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Augsburg

17.02.2015

Grippe und Erkältung: Die Wartezimmer sind voll

Die Grippewelle lässt in Augsburg die Zahl der Krankmeldungen steigen. Was für eine schnelle Genesung hilfreich ist, erklären Ärzte. Symbolbild.
Bild: Patrick Lux, dpa

In Schulen und Betrieben bleiben aktuell zehn Prozent der Plätze leer. Medikamente gegen die Infektion verlängern oft die Krankheit, statt sie wirksam zu bekämpfen, sagt ein Arzt.

In der Region ist die Spitze der Grippewelle erreicht. Davon geht Dr. Kurt Reising, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes, aus. Die Wartezimmer der Ärzte sind voll mit schniefenden und hustenden Patienten. Am Arbeitsplatz, in Schulen und Kindergärten wurden in den vergangenen Tagen und Wochen viele Menschen krank gemeldet. Auch das Klinikum Augsburg meldet deutlich erhöhte Fallzahlen in der Notaufnahme.

Hohe Krankenstände in Schulen, Kindergärten und Firmen

„Neben den typischen notfallmedizinischen Patienten steigt durch die zunehmende Ausbreitung der Influenza auch die Anzahl der Patienten, die mit entsprechenden Symptomen zu uns kommen. Vor allem Patienten, die bereits an Vorerkrankungen leiden, aber auch junge und ältere Menschen sind von diesen Infekten betroffen. Genauso wie die Patienten von der Influenza betroffen sind, erkranken auch unsere Mitarbeiter daran“, sagt Chefarzt Dr. Markus Wehler, der zuständig für die Notaufnahme des Klinikums ist.

Allein bei den Augsburger Stadtwerken waren vergangen Woche 180 der 1800 Mitarbeiter krank gemeldet. Sprecherin Stephanie Lermen sprach zwar von einem „ungewöhnlich hohen Krankenstand“, der Betrieb von Bussen und Straßenbahnen konnte aber ohne Einschränkungen aufrecht erhalten werden.

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Am Königsbrunner Gymnasium gab es ebenfalls hohe Krankenstände: Dort fehlten vergangene Woche 100 der 1400 Schüler. An der Konradin-Realschule in Friedberg wurden 95 der 820 Schüler krank gemeldet. Im Kindergarten in Gabelbach, einem Ortsteil von Zusmarshausen, blieben von der Gruppe der „Kleinen Strolche“ die Hälfte der 26 Mädchen und Buben zu Hause.

Grippe-Impfstoff ist einziger Vorab-Schutz

Auch im Klinikum, einem der größten Arbeitgeber der Region, haben sich seit Mitte Januar die Anzahl der Grippe- und Erkältungskrankheiten von Mitarbeitern erhöht, so die Leitende Betriebsärztin Maria-Luise Schrömer. „Wir sind aber nicht extrem gebeutelt. Als Vorkehrung bieten wir unseren Mitarbeitern an, sich impfen zu lassen. Das wird sehr gut angekommen“, sagt sie.

Internist Reising betont: „Grippe und Grippe darf nicht zusammengeworfen werden.“ Zum einem gebe es die Influenza, die schwere Grippe, die eine akute virale Infektionskrankheit sei. Gegen drei bis vier dieser Virenstämme gebe es einen Impfstoff. „Man kann sich nicht hundertprozentig schützen. Doch mit dem diesjährigen Grippeimpfstoff schätzt das Robert-Koch-Institut, dass 60 bis 80 Prozent der geimpften Personen geschützt sind“, sagt Betriebsärztin Schrömer. Der diesjährige Grippe-Impfstoff steht in der Kritik. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte im Januar bestätigt, dass sich Unterschiede zwischen Impfstoff und Erregern des Subtyps andeuten. Es müsse deshalb mit einer reduzierten Impfwirkung gerechnet werden – dennoch ist es der einzige mögliche Vorabschutz.

Jetzt noch impfen? Wirkung erst nach zwei Wochen

Neben der Influenza gibt es die schweren Erkältungskrankheiten, die grippalen Infekte. „Viele Patienten sind enttäuscht, wenn sie dagegen kein Antibiotikum verschrieben bekommen. Dabei beruhen diese Erkältungskrankheiten auch auf Viren und dagegen hilft kein Medikament“, so Reising. Ein Antibiotikum könne nur helfen, wenn sich zur Influenza noch eine bakterielle Infektion geselle.

Ob mit oder ohne Medikament vergehe ein grippaler Infekt gleich schnell, so Reising. Grippemittel würde er deswegen am liebsten gleich auf die „rote Liste“ setzen. Sie könnten den Kranken nur eine „kosmetische Verbesserung“ vorgaukeln. Was hilft, ist Wärme: Ein heißes Bad und dicke Decken, damit der Patient richtig ins Schwitzen kommt. „Grippe-Präparate senken vielleicht die Temperatur. Sie helfen einem aber nicht, sondern verlängern nur die Erkrankung“, so Reising. Es gelte Ruhe zu bewahren, viel Tee und selbstgepresste Obst- und Gemüsesäfte zu trinken. „Im Zweifel soll man auch einfach einmal einen Tag länger zu Hause bleiben, damit man nicht auch noch jemanden ansteckt“, rät der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes. Klinikums-Betriebsärztin Schrömer fügt hinzu: „Wer sich noch impfen lässt, sollte bedenken, dass der Impfstoff zwei Wochen braucht, bis er wirkt.“

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