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29.09.2018

Handel in Augsburg: Und wo kaufen wir 2028 ein?

Eines der Sorgenkinder ist der ehemalige Woolworth in der Annastraße. Peek & Cloppenburg möchte dort einziehen.<b>  </b>
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Eines der Sorgenkinder ist der ehemalige Woolworth in der Annastraße. Peek & Cloppenburg möchte dort einziehen.<b>  </b>

Helio, Starbucks und neue Supermärkte: In Augsburgs Handel bewegt sich viel. Doch es bleiben Baustellen und der tiefgreifende Wandel hat erst begonnen

Beinahe täglich eröffnet derzeit ein neues Geschäft in Augsburg: Starbucks, Rewe und Rossmann im Königsbau am Kö. Das Helio am Hauptbahnhof hat endlich eröffnet. Große Marken, die Kunden wie Magnete anziehen, sind in die Stadt gekommen. Und Göggingen hat mitten im Stadtteilzentrum wieder einen Supermarkt bekommen. Es läuft, könnte man sagen. Jein.

Wirft man einen etwas anderen Blick auf die Stadt, fallen die Baustellen ins Auge. Das Helio ist noch so etwas wie eine Wette auf die Zukunft: Auf die nahe, in der die übrigen Geschäfte öffnen und auf die fernere, wenn der Bahnhofsumbau fertig ist. Einen Steinwurf entfernt könnte die Bahnhofsstraße einen ihrer Magnete verlieren – Peek & Cloppenburg. In der Annastraße wird der Bekleidungshändler dringend als Anziehungspunkt erwartet – am besten würde er auch noch ein paar Gastronomen mitbringen. Und die Hochzoller warten sehnsüchtig auf einen Supermarkt in ihrem Stadtteilzentrum. Die grüne Wiese – das ist erfreulich – gilt längst nicht mehr als Allheilmittel. Man könnte die Liste mit dem Schwabencenter fortsetzen, das dringend auf die Renovierung wartet. Und über allem schwebt eine Kraft, die als Sturm oder Orkan die alte Welt des Handels – wie viele Bereiche des Lebens – erfasst hat.

Die Digitalisierung treibt den Wandel voran

Das Internet und die Digitalisierung treiben einen tief greifenden Wandel voran. Über Jahrhunderte waren Städte die Handelszentren – Augsburg im besonderen. Heute liegen die Zentren in Rechnerräumen irgendwo auf der Welt und in der Hand jedes Kunden – im Smartphone. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Digitalisierung ist kein Roboter mit künstlicher Intelligenz, der unabhängig von uns die Welt verändert. Hand aufs Herz, wer hat nicht schon beim Amazon bestellt? Wir nutzen die neuen Chancen und Möglichkeiten und stehen dabei nach Einschätzung von Fachleuten erst am Anfang des Weges. Lebensmittel kaufen wir noch im Supermarkt. Lieferservices haben aber schon begonnen, ihre Dienste anzubieten. Heimlieferung ohne Schlange stehen, Stau und Suche nach dem Lieblingsjoghurt? Warum nicht, wenn es funktioniert. Doch was bleibt dann für eine Stadt wie Augsburg?

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Das Erlebnis, zum Beispiel an einem sonnigen Herbsttag durch die Gassen der Altstadt zu schlendern. Das Vergnügen, auf dem Rathausplatz einen Café zu trinken oder im Stadtmarkt eine Kleinigkeit zu essen. Und natürlich das Erlebnis, in Geschäften genau das zu finden, was man sich wünscht: Weil die Beratung so gut ist oder das Sortiment so speziell und außergewöhnlich. Oder der Service so gut, dass ich mit dem Smartphone ankomme und in der Stadt das erhalte, was ich mir zu Hause ausgesucht habe. Und dann auch gleich noch mobil bezahlen kann... Es lohnt sich offenbar, sich um den Kunden zu bemühen. Google, der Internetriese, hat in einer Analyse geschrieben, dass in den USA vor Weihnachten viel weniger Menschen in Geschäfte gehen. Aber die, die kommen, gaben deutlich mehr Geld aus. Dafür wollen sie aber auch etwas geboten haben.

Wie tickt der Kunde?

Erlebnis und Service zum Beispiel. Die City-Galerie versucht, so ein sich stets wandelndes Paket aus Einkauf, Aufenthalt und Gastronomie zu schnüren. Das Helio neben dem Hauptbahnhof will ganz ähnlich punkten – mit weniger Handel und mehr Freizeitvergnügen wie Kino und Fitnesscenter. Sie haben den Vorteil, dass sie in einem eigenen kleinen Kosmos arbeiten. Der einzelne Händler in der Fußgängerzone hat kein Center-Management, er ist von vielen Faktoren abhängig, die er nicht selbst in der Hand hat: Wie tickt der Kunde? Wer ist in den Läden nebenan? Stehen sie gar leer? Gibt es auch ein Café in der Nähe? Wie attraktiv ist die Stadt insgesamt?

Augsburg steht in dieser Hinsicht gut da. Die Stadt ist attraktiv, sie wächst und die Ansiedlung bekannter Marken spricht ebenfalls für den Handelsstandort. Aber auch auf diesem Feld bleiben Baustellen. Man mag das Thema Parkleitsystem schon gar nicht mehr erwähnen, doch es wartet auf einen Neustart (der nun aber kommen soll). An dieser Stelle kann man natürlich auch über neue Parkhäuser diskutieren und deren Standorte. Es geht aber auch um neue Angebote wie sie die Stadt im Blick hat: Eine App, die den Weg zu freien Parkplätzen weist, mag erst einmal banal klingen. Aber sie ist ein Schritt in eine sich rapide wandelnde Welt. Nimmt man das iPhone als Symbol dafür, muss man sich immer eine Zahl vor Augen halten: Es kam 2007 auf den Markt. Und was hat sich seither wie schnell verändert? So wie man über Straßen, Nahverkehr und Radwege diskutiert, wird man in Zukunft auch über die digitalen Angebote und Zugänge einer Stadt sprechen. Dabei geht es nicht nur aber auch um den Handel. Am Ende kommt allerdings noch ein weiterer Faktor ins Spiel.

Wir. Die Kunden. Unser Einkaufs- und Freizeitverhalten ist entscheidend für die Zukunft. Das Angebot in den Augsburger Straßen, Passagen und Centern muss passen – über den Erfolg entscheiden dann aber die Augsburger und Besucher aus dem Umland. Wenn wir eine lebendige Einkaufsstadt wünschen, müssen wir sie besuchen und nutzen. Wenn wir uns vielfältige Geschäfte wünschen, müssen wie dort einkaufen. Und wenn wir uns den Supermarkt um die Ecke wünschen, wird er nur überleben, wenn wir dort auch Einkaufen.

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02.10.2018

Eine weitere Kombi fehlt noch: Vor Ort aussuchen und bezahlen, aber nicht selbst heim schleppen, sondern von dort liefern lassen. Das kann gerade im Binnenhandel der Stadt sehr gut funktionieren, im Prinzip zumeist sogar ganz ohne Auto. Die Schrankwand kriegt man vermutlich eh geliefert. Das geht mit anderen Dingen genau so.

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