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Augsburg

21.05.2015

Grünen-Chef Strobel nimmt Wahl nicht an und hört auf

Matthias Strobel

Parteien Der 34-Jährige vermisst den nötigen Rückhalt für ein vertrauensvolle Zusammenarbeit

Von Michael Hörmann

Matthias Strobel ist nicht länger Parteivorsitzender der Augsburger Grünen. Das wäre vielleicht nicht bemerkenswert, wenn es nicht besondere Umstände bei den Neuwahlen gegeben hätte. Die Mehrheit der Mitglieder hatte Strobel zwar das Vertrauen ausgesprochen, doch die Vielzahl der Nein-Stimmen bewogen Strobel zu einem ungewöhnlichen Schritt. „Ich nehme die Wahl nicht an“, sagte er den verdutzten Mitgliedern. Strobel erhielt 27 Ja-Stimmen bei 15 Nein-Stimmen.

Führungslos an der Spitze sind die Grünen damit nicht. Marianne Weiß wurde im Amt bestätigt. Ihr Ergebnis: 32 Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen. Bei den Grünen gibt es die Aufteilung, dass die Führung mit einer Frau und einem Mann besetzt ist, die kein Mandat haben, also nicht im Stadtrat, Bezirkstag, Landtag oder Bundestag sitzen. Die Position des männlichen Vorsitzenden, der bei den Grünen den Titel „Sprecher“ hat, ist vorerst verwaist. Bei der nächsten Versammlung muss dann nochmals gewählt werden.

Am Tag danach sagt Strobel, der sechs Jahre lang an der Parteispitze gestanden hatte, zu seinen Beweggründen: „Es war zunächst ein Bauchgefühl, das mich zu diesem ungewöhnlichen Schritt getrieben hat. Aber ich sah keine Grundlage mehr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.“ Er stehe zu diesem Schritt, auch nach einer Nacht, die er darüber geschlafen habe. Ein Zurück, also eine erneute Kandidatur, werde es nicht geben. Der Partei bleibt der 34-Jährige treu, Strobel arbeitet im Wahlkreisbüro der Bundestagsabgeordneten Claudia Roth. Strobel hatte in seiner Bewerbungsrede vor der Wahl Dinge angesprochen, die aus seiner Warte bei den Augsburger Grünen im argen liegen. Es werde zu wenig über Inhalte diskutiert, sagt Strobel, „teils wird dann aus dem Hintergrund geschossen“. Ausschlaggebend für seine Entscheidung, die Wahl nicht anzunehmen, sei auch gewesen, dass in der Aussprache keine Kritik geäußert wurde. Strobel sagte am Donnerstag: „Ich sehe mich als Vorsitzender nicht als unersetzlich. Ich will auch gar nicht bewerten, ob mein persönliches Ergebnis nun gut oder schlecht ist. Aber ich erwarte, dass die Kritiker nun selbst in die Verantwortung gehen.“ Die Personalie zeigt, dass es bei den Grünen rumort. Parteiintern gibt es nach wie vor Kritiker, die die Regierungsbeteiligung der Partei im Augsburger Rathaus ablehnen. Auch die Debatte um Fusion der Stadtwerke hat Gräben aufgerissen. Strobel gilt als grüner Politiker, der sich sowohl für die Regierungsbeteiligung eingesetzt hat als auch für einen abgewogenen Kurs in der Fusionsfrage. Strobel wird dem Lager von Umweltreferent Reiner Erben und der Fraktionsvorsitzenden Martina Wild zugerechnet. Das strikte Nein der Basis zur Fusion, das bei einer Versammlung im April ausgesprochen hatte, war nicht im Sinn von Strobel, Wild und Erben. Das ist bekannt. Sie hätten es lieber gesehen, wenn die Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt gefallen wäre – mit dann womöglich einem anderen Ausgang.

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