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Augsburg

22.05.2020

Handel in der Innenstadt: Leerstände zu füllen wird immer schwerer

In der Karolinenstraße stehen mehrere Geschäfte leer. Die Corona-Krise macht es nun noch schwieriger, neue Mieter für die Ladenflächen zu finden.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Die Corona-Krise trifft den Handel in Augsburg mit voller Wucht. Dazu kommt die Angst, dass auch in Top-Lagen bald Geschäfte aufgeben.

Die Karolinenstraße und auch der Perlachberg hatten sich zuletzt als Sorgenkinder entpuppt, wenn es um die Ansiedlung von Einzelhandelsgeschäften ging. Durchgangsverkehr, zu wenig Parkplätze, die Hanglage oder die unattraktive Gestaltung der Straßenzüge wurden immer wieder als Gründe genannt, warum Kunden diese Lagen wenig attraktiv finden und sich Einzelhändler folglich schwer tun. Karolinenstraße und Perlachberg sind von einer Top- zur Nebenkernlage geworden. Corona verschärft diese Entwicklung nun weiter.

Mittlerweile stehen in der Karolinenstraße das ehemalige Eiscafé „Cortina“, der frühere „Champion“-Laden, das Modegeschäft „Prima Moda“ und der Billig-Laden „Stop & Shop“ leer. Auch am Perlachberg sind drei Ladengeschäfte direkt hintereinander teils schon längere Zeit verwaist. Und die ehemalige Fläche des Schuhgeschäfts Beitelrock direkt am Perlachturm ist nach wie vor nicht neu vermietet (das Schuhgeschäft ist unter dem neuen Namen Hartlmaier in die Steingasse gezogen). Bislang haben die Stadt und Händlergemeinschaften versucht, mit Zwischenlösungen wie Pop-up-Stores entgegenzuwirken und währenddessen neue Mieter zu gewinnen. Jetzt, da der Einzelhandel wegen der Krise enorm unter Druck steht, wird dieses Vorhaben allerdings noch schwieriger.

Die ehemalige Esprit-Filiale in der Annastraße wird noch länger leer stehen. Aufgrund von Corona verzögert sich der Umzug des Modehauses Benesch.
Bild: wys

Viele Händler kämpfen ums Überleben. Neueröffnungen von Geschäften scheinen daher in weiter Ferne: „Wir müssen leider davon ausgehen, dass es künftig schwerer werden wird, Gewerbeflächen an den klassischen Einzelhandel zu vermieten. Vor allem auch in Randlagen“, ist sich Ulrich Mayer, erster Vorsitzender des Innenstadtgewerbebeirats, sicher. Während er einen kompletten Neustart als besonders schwierig einstuft, hätten es auch eingesessene Unternehmen derzeit schwer. Noch könnten einige Geschäfte durch Rücklagen und Eigenkapital den Betrieb am Leben halten. Was aber kommt, wenn demnächst beispielsweise im Textilhandel die Winterware bezahlt werden muss, kann Mayer nur erahnen. „Schon jetzt stehen Unternehmen wie Karstadt Galeria unter einem Schutzschirm“, gibt er zu bedenken. Ob sich dann im Herbst die Leerstandsquote weiter erhöht, weil Geschäfte aufgeben müssen, will er nicht hoffen, kann es aber auch nicht ausschließen.

Handel in der Innenstadt: Leerstände zu füllen wird immer schwerer

Auch die Top-Lagen in der Augsburger Innenstadt sind betroffen

Von einem solchen Szenario könnten dann aber nicht nur Randlagen wie eben die Karolinenstraße oder der Perlachberg betroffen sein, sondern auch Top-Lagen wie die Annastraße. Das zeigt schon jetzt ein Aushang im Schaufenster von Gusti-Leder: „Wir wissen nicht, ob wir unseren Laden zukünftig wieder öffnen können oder Insolvenz anmelden müssen“, steht dort geschrieben. Dabei hat das Geschäft erst vor Kurzem als Nachfolger von Obag einen neuen Leerstand am oberen Teil der Annastraße Richtung Karlstraße hin verhindert.

Wie sich die Lage generell weiter entwickeln wird, weiß keiner so genau. Aber neben all den schwierigen Meldungen gibt es auch Hoffnungsschimmer. Das Vorhaben, das ehemalige Attinger-Haus in der Annastraße in mehrere kleine Einheiten aufzuteilen und schon bald mit neuen Konzepten zu bespielen, geht weiter auf. 150 Quadratmeter sind bereits fest an einen Sporttextilhersteller vermietet. Für die beiden anderen Einheiten habe man feste Interessenten, heißt es seitens Lührmann Immobilien. Auch das Augsburger Modehaus Benesch hält an seinem Umzug ins ehemalige Esprit-Gebäude an der Hummel-Passage fest. Dieser musste jedoch wegen Corona auf Herbst verschoben werden.

Aufgeschoben ist hier zumindest nicht aufgehoben. An anderen Stellen muss dagegen neu überlegt werden, wie den Leerständen begegnet werden kann. Peter Wagner von Wagner Immobilien sagt: „Gerade Nebenkernlagen wie die Karolinenstraße müssen künftig noch flexibler sein und nicht mehr nur auf den klassischen Handel setzen“. So sei in einem dortigen Ladengeschäft auch mal eine Arztpraxis denkbar oder die Flächen könnten von Autohäusern zur Präsentation neuer Modelle genutzt werden. „Wir hatten schon Anfragen dieser Art“, erzählt Wagner. Die Chancen für neue Ideen bringe die Corona-Krise also mit, allerdings seien diese auch mit Kosten verbunden. „Sie müssen dann die Immobilie auf die Bedürfnisse dieser Mieter anpassen.“

Immerhin: Ulrich Mayer, der als Vorsitzender des Innenstadtgewerbebeirats auch den Tabakwaren- und Spirituosen-Laden No.7 in der Steingasse führt, hat den Eindruck, die Krise hat den stationären Handel wieder stärker ins Bewusstsein vieler Kunden gerückt. „Sie haben nun erlebt, was es für eine Innenstadt bedeutet, wenn kaum noch Läden geöffnet haben. Vielleicht animiert das ja einige, wieder verstärkt vor Ort zu kaufen“, hofft er. Dann könnte auch der Neustart im Handel gelingen – und weitere Leerstände verhindert werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Der Wandel der Innenstadt ist nicht zu stoppen

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23.05.2020

Mit Maske kaufe ich offline nicht mehr ein.

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22.05.2020

Je länger die (meist überzogenen) Corona Einschränkungen dauern, umso mehr merken die Kunden, dass das Onlineshopping ein bequemes Einkaufen ist. Es wird noch sehr lange dauern bis man wieder Spaß und Freude beim Einkaufsbummel haben wird und danach ins Restaurant, Eisdiele oder Coffeeshop ohne Restriktionen gehen kann. Allerdings sind dann viele dieser Geschäfte und Lokalitäten nicht mehr vorhanden.

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22.05.2020

Die Innenstadt hat 2 Hauptprobleme: Keine Parkplätze und völlig überzogene Mieten.

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22.05.2020

Parkmöglichkeiten gäbs genügend, aber die Mieten hier in Augsburgs Fußgängerzone sind weit übertrieben. Nur, das wissen die Pächter/Mieter vorher und dürfen dann nicht darüber jammern.

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22.05.2020

Tja, Wohnraum wäre im Gegensatz zu Ladenflächen sehr knapp. Genau so wenig wie heutzutage Pferdekutschen durch die Augsburger Innenstadt fahren, kann man beim Internethandel die Zeit zurückdrehen. Corona war nur ein Katalysator, der diese Entwicklung beschleunigt hat. Das Problem für die Immobilienbesitzer ist, dass Mieter keine Mondpreise zahlen können oder wollen.

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22.05.2020

Eine Verbesserung im Baurecht wäre, dass grundsätzlich jeder Neubau neben Toiletten auch mindestens Duschzellen enthalten muss. Eine Umstellung auf Wohnraum wäre so jederzeit problemlos möglich. Gewerbeflächen wegen Mangel an Bedarf leerstehen zu lassen und damit Gebäudekapazität zu verschwenden, ist gegenüber der Gesellschaft unverantwortlich.

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