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05.03.2009

"Heim ist Auslaufmodell"

Pfersee An der Oskar-Schindler-Straße im Sheridan-Wohngebiet ist ein ungewöhnliches Projekt geplant. Bis 2010 wollen rund 20 Menschen mit und ohne Behinderung in ein Mehrfamilienhaus namens "trauminsel47drei" einziehen. Das Dachgeschoss des barrierefreien und ökologischen Gebäudes mit seinen 14 Wohneinheiten soll Platz für ein selbstbestimmtes Leben von fünf Menschen mit Handicap bieten, die sonst ins Heim müssten.

Der Planungsentwurf steht. Jetzt werden Sponsoren gesucht, Banken, Stiftungen und Privatpersonen. Für die besondere Bauweise und die 24-Stunden-Pflege würde viel Geld benötigt, so Elke Klein von der Trauminsel. Gesucht werden darüber hinaus noch Interessenten für diese Hausgemeinschaft. Schützenhilfe holten sich Elke Klein und der unterstützende Verein "Gemeinschaftlich Wohnen in Augsburg", mit Detlev Ihlenfeldt an der Spitze, in Kooperation mit dem Augustana-Forum, beim deutschlandweit bekannten Psychiater Klaus Dörner.

In seinem Vortrag "Leben und Sterben wo ich hingehöre" im Pfarrsaal Herz Jesu hielt der frühere ärztliche Leiter der Westfälischen Klinik Gütersloh ein Plädoyer für neue Wohnformen. "Es entsteht eine neue Gesellschaft", sagte der Professor. Nahezu jeder werde heutzutage mit einer Pflegesituation konfrontiert. Gleichzeitig hat der Wissenschaftler eine Neuorientierung der Senioren festgestellt. Seit 1980 wollen immer weniger in ein Heim. Immer weniger wollen nur von Profis gepflegt werden. Und für immer mehr wächst die Bedeutung des Stadtviertels als sinngebender Ort.

Dörners Credo: "Das Heim ist ein Auslaufmodell." Sein Vorschlag: ein Nachbarschaftsmodell, bei dem Alte, körperlich, geistig und psychisch Kranke in ihrem angestammten Stadtteil in Wohngruppen leben und von den Bürgern der Umgebung versorgt werden. Seit den 80er-Jahren wachse eine solidaritätsorientierte Bürgerbewegung. Seit der Industrialisierung werde laut Dörner das Gemeinwohl marktwirtschaftlichen Mechanismen unterworfen, in dem es vor allem um Effizienzsteigerung gehe.

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In der anschließenden Diskussionsrunde fragten die meisten Besucher nach der praktischen Umsetzung des Trauminsel-Projekts. "Die Mitbewohner sollen nichts weiter tun, als die Rolle des aufgeschlossenen Zeitgenossen inmitten unterschiedlichster Menschen zu übernehmen", so der Fachmann.

Informationen Elke Klein, Telefon (08 21) 71 51 53, und Detlev Ihlenfeldt, Telefon (08 21) 22 93 94 56 stehen für Fragen bereit.

Im Internet unter www.gemeinschaftlich-wohnen-in-augsburg.de oder www.trauminsel-47drei.eu.

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