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Augsburger Geschichte

02.11.2018

Grüße aus Augsburg, die noch per Post kamen

Oben: Die erste bunte Postkarte mit dem Steinernen Mann erschien 1898. Er stand damals noch an einer Hausecke am Pulvergässchen. Mitte: Der Gruß vom Ausflug zum Hochablass kam in Augsburg oftmals noch am selben Tag mit der Abendpost beim Empfänger an. Unten: 1907 wurde diese Karte mit den winzigen Abbildungen Augsburger Kasernen und des Garnisonslazaretts versandt.
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Oben: Die erste bunte Postkarte mit dem Steinernen Mann erschien 1898. Er stand damals noch an einer Hausecke am Pulvergässchen. Mitte: Der Gruß vom Ausflug zum Hochablass kam in Augsburg oftmals noch am selben Tag mit der Abendpost beim Empfänger an. Unten: 1907 wurde diese Karte mit den winzigen Abbildungen Augsburger Kasernen und des Garnisonslazaretts versandt.
Bild: Sammlung Häußler

Vor 140 Jahren erschien die erste Augsburg-Karte. Einige gelten heute als wichtige historische Bilddokumente der Geschichte Augsburgs.

Aktuelle Bilder verschickt man heute unmittelbar nach der Aufnahme per Smartphone mit ein paar Berührungen des Touchscreens. In Echtzeit ist das Foto beim Empfänger. Dagegen hat das Versenden einer Postkarte zeitlich keine Chance. Trotzdem – oder gerade deswegen – sind alte Ansichtskarten geschätzt und Sammelobjekte. Im Internet werden Tausende Karten mit Augsburg-Motiven Händlern angeboten. Wie viele davon verkauft werden, bleibt allerdings im Dunkeln.

Unsere Vorfahren verschickten jedenfalls massenhaft Bildpostkarten. Eine erkleckliche Anzahl davon ist in Sammlungen archiviert. Die Rückblende in die Zeit, als die Karten gekauft wurden, macht klar, wie sehr die Menschen zeitweise von Ansichtskarten fasziniert waren. Das erhaltene vielfältige Angebot historischer Karten belegt, wie groß das Sortiment war, das Augsburger Verlage und überregionale Hersteller vor 100 und mehr Jahren auf den Markt brachten.

Das Geburtsdatum der „Correspondenz-Karte“ – so lautete der ursprüngliche Name der Postkarte – ist in Österreich der 1. Oktober 1869. Zum 1. Juni 1870 zogen das Königreich Bayern und andere deutsche Staaten nach. Doch ein Bild war auf diesen frühen Karten noch nicht erlaubt. Die Correspondenz-Karten waren lediglich für die Korrespondenz (Mitteilungen) gedacht. Sie waren für jedermann lesbar. Dagegen versuchten sich Schreiber durch Verschlüsselung oder durch Steno zu schützen.

Grüße aus Augsburg, die noch per Post kamen

Datenschutz, wie er früher war

Die ersten Serien enthielten Anweisungen für die Benutzung dieser neuen ungeschützten Kommunikationsmöglichkeit. Das war Datenschutz anno 1870! Am gründlichsten nahm es die Postbürokratie im Königreich Bayern: Sie benötigte 27 Zeilen für „Bemerkungen für den Gebrauch der Correspondenz-Karte“. Beschreibbar war bis 1905 nur eine Seite. Die andere Seite blieb ausschließlich postalischen Zwecken vorbehalten.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 stellte die kostenfrei beförderte „Feldpost-Correspondenzkarte“ die Verbindung zwischen Front und Heimat dar. Über 10 Millionen Feldpostkarten wurden versandt. Am 1. Juli 1872 bekam die Correspondenz-Karte im Deutschen Reich die Bezeichnung Postkarte. Einige Zahlen: 1875 wurden in deutschen Staaten 62 Millionen befördert. 1876 waren es 82 Millionen, 1877 schon 98 Millionen und 1879 über 122 Millionen Postkarten.

99,9 Prozent der Karten waren zu diesem Zeitpunkt ohne Bildschmuck. Firmen bedienten sich massenweise dieser preiswerten und schnellen Möglichkeit für Kurzmitteilungen, Bestellungen und Ähnliches. Privatpersonen griffen verstärkt zur Postkarte, als sie ein Bild trug und damit zur Ansichtskarte geworden war. Offiziell durften ab 1885 Bildpostkarten hergestellt werden. Doch schon Jahre zuvor gab es solche Karten vereinzelt zu kaufen.

Die erste bekannte Augsburg-Ansichtskarte stammt aus dem Jahr 1878. Unmittelbar nach der offiziellen postamtlichen Zulassung 1885 nahm die Anzahl der Augsburg-Motive erst mal zögerlich zu. Die Bilder waren lange Zeit klein, da nur der Restraum auf der Bildseite für Mitteilungen genutzt werden durfte. Trotzdem boomte ab etwa 1895 das Ansichtskarten-Geschäft. Zu welchem Aufschwung Bilder verhalfen, belegen Zahlen: Im Jahr 1900 ergab eine einwöchige Zählung, dass 46 Prozent der beförderten Karten Bildpostkarten waren. Pro Tag wurden 1900 im Deutschen Reich 1,5 Millionen Postkarten zugestellt – insgesamt 955 Millionen in diesem Jahr.

Vielfalt der Techniken

Im Jahr 1900 betrug der bayerische Anteil 78,4 Millionen. 1903 registrierte die königlich-bayerische Post bereits 120,3 Millionen Postkarten. Davon war die Hälfte bebildert. Zu dieser Zeit gab es längst Ansichtskarten für jeden Geschmack und Geldbeutel – von der preiswerten Schwarz-Weiß-Karte bis zur geprägten Lithografie, gedruckt mit bis zu zwölf Farben. Die Vielfalt der Herstellungstechniken hielt 20 Jahre an. Das Angebot an Ansichtskarten von Augsburg war riesig. Dazu kamen Weihnachts- und Neujahrskarten, Geburtstags- und Namenstagskarten und anderes mehr. Bunte Karten waren besonders gefragt. Bilder in Zeitungen waren schwarz-weiß und im Druck meist recht unvollkommen. Da begeisterten Echtfoto-Postkarten sowie bunte Motive. Sie wurden massenhaft gekauft, versandt und gesammelt. Davon zeugen dicke Postkarten-Sammelalben aus Familienbesitz.

Der große Ansichtskarten-Boom dauerte etwa 20 Jahre und ebbte mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 ab. Teure Herstellungsverfahren wie Mehrfarbendruck und Prägungen galten nun als zu luxuriös. Soldaten durften ihre als „Feldpost“ gekennzeichneten Karten ohne Briefmarke einwerfen. Ein Großteil der von ihnen beschriebenen Karten war mit einem Bild versehen. So sind Augsburger Kasernen und die zwischen 1915 und 1920 zu Reserve-Lazaretten umfunktionierten Schulen dank der von Verwundeten versandten Postkarten überliefert. Das waren viele: Bei Kriegsende vor 100 Jahren glich Augsburg einer Lazarettstadt.

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Frühere Folgen des Augsburg-Albums zum Nachlesen finden Sie im Online- Angebot unserer Zeitung unter

www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-albumhttp://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-album

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