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Augsburg

17.07.2019

Hals aufgeschlitzt: Das Opfer ist dem Tod nur knapp entronnen

Bild: Jörg Heinzle

Plus Eine Altenpflegerin wird in Augsburg von einem Mann mit einer Glasscherbe attackiert. Vor Gericht geht es auch darum, dass ihr Leben am seidenen Faden hing.

Sie ist dem Tod nur knapp entronnen. Die Altenpflegerin Ramona B. (Name geändert) 25, war am Morgen des 29. Juli 2018 auf dem Weg zu einem Patienten. Sie arbeitete für einen Pflegedienst. Vor einer Wohnanlage in der Rosenaustraße traf sie zufällig auf Cesar G., 32, der fast zu ihrem Mörder geworden wäre. Er schlitzte ihr mit einer Glasscherbe den Hals auf und verletzte eine Schlagader. Der Arzt, der Ramona B. im Klinikum notoperiert hat, sagt, sie habe gleich mehrere Schutzengel gehabt.

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Eine Anwohnerin wurde auf Ramona B . aufmerksam, weil sie laut um Hilfe schrie. Die Anwohnerin kümmerte sich um die schwer verletzte Frau – und drückte ihr mit einem Schal die verletzte Ader zu. Die Notärztin, die an jenem Sonntagmorgen Dienst hatte, ist auch als Unfallchirurgin ausgebildet – und wusste deshalb genau, was bei einer solchen Verletzung zu tun ist. Im Klinikum setzten die Ärzte Ramona B. einen kleinen Kunststoffschlauch ein, um die verletzte Stelle der Ader zu überbrücken. Die Scherbe hatte einen Zweig der Schlagader erwischt, der das Gesicht mit Blut versorgt. Das war ihr Glück. Hätte es den Zweig erwischt, der ins Hirn führt, wäre sie wohl nicht mehr am Leben, sagte der behandelnde Klinikumsarzt jetzt vor Gericht aus.

Die Attacke in Augsburg war der traurige Höhepunkt eines Amoklaufs

Cesar G. muss sich wegen der Bluttat seit der vorigen Woche vor dem Augsburger Landgericht verantworten. Die Anklage wirft ihm Mordversuch vor – und eine ganze Reihe von weiteren Straftaten. Die Attacke auf die Altenpflegerin in Augsburg war der traurige Höhepunkt eines Amoklaufs – womöglich ausgelöst durch Drogen. Cesar G. gibt an, er habe vor der Tat eine größere Menge Crystal Meth geraucht. Es wird auch „Teufelsdroge“ genannt, weil es schnell süchtig macht, den Körper zerstört und die Wirkung nicht abschätzbar ist. Es ist auch belegt, dass die Droge Wahnvorstellungen auslösen kann.

Hals aufgeschlitzt: Das Opfer ist dem Tod nur knapp entronnen

Cesar G. raubte unter anderem ein Auto, warf mit einem Stein auf einen Autofahrer, fuhr mit einem gestohlenen Wagen beinahe einen Fußgänger um und stieg in Großkitzighofen im Landkreis Unterallgäu in ein Haus ein, wo er ein Küchenbeil stahl. In Großkitzighofen endete auch seine Irrfahrt. Mehre Bewohner des Ortes stellten ihn. Ein Anwohner berichtete nun vor Gericht, Cesar G. habe mit dem gestohlenen Küchenbeil herumgefuchtelt. Er habe ihm zur Verteidigung mit einem Zaunpfahl gegen den Kopf und die Schulter geschlagen. Der Anwohner erzählt: „Er wirkte fertig. Ich hatte den Eindruck, dass er am Ende ist.“

Tatsächlich gab Cesar G. dann auch auf. Er setzte sich auf eine Wiese und leistete keinerlei Widerstand, als kurz darauf die ersten Polizisten eintrafen und ihm Handschellen anlegten. Ihm war offenbar bewusst, dass er die Altenpflegerin schwer verletzt hat. Einen Beamten fragte er deshalb: „Wie geht es dem Mädchen?“ Als der Polizist ihm antwortete, dass sie wohl überleben wird, soll Cesar G. erleichtert gewirkt haben. In dem Prozess gibt sich der aus Spanien stammende Raumfahrtingenieur reumütig. Er sagt, er bereue die Taten – rückblickend fühle er sich „wie ein Monster“. Wegen der Drogen habe er sich von allem und jedem bedroht und verfolgt gefühlt, sagt G.s Verteidiger Klaus Rödl.

Wie wirkt sich der Drogenrausch auf die Schuldfähigkeit aus?

Die Frage, wie stark sich der Drogenrausch auf die Schuldfähigkeit des Angeklagten ausgewirkt hat, muss in dem Prozess ein Gutachter beantworten. Vorab kam er nach Informationen unserer Redaktion bereits zu dem Ergebnis, dass Cesar G. wohl vermindert schuldfähig ist. Seine Aussage vor Gericht steht bislang aber noch aus. Ramona B. wird in dem Prozess von Anwalt Andreas Thomalla vertreten. Selbst verfolgt sie das Verfahren nicht.

Sie leidet noch immer unter den Folgen der Tat – psychisch und körperlich, weil Gesichtsnerven wohl dauerhaft geschädigt worden sind. Arbeiten kann sie noch nicht. Sie ist – fast ein Jahr nach jenem verhängnisvollen Sonntagmorgen – noch immer krankgeschrieben.

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