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Pflege

27.06.2015

Gurte und Bettgitter werden seltener

Betreuungsrichter ordnen Fixierungen in Heimen deutlich seltener an

Die Zahl der Fixierungen in Pflegeheimen – etwa Bettgitter oder Gurte am Stuhl – hat in Augsburg in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Die Zahl der gerichtlichen Genehmigungen fiel seit 2012 um mehr als 35 Prozent, so das Amtsgericht. Wesentlicher Grund ist die Übernahme des sogenannten „Werdenfelser Wegs“ im Jahr 2012. Dabei bekommen die Richter Berater aus Pflegeberufen an die Seite gestellt, die wissen, welche Alternativen es zu Fixierungsmethoden gibt und wann sie sinnvoll sind. So können etwa statt Bettgittern niedrige Betten eingesetzt werden, um sturzgefährdete Heimbewohner vor Verletzungen zu schützen. Auch Sensormatten können vors Bett gelegt werden, die das Pflegepersonal warnen, wenn ein sturzgefährdeter Bewohner aufsteht. Der „Werdenfelser Weg“ heißt so, weil er am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen (im Werdenfelser Land) entwickelt wurde.

Seit 2012 gibt es am Augsburger Betreuungsgericht etwa zehn aus Pflegeberufen stammende Verfahrenspfleger. Diese loten zusammen mit dem Pflegepersonal vor Ort aus, ob und wie die beantragte Fixierung vermieden oder weniger belastend gestaltet werden kann. In der Vergangenheit wurde der Großteil der Fixierungs-Anträge genehmigt.

Bis Ende Mai wurden im laufenden Jahr 213 Fixierungen erlaubt. Im Vergleichszeitraum des Jahres 2012 waren es 332 Fälle. „Jede vermiedene Fixierung verbessert die Lebensqualität des betroffenen alten oder kranken Menschen“, so Amtsgerichtspräsident Bernt Münzenberg. Das Gericht werde den Weg fortsetzen. Freiheitseinschränkende Maßnahmen müssen durch einen Richter genehmigt werden, um Pflegebedürftige vor Gefahren zu schützen. Allerdings handelt es sich dabei um einen Balanceakt. Teils spielt Angst eine Rolle, in manchen Fällen möglicherweise auch Arbeitsdruck. Gleichzeitig bemühen sich viele Heime, Fixierungen zu vermeiden, etwa durch Gymnastik als Sturz-Vorbeugung. (AZ, skro)

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