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Augsburg

01.07.2013

"Hair" auf der Freilichtbühne: Hoffen im Zeichen des Wassermannes

"Hair" feierte auf der Freilichtbühne am Roten Tor Premiere.
Bild: Nik Schölzel

Das Musical "Hair" feierte am Sonntag auf der Freilichtbühne in Augsburg Premiere. Trotz der launigen Inszenierung finden auch kritische Elemente ihren Platz.

Junge Menschen protestieren gegen den Krieg und den autoritären Staatsapparat. Wer unbedingt will, kann im Musical „Hair“ aus den 1960er Jahren Parallelen zu aktuellen Vorgängen erkennen: den Widerstand in den arabischen Ländern, die Demonstrationen in der Türkei, die Proteste gegen die Allmacht der Banken. Vielleicht ist dies ja auch der Grund dafür, dass das Musical zeitgleich nun in Ulm und in Augsburg gespielt wird?

"Hair" - Inszenierung von Manfred Weiß

Die Inszenierung von Manfred Weiß für die Freilichtbühne am Roten Tor in Augsburg nimmt wohlweislich nur ansatzweise Bezug auf aktuelle Vorgänge und errichtet auf der Bühne eine Art Occupy-Lager. In ihrer Naivität und esoterischen Wirklichkeitsflucht lassen sich die Hippiebewegung und das derzeitige Aufbegehren der jungen Generation dann doch nicht in einen Topf werfen. In der Hauptsache konzentriert sich die Inszenierung deshalb auf die Aufbruchstimmung, den Flower-Power-Zeitgeist, die Hoffnung, dass im Zeichen des Wassermannes eine neue Zeit anbricht.

So erlebten die Zuschauer bei der Premiere am Samstagabend ein fröhlich-buntes Treiben, ein Hippie-Happening mit Flatterkleidchen, Fellwesten und Schlaghosen, das als pralles Open-Air-Spektakel gute Laune verbreitet, und nicht nur bei äußerst frostigen Temperaturen, wie am Premierenabend der Fall, eine herrlich herzerwärmende Wirkung hat.

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Oben patrouillieren die Soldaten, unten feiern die Hippies

Die historische Wallanlage am Roten Tor bietet für die Geschichte um den Provinzjungen Claude, der kurz vor seiner Einberufung in den Vietnamkrieg auf eine Gruppe von Hippies trifft und sich von deren Lebensgefühl beeindrucken lässt, im Bühnenkonzept von Timo Dentler und Okarina Peter eine denkbar passende Kulisse. Während der obere Teil als Kasernenhof eingerichtet ist, auf dem die Soldaten rekrutiert werden, campieren unten auf der Bühne die Hippies auf der grünen Wiese in Zelten und regenbogenfarbenen Bussen, propagieren die freie Liebe und den uneingeschränkten Drogengenuss und skandieren nach oben in Richtung der patrouillierenden Soldaten ihre Love-, Peace-, Freedom-Parolen.

Auftakt zur Freilichtbühnensaison mit dem Musical HAIR
47 Bilder
Auftakt zur Freilichtbühnensaison mit dem Musical HAIR, Tag der offenen Tür am Stadttheater Augsburg
Bild: Annette Zoepf

An deren Phrasenhaftigkeit darf man sich nicht stören, denn im Mittelpunkt von „Hair“ steht trotz ernsthafter Themen wie der Forderung nach mehr Toleranz und massiver Kriegskritik die mitreißende Musik. Hits wie „Aquarius“, „Hair“, „Let The Sunshine In“ oder die Rockballade „Going Down“ zünden auch nach 50 Jahren noch und werden peppig aufgefrischt von Eberhard Fritsche und der extra zusammengestellten Band.

Hervorragende Akteure machen "Hair" zur knackigen Aufführung

In der Hauptsache sind es aber die hervorragenden Akteure, die dem Oldie-Musical zu einer knackigen Aufführung verhelfen: aus dem Augsburger Ensemble die wunderbar vielseitige Sängerin Cathrin Lange und die beiden stimmstarken Schauspieler Lea Sophie Salfeld und Ulrich Rechenbach (als überzeugender Hauptdarsteller Claude); zur Verstärkung die bewährten Musical-Darsteller Andy Kuntz, Christopher Busietta, Alvin Le-Bass, Tertia Botha und Jeanette Claßen; außerdem Musical-Schüler der Theaterakademie August Everding in München. Ein besonderer Glücksfall sind die Tänzer der Augsburger Ballettcompagnie, die den Tanzszenen spürbar Pep und Drive geben (Choreografie Natalie Holtom).

"Hair" in Augsburg noch bis 27. Juli

Trotz der launigen und sinnenfrohen Inszenierung finden auch die kritischen und dramatischen Elemente dieses Musicals Raum auf der Bühne, als die Leichensäcke mit toten Soldaten auf die Bühne geschleppt werden und die Hoffnung auf eine friedlichere Welt im Rauch und Kugelhagel erstickt. Der Abschlusssong „Let the Sunshine in“ wird so nicht nur zur fröhlichen Hippie-Hymne, sondern gleichzeitig zum Mahnlied für mehr Wärme und Achtsamkeit. Bis zum 27. Juli gibt es weitere Aufführungen.

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