nähe des Technologiezentrums ans Licht brachten, ist dennoch besonders: Auf dem rund 11000 Quadratmeter großen Areal stießen sie auf sieben Grabhügel und über 20 Gräber. „Aus der Epoche um 1500 vor Christus, also aus der mittleren Bronzezeit, hatten wir bislang nur wenige Gräber dokumentiert“, sagt Sebastian Gairhos, Leiter der Augsburger Stadtarchäologie. Auch eine Konzentration so vieler Grabhügel auf einer solch kleinen Fläche sei neu. „Für uns sind diese Funde besonders wertvoll, da sie die Lücken im Wissen um unsere Besiedlungsgeschichte relativ gut schließen.“

Zwischen den Spuren der Siedlungen und den Bestattungen, die auf dem Gelände nahe beieinander liegen, liegen zeitlich gesehen rund 300 bis 400 Jahre. Die Gebäude entstanden laut Gairhos wohl zwischen 1200 und 1000 vor Christus. Ob die Menschen damals wussten, dass sie ihre Hütten auf einem ehemaligen Friedhof errichten, ist fraglich. Gut möglich, dass die Grabhügel durch Landwirtschaft und Erosion damals bereits so stark abgetragen waren, dass die Menschen sie nicht mehr als solche erkennen konnten. Von den Häusern ist laut Gairhos auch nicht mehr viel zu sehen; lediglich die Pflöcke, die als Gründung dienten und den Grundriss erahnen lassen, lassen sich heute noch nachweisen.

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Hügelgräber nahe des Technologiezentrums
21 Bilder
Was in der Bronzezeit alles mit ins Grab kam
Bild: Silvio Wyszengrad

20 Körpergräber gefunden

Anders sieht es bei den Gräbern aus. An 20 Stellen stießen die Archäologen auf Körpergräber mit Überresten von Skeletten. Durch die Bodenbeschaffenheit – die Gräber liegen in einem Kiesfeld – ist zwar der Großteil der Knochen zersetzt. „Wir haben kein Skelett, das wir komplett zusammensetzen könnten“, sagt Archäologe Stefan Sandbichler, der die Grabungen leitete. Doch die Experten fanden zahlreiche Grabbeigaben, die sogar Rückschlüsse auf die einstigen Handelsbeziehungen zulassen. Ein Beispiel: ein kleines, aber relativ schweres Beil aus Bronze, das an der Seite eines Skeletts im Boden lag. „Bronze war damals sehr wertvoll“, sagt Gairhos und erklärt, warum: Weder Kupfer noch das Zinn für die Legierung gab es in unserer Region. „Das Kupfer wurde wohl in Tirol abgebaut, das Zinn könnte aus Cornwall gekommen sein.“ Schwer vorstellbar, was solche Distanzen für die Menschen der mittleren und späten Bronzezeit bedeuteten.

Ebenso interessant ist ein weiterer Fund: zwei etwa 20 Zentimeter lange Nadeln, ebenfalls aus Bronze, die zum Zusammenhalten der Gewänder dienten. „Als wir sie aus dem Boden holten, glänzten sie, als wären sie bereits beim Restaurator gewesen“, wundert sich Gairhos. Die Legierung muss wohl besonders gut gewesen sein, die Jahrtausende im Boden konnten den Schmuckstücken so fast nichts anhaben.

Auch über Sitten und Gebräuche sagen die Gräber einiges aus. Die Köpfe der Toten liegen fast immer nach Süden ausgerichtet, die Leichen der Menschen, die im Leben eng verbunden waren, liegen auch im Grab Seite an Seite. Beigaben wurden fast immer an derselben Stelle abgelegt; die Nadeln, die die Gewänder hielten, finden sich häufig neben dem Kopf. „Für Grabräuberei war die Sache damals relativ einfach. Sie wussten genau, an welcher Stelle sie graben müssen, um fündig zu werden“, sagt Gairhos.

300 Jahre nach den Körpergräbern und Grabhügeln haben sich die Bestattungsriten verändert. Die Toten werden jetzt mit Schmuck und Speiseopfern auf dem Scheiterhaufen verbrannt, die Asche danach in ein Grab verteilt. Es ist der Übergang vom Körper- zum Urnengrab. Auch dieser Wandel lässt sich im Süden Augsburgs gut nachvollziehen.

Wissenschaftliche Untersuchung folgt

Die Funde aus den Gräberfeldern der mittleren Bronzezeit sollen bald wissenschaftlich untersucht werden: Skelette werden auf Geschlecht und mögliche Krankheiten untersucht, Keramikgefäße und Schmuck gesäubert und restauriert. Wenn die Stadtarchäologie erst aufs AKS-Gelände umgezogen ist, könnten besondere Funde wie die glänzenden Bronzenadeln ausgestellt werden. Was den Umzug betrifft, ist Gairhos zuversichtlich: „Wir können im Frühjahr mit den Umzügen beginnen.“ Auf dem Gelände, von dem die Funde stammen, baut demnächst das Fraunhofer-Institut ein neues Forschungsgebäude.

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