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Augsburger Geschichte

18.01.2018

Güterbahnhof von Häusern abgelöst

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„Entwurf für die Alpenstraße in Augsburg“ schrieb der Architekt und Baumeister Karl Albert Gollwitzer unter diese Tuschfeder-Zeichnung. Drei dieser Mietshäuser am Güterbahnhof (unten Waggons) baute er von 1890 bis 1892.
Bild: Städtische Kunstsammlungen/Sammlung Häußler

Stadtentwicklung: An der Eisenbahntrasse wurde ab 1878 gebaut. Qualmende Loks und Lärm störten offenbar nicht.

Den Güterbahnhof zwischen Hauptbahnhof und Bismarckbrücke gibt es nicht mehr. Die Lagerhallen und Rampen des Inneren, Mittleren und Äußeren Ladehofes sowie die Gleisanlagen sind verschwunden. Teils wird das rund 90000 Quadratmeter große Gelände zur Bebauung vorbereitet, teils stehen darauf bereits Häuser: Hier entsteht der „Beethovenpark“! Rund 300 Wohnungen des ersten Bauabschnitts „Andante“ konnten 2016 bezogen werden. Ein Gewerbebau mit Büros und Geschäften ist am östlichen Teil des einstigen Äußeren Ladehofs nahe der Gögginger Brücke im Bau.

An den Häusern an der neuen Localbahnstraße und an der Ladehofstraße gleiten zwischen Lärmschutzwänden Züge und Schienenbusse vorbei. Vom Schienenverkehr geht längst nicht mehr der hohe Lärmpegel aus wie zu Zeiten, als die Eisenbahn noch fauchte, stampfte, rumpelte und rauchte. Diese Schienen-Mobilitätsepoche begann in Augsburg im Oktober 1840 an einem Kopfbahnhof vor dem Roten Tor. Mit der Inbetriebnahme des Hauptbahnhofs im Jahr 1846 war der Durchgangsverkehr möglich. Ein Güterbahnhof wurde angegliedert. Wie er anno 1858 aussah, überliefert der Artillerie-Oberst und Sonntagsmaler Gallus Weber mit einer unvollendet gebliebenen Bleistiftskizze.

Tausende Tiere transportiert

Die Szenerie von 1858 wirkt idyllisch: Die Umfassungsmauer des katholischen Friedhofs an der Hermanstraße trennt die Gleisanlagen und das Gräberfeld um die St.-Michaelskirche. Im Vordergrund „parken“ Güterwaggons. In einem offenen Transportfahrzeug stehen sieben Pferde. Per Eisenbahn kamen nicht nur Tausende Tiere im Güterbahnhof an, Fässer und Holz deuten auf der Skizze die vielfältigen Transportgüter an. Riesige Mengen Kohle, Öl, Natursteine, Kalk, Zement, Eisen sowie Rohbaumwolle und Schafwolle für die Textilindustrie wurden seit Beginn des Eisenbahnzeitalters auf Schienen nach Augsburg befördert.

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Rund 50 Jahre lang musste der Frachtverkehr zwischen den Bahnhöfen und den Fabriken sowie den Gaswerken mit Pferdegespannen abgewickelt werden. Das waren gewaltige Mengen: Im Jahr 1871 beispielsweise wurden rund 1,5 Millionen Zentner Fracht auf den Stadtstraßen befördert. Die Localbahn löste ab 1890 die Straßentransporte großteils ab. Die neue Epoche im Augsburger Transportwesen begann am 10. November 1890: Eine Dampflok der „Ringbahn“ zog die ersten Güterwaggons vom Bahnhof direkt zur MAN. Anno 1891 kamen in Augsburg 20466 Waggons allein mit Kohle und Koks an. Die Localbahn übernahm die Zustellung.

Baugebiet ausgewiesen

Trotz der vom Bahnhofsbereich ausgehenden Qualm- und Geräuschimmissionen wurde in den 1870er-Jahren ein Baugebiet zwischen der Kernstadt und dem Bahngelände südöstlich der Gögginger Brücke ausgewiesen. Es mag verwundern, dass die Bautätigkeit am äußersten Rand unmittelbar an der lärm- und rauchintensiven Bahntrasse begann.

Dort wurden Bauplätze für herrschaftliche Villen erschlossen. 1876/77 kaufte der Bauunternehmer Friedrich Hörmann sieben Grundstücke an der „Hühnerstraße“. Sie bekam mit Baubeginn 1878 den attraktiveren Namen „Stettenstraße“. An ihrer Nordseite erstanden stilvolle großbürgerliche Wohnhäuser mit ausgedehnten Gärten zur ruhigen Stadtseite. Die Bebauung des heutigen Beethovenviertels nördlich davon begann erst über zwei Jahrzehnte später.

Die Neubautätigkeit setzte sich zuerst an der Bahntrasse fort. Um 1890 erwarb der Architekt und Bauunternehmer Karl Albert Gollwitzer Gelände an der von der Stettenstraße abzweigenden Alpenstraße. Von 1890 bis 1892 errichtete er die Häuser Alpenstraße 16, 18 und 20. Die Schaufassaden der mehrstöckigen Mietshäuser sind zu den Gleisanlagen gerichtet. Auf einer Zeichnung stellte er 1896 sein gesamtes geplantes Bauprojekt vor. Es blieb jedoch bei den bereits errichteten drei Häusern. Von deren Balkonen aus war das Bahngelände überschaubar. Unmittelbar vor den Häusern lag der Äußere Ladehof des Güterbahnhofs. Gollwitzer deutet ihn auf seiner Zeichnung mit einigen Waggons an.

Ungewöhnlicher Baustil

Die Gollwitzer-Bauten wirkten auf die Bahnreisenden und von der Bismarckbrücke aus wie eine orientalische Märchenstadt. Spitz- und Zwiebeltürmchen, „maurische“ Fenster und andere wundersame Architekturdetails prägten Gollwitzers ungewöhnlichen Baustil. Davon blieb nichts erhalten. Kriegsschäden sowie Modernisierungen ließen die einstige Exotik verschwinden. An die purifizierten Gollwitzer-Häuser schließen jetzt die Neubauten des Abschnitts „Andante“ des „Beethovenparks“ auf dem vormaligen Äußeren Ladehof an. Jenseits der Gögginger Brücke in Richtung Hauptbahnhof wird er sich auf dem Mittleren und dem Inneren Ladehof mit „Allegro“ und „Vivo“ fortsetzen.

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