Kulturkreis I

11.07.2013

Gravierender Umbruch

In diesem Buch wurden Ein- und Abgänge aus der Milchproduktion eines Betriebes akribisch erfasst.
Bild: Jutta Goßner

Gesprächsabend beschäftigt sich mit der Haunstetter Milchwirtschaft vor 100 Jahren

Haunstetten „Milchwirtschaft – Damals in Haunstetten“, so lautete der Gesprächsabend, bei dem Kulturkreisvorsitzende Jutta Goßner neue Archivalien aus dem Kulturkreis- Archiv vorstellte.

Es sind die originalen Hauptjournale der 1925 gegründeten Milchverwertungsgenossenschaft Haun-stetten e.G.m.u.H. von 1925 bis 1944 und die Milchauszahlungsbücher von 1936 bis 1972. Sie wurden vom Landwirt Andreas Brem dem Kulturkreisarchiv überlassen.

Wer die treibende Kraft hinter der Gründung der Genossenschaft war, ist nicht ersichtlich. Zuhörer vermuten, dass es wohl von Mitgliedern des Raiffeisenverbandes ausging. Ziel der Genossenschaft war es, die Einnahmen der Milchbauern zu erhöhen. Die Einwohnerschaft betrug damals ca. 3000 Personen.

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Im Entstehungsjahr 1925, in den für die Milchwirtschaft harten Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg, zählte die Genossenschaft Haunstetten 68 Mitglieder, 1. Vorstand war Martin Fiehl und 2. Lorenz Girstenbrei; den Aufsichtsrat bildeten Anton Miller und Sebastian Zerle. Es ist auch nicht ersichtlich, ob alle Haunstetter Bauern mit Milchvieh Mitglied der Genossenschaft waren. 1926 kommen im Vorstand Igaz Armbruster und als Aufsichtsrat Martin Eberle dazu.

Lieferungen müssen mit Unterschrift bestätigt werden

Interessant sind auch Zahlen und Namen der Milch einliefernden Bauern, die handschriftlich und akribisch im Milchauszahlungsbuch aufgeführt werden. Vom 1. bis 15. Dezember 1939 waren dies 65 Namen. Jeder musste die Einlieferung im Milchauszahlungsbuch mit seiner Unterschrift bestätigen. Der Milch-Grundpreis belief sich im Dezember 1939 auf 15 Reichspfennig pro Liter. Die Größenordnung schwankte von unter hundert bis etwas über 1000 Liter.

Die Milchsammelstelle mit zweimal täglicher Anlieferung (morgens um etwa 5:30 Uhr und abends etwa 18:00 Uhr) befand sich zuerst in der Angerstraße, dann im genossenschaftseigenen Gebäude in der Martinistraße. Beide Gebäude sind längst abgerissen und neu bebaut.

Im Jahr 1972 gab es nur noch 16 anliefernde Milchbauern.

1980 wurde die Milchsammelstelle geschlossen, die Gesellschaft aufgelöst und die restlichen sieben Lieferanten wurden Mitglieder der CEMA eG Augsburg. Seit 2011 gibt es keine Milchbauern mehr in Haunstetten. Die Letzten waren Walter und Luise Miller. Haunsteten hat jetzt ca. 27000 Einwohner.

Im Hauptjournal sind die Beträge nach Soll und Haben aufgezählt, so u.a. das jeweilige monatliche Milchgeld, Beiträge zu Verbänden und Versicherungen, die Einlagen der Mitglieder oder Reparaturkosten für beispielsweise einen Ofen.

Eine Besucherin stellte fest: „Es ist interessant, wie gravierend der wirtschaftliche Umbruch der Milch- und Landwirtschaft in nur knapp 90 Jahren war – sicher nicht nur in Haunstetten.“

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