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Augsburg

21.03.2019

Gut für Umwelt und Geldbeutel - zu Besuch im Sozialkaufhaus

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Roswitha Kugelmann, Leiterin des Sozialkaufhauses Contact, und ihre älteste Mitarbeiterin Kitty Funk, 86.

Wer beim Frühjahrsputz Ballast abwerfen will, kann anderen eine Freude machen: In Sozialkaufhäusern sind Warenspenden willkommen. Und Einkäufer.

„Bei einem Einkauf bekommt jedes Kind ein Buch seiner Wahl geschenkt“ steht auf einem Schild neben den Verkaufsartikeln. Nicht das einzige Besondere an dem Kaufhaus im Tal 8 in Augsburg-Haunstetten. Es handelt sich um ein Sozialkaufhaus. Sozial Schwache können hier gebrauchte Dinge günstig erstehen.

Die Auswahl reicht von Kleidung über Möbel bis zu Hausrat, Elektrogeräte, Bücher und DVDs. Dabei ist das Sozialkaufhaus Contact von Sachspenden abhängig. Der Frühjahrsputz ist ein idealer Zeitpunkt, um sich von Dingen zu trennen, die man nicht mehr benötigt. „Die Leute geben so viel Geld aus für Dinge, die sie nicht lange benutzen“, weiß die Betreiberin Roswitha Kugelmann. „Es ist besser, uns das zu geben, als es wegzuwerfen.“

Gut erhaltene Dinge können gespendet werden

Wenn sie am Telefon von Spendenwilligen gefragt wird, welche Artikel infrage kommen, antwortet die ehemalige Finanzbeamtin: „Alles, was so gut erhalten ist, dass man es ruhigen Gewissens weitergeben kann.“ Manche lassen die Waren abholen, andere bringen die Artikel selbst. „In der Regel gute Sachen, die zu schade für den Müll sind“, berichtet Kugelmann. Darunter auch hochwertige Designerkleidung. Sie wünscht sich keine bestimmten Produktgruppen von den Spendern, denn ihre Erfahrung lehrt: „Alles was reinkommt, geht auch raus.“ Lediglich Röhrenfernseher oder allzu altmodische Wohnzimmerschränke wolle niemand mehr haben.

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Sechs Tonnen an unterschiedlichsten Artikeln kommen pro Tag dazu. Und alle müssen sortiert werden. Im wahrsten Sinn des Wortes ein Berg von Arbeit für die 170 Mitarbeiter des Vereins Contact in Augsburg. Menschen, die sich auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer- tun, bekommen hier eine Chance auf einen regulären Arbeitsplatz - inklusive Sozialversicherung. „Diese Menschen wollen nicht nur zu Hause sitzen, für die ist es sehr wichtig, am Arbeitsleben teilzunehmen“, weiß Kugelmann. Bis zu 800 Kunden am Tag kommen ins Kaufhaus. Bedürftig sind nicht nur Hartz- IV-Empfänger, sondern beispielsweise auch Studenten, Alleinerziehende oder Menschen mit geringer Rente. Dass neben den Bedürftigen auch Schnäppchenjäger einkaufen, die sich Neuware leisten könnten, ist in den Augen der Betreiber kein Manko. Im Gegenteil: Schnäppchenjäger, Secondhand-Fans oder auch Händler auf der Suche nach unterschätzten Raritäten sind erwünscht: „Jeder der hier einkauft, unterstützt unser Projekt“, erklärt Roswitha Kugelmann. „Ohne die unterschiedlichen Käufer könnten wir das nicht kostendeckend stemmen.“ So zählen in Bayerns größtem Sozialkaufhaus unter anderem Münchner Theaterausstatter zu den Kunden. Gerne verweist Roswitha Kugelmann darauf, dass der Einkauf von Secondhand-Ware nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt schont. „Die Nachhaltigkeit, für die Schüler gerade auf die Straße gehen, daran arbeiten wir seit Jahren.“

Der Bedarf wächst von Jahr zu Jahr

„Die Armut ist groß, und von Jahr zu Jahr wächst der Bedarf, daher nehmen wir alle gut erhaltenen Gegenstände an“, sagt Gabriela Hoffmann. Die Geschäftsführerin der ALF GmbH (Arbeitslosenförderungsgesellschaft) ist auch für den Sozialmarkt der Caritas zuständig, der nach einem Brand vorübergehend in der Hochfeldstraße untergebracht ist. Spezialisiert auf Möbel, Haushaltswaren und Elektrogeräte ist der Gebrauchtmöbelmarkt der Diakonie Handwerksbetriebe. Wer gut erhaltene Möbel spenden will, sollte vorab einen Termin vereinbaren. Auch weiße Ware ist hier gefragt.

Das Sozialkaufhaus des Vereins Arbeitshilfe 2000 ist seit rund 15 Jahren eine Institution. Helfen will man nicht nur den finanzschwachen Käufern, sondern auch den Mitarbeitern. In der Regel Menschen mit psychischen oder physischen Problemen, die sich mit geregelten Arbeitsabläufen schwertun. Auch hier im Bärenkeller finden Kunden alles von Haushaltswaren und Elektrogeräten über Spielzeug und Bilderrahmen bis zu Möbeln, Dekoartikeln und Schmuck oder Bücher. Jäger verlorener Schätze können hier zur rechten Zeit auf Überraschungen stoßen wie ein prunkvolles Hochzeitskleid oder eine antike Vase. „Wir können alles an Sachspenden gebrauchen, was man selbst noch kaufen würde“, sagt Marion Losert, die das Sozialkaufhaus im Bärenkeller seit vier Jahren leitet.

Röhrenfernseher, Diaprojektoren und VHS-Kassetten gehen schlecht

Es sei immer schwierig, etwas abzulehnen, weil man Spender nicht verärgern wolle, doch „Röhrenfernseher, Diaprojektoren, Drucker und VHS-Kassetten kann man nicht mehr verkaufen.“ Der größte Bedarf bestehe dagegen bei aktueller Kleidung, Markenkleidung und Möbeln, so Losert. „Auch Waschmaschinen sind gern gesehen, denn die kosten viel Geld, und viele können sich das als Neuware nicht leisten“, weiß die Chefin des Sozialkaufhauses. Im Sommer steige dann der Bedarf an Kühlschränken. Wer Möbel spenden will, kann Fotos davon an die Betreiber schicken, und diese holen gut erhaltene Artikel kostenlos ab. Wer seine Gebrauchtwaren selbst bringen will, kann dies jederzeit zu den Öffnungszeiten tun.

Ganz nebenbei erfüllen die Sozialkaufhäuser einen weiteren sozialen Zweck: Oft wollen die Menschen die Geschichte zu ihren Mitbringseln erzählen. Sei es eine Scheidung oder der verstorbene Opa. „Hinter jedem Ding steckt eine Geschichte, und die höre ich mir an“, sagt Roswitha Kugelmann vom Kaufhaus Contact.

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