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Augsburg

04.06.2020

Harte Zeiten für die Augsburger Volkshochschule und ihre Dozenten

In den Kursräumen der Volkshochschule müssen die Abstandsregeln eingehalten werden. Die Folge: Es haben wesentlich weniger Teilnehmer als bisher Platz. Direktor Stefan Glocker demonstriert das an einem Einzeltisch.
Foto: Jan-Luc Treumann

Plus Vielen Honorarkräften brachen sämtliche Einnahmen weg. Auch der Augsburger Vhs-Direktor spricht von immensen Verlusten. Wie der Kursbetrieb Mitte Juni wieder anläuft.

Als die Corona-Pandemie im März das öffentliche Leben lahmlegte, verlor die Dozentin und Stadtführerin Marei Kemmerling mit einem Schlag drei Jobs – bei den städtischen Kunstsammlungen, der Regio Augsburg und der Volkshochschule. Als sogenannte Solo-Selbstständige bezieht sie kein festes Gehalt, sondern bekommt Honorar nur für geleistete Arbeit. Ihr Versuch, über eine Soforthilfe Geld zu bekommen, scheiterte: „Mein Antrag wurde abgelehnt mit der Begründung, ich hätte keine laufenden Kosten wie die Miete von Büroräumen.“

Seit mehreren Monaten muss Kemmerling ohne Einkommen zurechtkommen. Jetzt hofft sie, dass sie wenigstens diesmal Geld aus dem von Kultusminister Piazolo angekündigten 30-Millionen-Euro-Rettungsschirm für Einrichtungen und Mitarbeiter der Erwachsenenbildung bekommt. Und dass bald wieder Tagesausflüge mit dem Bus und Spaziergänge wenigstens in kleineren Gruppen möglich sind.

Bei der Augsburger Vhs sind rund 600 Dozenten auf Honorarbasis tätig

Rund 600 Dozenten sind bei der Augsburger Vhs auf Honorarbasis tätig – in unterschiedlichem Maß. Dass für viele von ihnen das bis Mitte Juni lahmgelegte Semester ein „besonders herber Einschnitt“ ist, weiß Direktor Stefan Glocker nur zu gut. Gleichwohl dürfe die Volkshochschule den Dozenten nichts vorstrecken, um dem Trägerverein keinen finanziellen Schaden zuzufügen.

Paola-Maria Casati könnte eine derartige Finanzspritze bitter benötigen. Seit 30 Jahren bringt die gebürtige Italienerin den Augsburgern mit großem Engagement ihre Muttersprache bei. Etwa 13, 14 Kurse gebe sie pro Semester, sagt sie. Das Geld, das sie dabei verdient, sei für sie als Alleinstehende existenziell. „Ich muss ja weiterhin Miete und Krankenversicherung zahlen und auch noch leben“, sagt sie. Vom geplanten Re-Start der Vhs nach den Pfingstferien profitiert Casati nur marginal. „Lediglich einer meiner Kurse wird Mitte Juni fortgesetzt, bei allen anderen wird es wohl September.“

Manche Dozenten der Vhs müssen Hartz IV beantragen

Als eine von zwei Dozentenvertreterinnen weiß Livia Arena-Schönberger nur zu gut, wie hart die Folgen der Pandemie viele ihrer Kollegen treffen. „Ich weiß von Existenznöten. Manche mussten Hartz IV beantragen.“ Einen genauen Überblick über das Ausmaß der prekären Lage hat Arena-Schönberger aber nicht. Nicht alle würden sich melden, vielleicht auch, weil es ihnen peinlich sei, ihre Situation öffentlich zu machen.

Vhs-Chef Glocker hat in den vergangenen Wochen viele Gespräche mit den Honorarkräften geführt. Ihre Bedeutung steht für ihn außer Zweifel: „Die Dozenten sind das Gesicht der Volkshochschule“, sagt er. Gleichwohl habe er keine Mittel, ihnen finanziell zu helfen. „Wir haben jedoch alles, was uns an Fördertöpfen bekannt wurde, beantragt“, sagt er. Was dies für die einzelnen Dozenten bedeutet, könne er aktuell nicht einschätzen. Gleiches gelte für den von Minister Piazolo angekündigten Rettungsschirm in Höhe von 30 Millionen Euro. „Ich bin sehr froh über dieses starke Signal, glaube aber gleichzeitig, dass die einzelnen Einrichtungen und Dozenten nur mit überschaubaren Summen rechnen dürfen.“

Der große Lockdown bescherte laut Glocker dem Geschäftsbetrieb der Volkshochschule immense finanzielle Verluste. Auch wenn in den vergangenen Monaten immer mehr Veranstaltungen als Ersatz online angeboten wurden, fiel fast das komplette Frühjahrsprogramm flach. „Wir führen in den nächsten Wochen vielleicht 100 von ursprünglich 2000 geplanten Veranstaltungen durch“, so Glocker.

Mehr Abstand und kleinere Kurse bei der Vhs Augsburg

Dass der Re-Start nach den Pfingstferien am 15. Juni nur im kleinen Rahmen erfolgt, liegt vor allem an den Räumlichkeiten. Vorerst kann die Vhs nur die Räume in ihrer Zentrale am Willy-Brandt-Platz belegen. Angebote in Sportstätten oder an Schulen sind noch nicht möglich. Hinzu kommt: Um in den eigenen Räumen das erforderliche Hygienekonzept umsetzen zu können, muss die Zahl der Teilnehmer reduziert werden. Stefan Glocker: „Im Schnitt können wir jetzt 40 Prozent weniger Personen unterbringen.“ Des Weiteren müsse zwischen zwei Kursen mehr Zeit eingeplant werden, um Ansammlungen in den Gängen und vor den Räumen zu vermeiden.

All das habe zu einer Erhöhung der Gebühren geführt, sagt der Vhs-Chef. Er gehe jedoch davon aus, dass diese im Herbst zumindest teilweise wieder rückgängig gemacht werden können. Wichtig ist Glocker der Hinweis, dass sich alle Interessenten neu anmelden müssen. Eine vor Corona getätigte Einschreibung sei nicht mehr gültig. „Alles Nötige dazu steht auf unserer Webseite, die wir laufend aktualisieren.“

Parallel dazu laufen bereits die Planungen für das Herbstsemester – und die Sommermonate. Diesmal werde es im August und Anfang September viel mehr Angebote geben als sonst, verspricht der Direktor. Diese Ankündigung dürfte nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Dozenten freuen.

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