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Augsburger Geschichte

05.05.2017

Grottenau-Gebäude wird Mozart-Zentrum

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4 Bilder
Die einstige imposante, überglaste Schalterhalle ist nach dem Auszug der Postbank völlig leergeräumt. Die lichte Halle ist als Konzertsaal des Leopold-Mozart-Zentrums bereits gut vorstellbar.
Bild: Franz Häußler

Der Umbau hat begonnen. Die Schalterhalle ist ein akustisch idealer Konzertsaal. 2020 sollen die Räume für Musikstudenten und Dozenten fertig sein.

 Im Jahr 2011 kaufte die Stadt das Postgebäude an der Grottenau. Der Baukomplex mit fast 14000 Quadratmetern nutzbarer Fläche war damals zur Unterbringung von Verwaltungsdienststellen vorgesehen. Es sollte lediglich eine optische Sanierung des Postgebäudes erfolgen. 2012 gab es neue Überlegungen: Der Stadtrat ließ prüfen, ob in dem gewaltigen Gebäudekomplex neben städtischen Dienststellen auch das Leopold-Mozart-Zentrum unterzubringen wäre. Es folgte eine entsprechende Vorplanung und eine grobe Kostenschätzung. Sie belief sich auf 16,5 Millionen Euro. 2013 bekam der Stadtrat die Pläne und die Schätzung vorgelegt.

22,3 Millionen Euro

Zu diesem Zeitpunkt war die Postbank noch nicht zum Auszug aus der Schalterhalle bereit. Sie wäre der ideale Konzertsaal für das Mozart-Zentrum gewesen. Als Alternative wurde ein Musiksaal auf dem Dach geplant. 2015 kündigte die Postbank das Mietverhältnis zum 31. März 2017. Nun war für die Planer die Wunschlösung realisierbar: Die Schalterhalle wird zum Konzertsaal. Auf dieser Basis wurde umgeplant und kalkuliert. Es ergab sich die jetzt gültige Kostenberechnung von 22,3 Millionen Euro für den Gesamtumbau. Er erfolgt unter der Regie der Wohnbaugruppe Augsburg Entwickeln (bislang AGS). Die elf Meter hohe überglaste Halle mit einer Grundfläche von 16 mal 17 Metern ist der zentrale Raum des Hauptgebäudes. Sie verfüge über eine gute Akustik, stellten Fachleute fest – die Voraussetzung für einen Konzertsaal. Die Denkmalschützer haben bei der Umgestaltung ein gewichtiges Wort mitzureden. Das originale Glasdach wurde zwar 1944 zerstört, doch es gibt noch zahlreiche Wandreliefs und Gitter. Noch vorhandene originale Bausubstanz wird restauriert, Rekonstruktionen jedoch sollen unterbleiben.

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Die Hoffnung, dass zwei von August Brandes 1910 geschaffene Wandgemälde in der Halle nur übertüncht wurden, hat sich bei Befunduntersuchungen nicht erfüllt. Die Bilder wurden offenbar abgeschlagen. Nur auf Fotos sind sie dokumentiert. Ein Bild zeigte den Hof des Vorgängerbaus, in den anno 1756 die Taxis-Post eingezogen war. 1808 übernahm das Königreich Bayern vom Regensburger Fürstenhaus das Postmonopol und das alte Postgebäude an der Grottenau.

Zum Abbruch freigegeben

Schon vor 1900 genügte das aus dem 17. Jahrhundert stammende Bauwerk dem gestiegenen Postverkehr und technischen Neuerungen nicht mehr. Als Ersatz kam nur ein Neubau in Frage. Am 14. Dezember 1903 genehmigte die bayerische Regierung den Voranschlag für das neue „Oberpostamt“. 1,666 Millionen Goldmark sollte der mächtige Baukomplex kosten. Dafür reichte die Grundfläche des alten Postbaus bei Weitem nicht aus. Die Stadt gab das benachbarte protestantische Schulhaus zum Abbruch frei, weitere Nachbaranwesen kamen aus Privatbesitz dazu. Am 25. Oktober 1905 begannen die Abbrucharbeiten. Der Postbetrieb musste weiterlaufen, sodass Abbruch und Neubau in Etappen erfolgten.

Vom 6. Juli bis Ende Oktober 1906 unterbrach ein Streik der Maurer die Arbeiten. Im Winter 1907/08 konnte der erste Bauabschnitt bezogen werden. Zu Pfingsten 1908 nahm die Telefonvermittlung ihren Betrieb auf. Im dritten Stockwerk saßen in Sälen mit großen Fenstern rund um die Uhr „Fräulein vom Amt“ vor den Umsteckschränken. Sie vermittelten jedes Telefonat von Hand. Das Rückgebäude enthielt Dienstwohnungen für den Oberpostdirektor, den Wagenmeister, den „Telephon-Oberwerkführer“ sowie den „Telegraphen-Obermaschinisten“. Sie mussten rund um die Uhr rufbereit sein.

Fortuna und Merkur

1914 wird die „Königliche Oberpostdirektion“ beschrieben: „Interessanter moderner Barockbau nach Entwürfen des Kgl. Bayer. Ministerialrates Hans Wicklein. Die Fassade weist plastischen Schmuck am Balkon über dem Hauptportal, am Erkerfuß und im Giebelfeld auf; im Posthof hübscher Brunnen, im Vestibül zwei überlebensgroße Bronzefiguren Fortuna und Merkur; in der Schalterhalle hübsche Fresken von August Brandes.“ Brunnen, Bronzen, Balkon- und Erkerschmuck sind noch erhalten.

Die Säle der Telefonvermittlung und der Telegraphen-Abteilung wurden nach der Automatisierung durch Zwischenwände unterteilt. Diese Mauern werden beim Umbau entfernt. Das Leopold-Mozart-Zentrum wird über großzügige Übungs- und Proberäume verfügen. Bis zum Jahr 2020 werden sich allerdings Dozenten und Studenten gedulden müssen. So lange dauert voraussichtlich die Umgestaltung der Grottenau-Post zum Leopold-Mozart-Zentrum und zum städtischen Verwaltungsbau. Dann wird wohl auf der Baugeschichte-Inschrift im künftigen Konzertsaal die jetzige Umbauaktion hinzugefügt.

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