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Augsburg

28.01.2021

Haariges im Lockdown: "Mein Gestrüpp auf dem Kopf ist grenzwertig"

Nicht nur, dass viele Friseure aufgrund des Lockdowns um ihre Existenzen bangen – auch die Kunden leiden zunehmend.
Foto: Sebastian Kahnert, dpa (Symbolfoto)

Plus Nachdem auch Friseure schließen mussten, wachsen nicht nur Angst und Ungeduld, sondern auch die Haare. Wie Augsburger mit der zunehmenden Pracht auf dem Kopf umgehen.

Sogar unter Tränen würden vereinzelt ältere Menschen bei ihnen anrufen und fragen, wann sie denn wieder zum Friseur dürfen. Das erzählen Matteo Leggio, Obermeister der Friseurinnung in Augsburg, und sein Stellvertreter Harald Terranova. Nicht nur, dass viele Friseure aufgrund des Lockdowns um ihre Existenzen bangten, litten auch die Kunden zunehmend unter Farbe, die herauswächst, und Schnitten, die keine mehr seien. Beide appellieren an die Kunden: "Hände weg von Tönungs- und Färbemitteln. Da kann viel schief gehen. Warten Sie ab, bis wir Friseure wieder öffnen - auch uns zuliebe." So eine ähnliche Nachricht erhielt auch Julia Welzel plötzlich auf ihrem Handy.

Professorin Julia Welzel lässt ihre dunkelblonden Haare normalerweise aufhellen. Noch halte sich der dunkle Haaransatz in Grenzen, sagt sie.
Foto: Welzel

Die Dermatologie- und Allergologie-Professorin an der Uniklinik erzählt, ihre dunkelblonden Haare regelmäßig heller färben zu lassen. Die 55-Jährige ist froh, dass sie kurz vor dem Lockdown noch einen Friseurtermin ergattert hatte. Deshalb sei die Farbe auf ihrem Kopf noch in Ordnung. Im ersten Lockdown war der Zeitraum für sie wesentlich länger, so Welzel. "Da hatte ich von meinem dunklen Ansatz irgendwann die Nase voll." Just in dem Moment, als ihre Tochter laut darüber nachdachte, ihre Mutter eigenhändig zu blondieren, erhielt die Medizinerin eine Nachricht von ihrer Friseurin. Als ob diese hellseherische Fähigkeiten gehabt hätte.

"Keine Experimente", lautete deren knappe, aber eindringliche Warnung. Solche Versuche will offenbar derzeit auch Eva Weber nicht eingehen. Augsburgs Oberbürgermeisterin (CSU), die in den vergangenen Jahren immer wieder mal Haarfarbe und Frisur wechselte, stellt fest, dass ihre blonden Strähnchen zusehends herauswachsen. Aber im Weber`schen Haushalt werde weder selbst gefärbt, noch geschnitten. Sie freue sich daher darauf, dass die Friseure wieder öffnen können, wenn die Lage es zulasse.

Markus Krapf, Gastronom und einstiger FCA-Geschäftsführer, bezeichnet seine Haare derzeit als "Gestrüpp".
Foto: Markus Krapf

Claudia Roth hingegen zeigt sich unerschrocken. Zum Glück habe sie beim letzten Friseurbesuch die Haare deutlich kürzer schneiden lassen. "Jetzt können sie frei wachsen.

Und wenn sie doch zu lang werden, dann schneide ich, trotz eines Verbots meiner Friseurin, den Pony einfach selbst kürzer", meint die Grünen-Politikerin. Bei dieser haarigen Thematik haben Frauen mehr Probleme, als Männer, glaubt Susanne Erdmann, sogenannte Trainerin für Business-Etikette aus Augsburg.

Als TV-Moderator muss die Frisur trotzdem sitzen

Bei Frauen sei es schwieriger, wenn die Farbe herauswachse. Vielleicht könnten sich manche damit behelfen, ihre Haare mit Klammern zusammen zu stecken, rät Erdmann, die selbst Glück hatte. Ihre Friseurin bot ihr die für sie gemischte Farbe zur Abholung und Selbstauftragung an. "Männer hingegen können ihre länger werdenden Haare in der Regel kaschieren. Da gibt es gute Cremes und Gels. Wichtig ist nur, dass das Haar immer gewaschen wird und gepflegt aussieht." Dass die Pflege bei wachsenden Haaren mehr Zeit kostet, stellt Tom Scharnagl fest. Er ist Moderator beim Augsburger Fernsehsender a.tv. Gerade vor der Kamera muss seine Frisur sitzen, aber wie in diesen Zeiten?

Claudia Roth will ihr Pony selbst nachschneiden, wenn es ihr zu lang wird.
Foto: Christoph Soeder, dpa

"Meine Haare und ich führen gerade eine Hassliebe", sagt der 34-Jährige und lacht. Der Fernsehmoderator nimmt seine ausufernde Haarpracht mir Humor. Fast zehn Wochen sind seit seinem letzten Friseurtermin verstrichen. "Wenn ich mich ernsthaft darüber aufregen würde, fände ich das unpassend. Schließlich darf ich noch meinen Job machen."

TV-Moderator Tom Scharnagl braucht deutlich länger, um vor einem Auftritt seine Haarpracht zu stylen.
Foto: a.tv, Henrik Dresemann

Natürlich will er als Moderator weiterhin gepflegt aussehen. "Normalerweise habe ich mich in zwei Minuten gestylt. Jetzt dauert es länger, bis ich mir die Haare für die Kamera frisiert habe." Zur Papierschere greift derzeit Markus Krapf, wenn es dem Wirt der Fußballkneipe und einstigen FCA-Geschäftsführer zu bunt wird. Dann schneidet er vereinzelte Haare, die ihn ärgern, vor dem Spiegel ab. Richtig gut findet er seine Frisur momentan nicht. "Bart und das Gestrüpp auf dem Kopf sind grenzwertig", meint der 49-Jährige. Bei der Polizei, bei der viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres gelegt wird, wird momentan ein Auge zugedrückt.

"Die Vorgaben sind durch Corona außer Kraft gesetzt", witzelt Polizeisprecher Siegfried Hartmann, wobei er hinzufügt: "So streng, wie es früher einmal war, ist es bei uns auch nicht mehr." Er erinnere sich gut an die 70er-Jahre, als er bei der Polizei anfing. "Da hieß es zwei Fingerbreit über dem Nacken. Da gab es Friseure im Umland, die wussten, was bei dem Wort `Polizeischnitt´ zu tun war." Kurze Haare trägt auch die einstige Profiboxerin und Sängerin Tina Schüssler. Sie gerate in diesen Tagen immer wieder unter Verdacht, erzählt sie.

Warum Ex-Profiboxerin Tina Schüssler verdächtigt wird

"Mich schreiben über Facebook Menschen an, die wissen wollen, zu welchem Friseur ich während des Lockdowns gehe." Darüber muss sie lachen. Denn Schüssler greift seit Langem ein Mal die Woche selbst zum Rasierer. Ihre Kurzhaarfrisur mit dem langen Schippel vorne sei ihr Markenzeichen. Die Anfragen zeigen, dass einige Menschen bereit wären, sich verbotenerweise die Haare machen zu lassen.

Sängerin und einstige Profiboxerin Tina Schüssler kümmert sich selbst um ihre Frisur - mit einem Rasierer.
Foto: Marcus Merk

Die Schwarzarbeit, bestätigen die Obermeister der Augsburger Friseurinnung, sei ein großes Problem. Hygienevorschriften könnten bei Hausbesuchen nicht eingehalten werden. Zudem würden Schwarzarbeiter den Friseuren, die sich an das Infektionsschutzgesetz halten, letztendlich die Kunden wegnehmen. "Wenn wir auf der Straße oder im Supermarkt jemanden mit einem offensichtlich frischen Haarschnitt sehen - und das sind einige - sprechen wir diese an", berichtet Matteo Leggio. "Aber von denen sagt keiner was. Die halten alle dicht."

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28.01.2021

"Hände weg von Tönungs- und Färbemitteln. Da kann viel schief gehen. Warten Sie ab, bis wir Friseure wieder öffnen - auch uns zuliebe."
Aha.
Restaurantbetreiber finden sicher auch "Hände weg von Herden und Mikrowellen. Da kann viel schief gehen. Warten Sie ab, bis wir Restaurants wieder öffnen - auch uns zuliebe."

Und Herr Leggio spricht Leute mit Haarschnitt an? Schreibt er dann die gefundenen Personen in sein persönliches Stasi-Buch? Ich schneide seit Jahren meinem Mann und meinen Kindern die Haare. Einfach weil sie finden, das ich das gut mache und sie keine Lust auf Friseur haben. Bin ja froh das meine Familie Herrn Leggio scheinbar noch nicht über den Weg gelaufen ist, nicht das sie mich noch bei ihm anschwärzen ...

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