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Prozess in Augsburg

19.11.2020

Haft für Blumenmaler: "Nicht leicht, Sie ins Gefängnis zu stecken"

Berni McQueen ist der Schöpfer der "Augsburgblume". Nun wurde er wegen illegaler Graffitis verurteilt.
Bild: Michael Schreiner (Archiv)

Plus Der Augsburger "Blumenmaler" Berni McQueen stand unter Bewährung, dennoch sprühte er illegal Graffiti auf Wände. Selbst die Richterin tut sich beim Urteil schwer.

Seine illegalen Graffitis haben den Maler der „Augsburg-Blume“ bundesweit bekannt gemacht, aber auch mehrmals vor Gericht gebracht. Am Donnerstag saß Berni McQueen in Augsburg erneut auf der Anklagebank und dieses Mal nahm der Prozess für den Streetart-Künstler ein böses Ende. Der inzwischen 33-Jährige muss ins Gefängnis, verurteilt wegen 35 Fällen der Sachbeschädigung.  „Es fällt mir nicht leicht, Sie ins Gefängnis zu stecken“, bekannte Amtsrichterin Susanne Scheiwiller, als sie das Urteil verkündete: eine Haftstrafe von 14 Monaten. 

Prozess: Schöpfer der Augsburgblume verurteilt

Aber die Justiz kennt in seinem Fall keine Gnade, denn der Blumenmaler ist, obwohl er zweifach unter offener Bewährung stand, nachts im Stadtgebiet erneut mit Spraydose und Stift unterwegs gewesen.

Mit dieser Blume wurde Augsburgs Graffitikünstler bekannt.
Bild: Michael Schreiner

Mit weiteren, schwerwiegenden Folgen für den jungen Künstler. Denn er wird aus früheren Urteilen eine dreijährige Haftstrafe verbüßen müssen. 2012 und 2017 hatten Gerichte ihre Haftstrafen zur Bewährung ausgesetzt. Der 33-Jährige, der voll geständig war, gab sich vor Gericht einsichtig: „Ich bereue es sehr.“  Wohl auch unter dem Eindruck, dass er bereits inhaftiert ist. Justizwachtmeister brachten ihn am Morgen in Anstaltskleidung aus der JVA Gablingen in den Gerichtssaal. In Coburg war er 2018 bei einer nächtlichen Sprayaktion am Bahnhof erwischt worden. Er und ein Freund hatten einen abgestellten Zug und den Bahnsteig mit einer Meerjungfrau und Tags und Throw-ups verziert. Das Amtsgericht Coburg verurteilte McQueen dafür zu einer sechsmonatigen Haftstrafe, die er gerade verbüßt.

Blumenmaler glaubt, er leide an zwanghaftem Suchtverhalten

Der 33-Jährige kündigte an, sich nach seiner Haftentlassung von einem Verhaltenstherapeuten helfen lassen zu wollen.  Er vermutet, ähnlich wie es bei Kleptomanen der Fall ist, an einem zwanghaften Suchtverhalten zu leiden, das ihn zu diesen Spray-Aktionen treibt. Vor Gericht trafen mit dem Angeklagten und dem Leiter der Arbeitsgruppe „Graffiti “ bei der Kripo zwei alte Bekannte aufeinander. Der Ermittler hat schon häufig McQueen als Urheber von Graffitis in der Stadt entlarvt. Wie der Zeuge berichtete, hat der Streetart-Künstler sich selbst in Verdacht gebracht.

Er hatte einige seiner an Gebäuden, Brücken und auf Schaltkästen der Telekom angebrachten Graffitis gefilmt und auf seiner Homepage gestellt. Danach war McQueen von Fahndern in zivil observiert worden, worüber sich Verteidiger Felix Hägele empört zeigte. „Hier ist mit Kanonen auf Spatzen geschossen worden.“  Dies sei ein einmaliger Vorgang, da üblicherweise nur Schwerkriminelle von Zivilfahndern überwacht würden. Sein Mandant falle ganz sich nicht in diese Kategorie. Auch Richterin Scheiwiller kritisierte die Observation im Urteil „als grenzwertig“.

Der Prozess gegen den inzwischen bundesweit bekannten Streetart-Künstler stieß erwartungsgemäß auf größeres Interesse. So war neben dem Lokalfernsehen auch ein Vertreter der Nachrichtenagentur dpa gekommen. Die Zuhörer, unter ihnen auch Stadträtin Lisa McQueen, Ehefrau des Angeklagten, wurden Zeuge, wie sehr Corona die Arbeit der Justiz behindert. Alle 26 Minuten musste der Prozess unterbrochen werden, um zu lüften. Und zwar auf die Minute pünktlich. Verteidiger Felix Hägele sah sich gezwungen, sein Plädoyer mitten im Satz abzubrechen. Der Angeklagte wurde vom Wachmeister wieder in seine Zelle geführt. Zehn Minuten später durfte der Verteidiger weitersprechen.

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19.11.2020

Da wird ein Serienstraftäter (oder wie hier bezeichnet Künstler) einer Straftat überführt. Und der Richterin tut es leid, ihn zu bestrafen. Die Maßnahme, die zu einem gerichtsfesten Tatnachweis führt, wird von der Richterin als grenzwertig bezeichnet. Wenn ich mal, Gott bewahre, vor den Kadi muss, dann soll doch bitte diese Frau über mich richten.

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