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22.07.2010

Gut behütet und schick

Lechhausen Im Zentrum von Lechhausen liegt in einem kleinen Hinterhof Gabriele Limmers Atelier. Nur ein kleines Schild deutet von außen auf die Modistin hin: "Gabriele Limmer - Hutwerkstatt" steht darauf. Als die 41-jährige Frau die Tür öffnet, hält sie ein Stück schwarzen Schleier in der Hand. "Moment", sagt sie und eilt durch die Wohnung. Es duftet nach Holz und Seide. Links und rechts hängen Hüte an der Wand, über 100 Stück, große, kleine, schlichte und bunte. Einen besonderen Auftrag habe sie gerade. Deshalb müsse sie eben noch eine Naht fertigmachen, sagt sie. Die Hutmacherin sitzt jetzt in ihrem Arbeitszimmer auf einem zedernholzfarbenen Stuhl, blickt konzentriert auf ihr neuestes Werk: ein Rillenkopfhut mit lila Blume.

Seit über 30 Jahren übt Gabriele Limmer diesen Beruf aus. Inzwischen ist sie, wie sie betont, die letzte ihres Standes, die noch jeden Schritt per Hand macht. Zumindest in Augsburg. "Angefangen habe ich im Haus der Hüte in der Annastraße", erzählt die Modistenmeisterin. Das war in den 1980er Jahren. "Damals trugen fast nur alte Leute Hüte", sagt sie. Das Leben als Hutmacherin sei trotzdem nicht leichter geworden. "Aber immerhin entdecken auch junge Leute mittlerweile ihre Begeisterung für den Kopfschmuck", erzählt sie. Ihren Beruf liebt sie auf jeden Fall immer noch, auch nach so langer Zeit. "Ich würde alles noch mal genauso machen", sagt Limmer und steckt eine letzte Nadel in den neuen Hut. "Fertig", sagt sie und atmet tief durch.

176 Exemplare zu Hause

Es klingelt an der Türe. Stammkundin Eveline Bauer kommt herein. Sie trägt ein schwarzes Samtkleid, dazu einen mit bunten Blumen und Plastikinsekten besetzten Schlapphut. Sie möchte ihren neuen Hut probieren. "Die Fantasie und das Einfühlungsvermögen von Gabriele bewundere ich", sagt sie. Deshalb komme sie schon seit 15 Jahren regelmäßig her. 176 Exemplare hat sie inzwischen zu Hause. Jetzt steht sie vor einem der vielen massiven Glasspiegel im Raum und mustert ihr neu erworbenes Exemplar. "Passt perfekt", sagt Bauer. Damit das so ist, benutzt Gabriele Limmer einen sogenannten Holzkopf. 400 Stück hat sie in ihrem Atelier inzwischen gesammelt. Dicht gestapelt stehen sie im Regal herum. Früher gab es dafür einen eigenen Beruf: ein Formenmacher hat die Köpfe handgeschnitzt. "Heute macht so was kaum noch einer", sagt sie. Es lohne sich nicht. Das bedauere sie sehr. Denn ohne Holzkopf lassen sich auf Dauer keine neuen Hüte formen. Ein uraltes Handwerk stirbt langsam aus. Doch Limmer ist überzeugt: "Es werden wieder viel mehr Hüte getragen in Zukunft."

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