10.06.2009

Halme fürs Haus

Gras - jeder hat es schon einmal gesehen. Kinder tollen darauf, Landwirte mähen es um das Vieh zu füttern und einige FCA-Fans können sich ein Leben ohne das leuchtende Grün oftmals nicht wirklich vorstellen. Das ist nichts Neues! Aber die Wenigsten wissen, dass Teile des Grases in Medikamenten, als Düngemitteln, in Baumaterialien und als Dämmstoff eingesetzt und obendrein bei der Aufbereitung des Grases noch elektrischer Strom und Wärmeenergie erzeugt werden.

Und so funktioniert die Herstellung des natürlichen Dämmstoffes: Durch die restlose Raffinerie einer Tonne silierten Grases können circa 500 kg Zellulosefasern, 90 kg Proteine, 615 kWh elektrischer Strom und 900 kWh Wärmeenergie gewonnen werden, ohne auch nur den geringsten Abfall zu erzeugen.

Die Firma BioWert GmbH im Odenwald beispielsweise hat diese Erkenntnis in ein ökologisch einwandfreies Upcyclingverfahren zur Herstellung von Wiesengras-Einblasdämmung (AgriCell BW) umgesetzt. Durch die Anlagensynergie aus Biogasanlage und Wiesengrasaufbereitung wird aus dem Wiesengras ein technisch einwandfreier Zellulosedämmstoff, dessen Produktion keinerlei Fremdenergie benötigt.

Bauaufsichtlich zugelassen, mit dem Ü-Zeichen ausgestattet, also einer regelmäßigen unabhängigen Prüfung unterzogen, ist die ausgereifte Wiesengrasdämmung eine hochwertige Einblas- und Zelluloseschüttdämmung, welche zur Altbausanierung und in Neubauten technisch optimal eingesetzt werden kann.

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Gras aus der Nachbarschaft

Als Rohstoff dient siliertes Wiesengras, das in der direkten Nachbarschaft der Produktionsstätte angebaut wird. Durch diese Silage wandeln die in der Pflanze enthaltenen Milchsäurebakterien Zucker in Säure um und der ph-Wert fällt in einen Bereich von 4,0 bis 4,5 ab.

Dieser natürliche Vorgang ist wichtig, um unter anderem pflanzeneigene Enzyme zu unterdrücken und gärschädliche Bakterien am Wachstum zu hindern. Nach dieser Silage wird das Wiesengras mithilfe von warmem Wasser in mehreren Waschgängen ausgewaschen, bis nur noch die reine Zellulosefaser vorhanden ist.

Die ausgewaschenen Bestandteile des Grases, wie zum Beispiel Nitrate, Phosphate, und einige Aminosäuren, werden aufgespalten und das Restabwasser in einer Biogasanlage zu elektrischem Strom und Wärmeenergie umgewandelt, gereinigt und wieder zurück in die Wiesengrasaufbereitung geführt. Die Produktion macht sich somit völlig autark und stellt keinerlei nicht nutzbaren Abfall her.

Brand- und Rauchschutz

Die somit gewonnene, rein pflanzliche und nahezu geruchsneutrale Naturzellulose, wird, um Brand- und Rauchschutz zu sichern, vollflächig mit Borsalzen benetzt. Der Dämmstoff enthält somit circa 85 Prozent Naturzellulose, circa fünf Prozent Borsalz und circa zehn Prozent Wasser. Somit enthält er wesentlich weniger Borate als die bis dato bekannte Zellulosedämmung aus Altpapier.

Der Hersteller bietet im Zusammenhang mit seinem Dämmstoff grundsätzlich eine Einweisung zum Einbau des Naturdämmstoffes und der Verblasanlage an. Hierzu steht dem Kunden neben dem Projektberater auch ein technischer Fachmann sowie die Möglichkeit der Maschinenmiete und die Vermittlung eines spezifisch ausgebildeten Handwerksbetriebes zur Verfügung.

Nicht nur im Odenwald baut man auf Wiesengras. Auch in der Region rund um Augsburg kann man sich über diesen natürlichen Baustoff beraten lassen. Etwa bei der Firma Holzmann-Bauberatung aus Welden. pm

Mehr Infos

Gerhard Holzmann

Bauberater, Ingenieur und Stuckateur

Holzmann-Bauberatung

Telefon: (0 82 93) 96 56 48

E-Mail: holzmann@baubegriffe.com

Internet: www.Baubegriffe.com

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